Mit stummen Blicken an.
So rot und immer röter
Wird nun die tiefe Flut,
Und weiss und immer weisser
Das Mädchen werden tut.
Der Mond ist schon zerronnen,
Kein Sternlein mehr zu sehen,
Und auch dem lieben Mädchen
Die Augen schon vergehn.
Lieb Mädchen, guten Morgen!
Lieb Mädchen, gute Nacht!
Warum willst du nun schlafen?
Da schon die Sonn erwacht.
Die Türme blinken helle,
Und froh der grüne Wald
Von tausend bunten Stimmen
In lautem Sang erschallt.
Da will er sie erwecken,
Dass sie die Freude hör,
Er sieht zu ihr hinüber
Und findet sie nicht mehr.
Und legt sich in den Nachen
Und schlummert weinend ein,
Und treibet weiter weiter
Bis in die See hinein.
Die Meereswellen brausen
Und schleudern ab und auf
Den kleinen Fischernachen,
Der Knabe wacht nicht auf.
Doch fahren grosse Schiffe
In stiller Nacht einher,
So sehen sie die beiden
Im Kahne auf dem Meer.
Die Tränen standen ihm dabei in den Augen, und als ich ihn fragte, warum er so traurig sei und das Lied ihn so bewege, sagte er:
"Die Weise ist von des einen Pächters Tochter; sie sang es oft, ich war dem Mädchen gut, und sie ist nun gestorben; es ist mir nur immer, als trieb ich auch in die weite See."
Ich spielte ihm einige naive lustige Lieder, um ihn zu trösten, denn das Naive ist der Trost einfacher Seelen. Dann gab ich ihm einiges, was er lernen sollte, und ging nach Godwi.
Ich fand Flametta bei ihm: es schien uns in ihrer Gegenwart allen wohlzusein. Das Mädchen ist so fest, so rein und kalt wie Marmor, und dabei doch so unendlich beweglich und lebendig. Ihre Figur ist vollkommen die der Atalanta, und ich habe eine grosse Liebe für diese Figur. Es ist mir, als könne man sie noch erbitten, und als habe sie in dem Charakter ihrer Gestalt einen überwindlichen Gegensatz.
Sie kam, um Godwi eine kleine dramatische Arbeit vorzulegen, und um seine Erlaubnis und Unterstützung bei der Aufführung zu bitten; auch bat sie uns, an allen männlichen Rollen zu ändern, wo es uns gut dünke, weil sie, so sagte sie lächelnd, dies Geschlecht täglich weniger begreife.
Godwi sagte scherzend: "Das ist doch schon ein Beweis, dass Sie über dieses Geschlecht studieren, und Sie werden es vielleicht einst wohl gar umfassen."
Wir nahmen uns dann vor, ihr Gedicht zu lesen, und Godwi gab ihr die Erlaubnis, eine kleine Summe für die Aufführung anzuwenden. Sie bat sehr um unser Mitspielen, wir konnten es ihr nicht versagen, und versprachen, bald zu kommen, sie möge nur einstweilen die Zubereitungen vollenden. Das Gedicht hiess: Vertumnus und Pomona.
Fünfundzwanzigstes Kapitel
Fortsetzung der geschichte der beiden Schwestern
Die Gesellschaft fuhr fröhlich nach dem Gute hinaus; der Italiäner war vergnügt, sang scherzhafte Lieder, und schnitt den Bauernmädchen Gesichter aus dem Wagen; als sie aber den Schlosshof hineinfuhren, ward Wallpurgens Sarg in den Leichenwagen geschoben, die schwarzen Männer bewegten sich, und stille, wie das Geschäft einer andern Welt, ging der Zug an ihnen vorüber.
Sie konnten alle kein Wort sprechen, Joseph und Marie hatten sich angesehen, da der Wagen vorüberging, und dann nicht wieder.
Nach dieser Pause sprang der Italiäner aus der Kutsche mit den Worten: "Das war dumm." – Dann folgten die andern. Joseph erkundigte sich im haus, und brachte die Nachricht, dass die Gräfin mit Annonciaten, gleich nach dem tod ihrer Tochter, auf ihr anderes Gut gereist sei. Sie entschlossen sich daher, sogleich zurückzukehren, nachdem sie einige Erfrischungen eingenommen hätten, für welche der Hausmeister sorgte.
Sie waren in den Garten gegangen: Wellner und den Italiäner reizten einige Statuen, einen andern Weg einzuschlagen, und die beiden Liebenden setzten sich in eine Laube. Anfangs sprachen sie nicht; es war, als seien sie ganz fremd geworden, und müssten sich ihre Liebe von neuem gestehen, so war der Tod der armen Wallpurgis zwischen ihnen durchgefahren. Morgen war nun der Tag, an dem Josephs Abreise festgesetzt war, und wie traurig der Abend vorher. Er war herausgefahren, um Annonciaten noch manches zu sagen, was ihm das Herz schwer machte, denn er hatte in der letzten Zeit vieles verstehen lernen. Er wollte die Beiden heute in der weihenden Abschiedsstunde sich und einander fester verbinden, damit sie sich in seiner Abwesenheit gegenseitig unterstützen könnten, und nun musste er sie in solcher Zerrüttung verlassen.
Der Hausmeister deckte zwei Tische im Garten, welche nur eine Taxuswand trennte; an den einen setzte sich unsre Gesellschaft, ohne zu wissen, wer den andern einnehmen werde. Es war schon dunkel, und man ass mit brennenden Lichtern; doch blieben sie nicht lange ungestört, und Wellner, Joseph und Marie verliessen den Tisch, als sie die Leichenträger Wallpurgens sich an der andern Tafel versammeln sahen, ihren herkömmlichen Schmaus zu halten; der Italiäner allein blieb zurück.
Die ganze Begebenheit mit dem Leichenwagen und dem Schmaus war ihm äusserst fatal; er nahm sich daher ganz allein für sich vor, sich an den schwarzen Männern zu rächen. Um dieses zu bewerkstelligen, ging er nach dem Tore, einen der Gesellschaft, der noch kommen sollte, zu erwarten und zu seiner Absicht zu gebrauchen. Er hatte die übrigen sehnlichst nach diesem verlangen hören, weil er der vierzehnte war, und sie nach