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ich sagen:

Was ehret ihr den leeren Topf? Er hatte

Schon seinen Lohn und Freude, da ich blühte – "

Ich setzte ihm den Hut auf, und las, die Worte der Prinzessin parodierend, weiter:

"Du gönnest mir die seltne Freude, Haber,

Dir ohne Wort zu sagen, wie ich denke."

Haber machte in seiner Verträglichkeit ein Meisterstück, er freute sich meiner Laune, und fügte hinzu, indem er den Hut wieder auf den Kopf setzte:

"O nehmt ihn weg von meinem haupt wieder,

Nehmt ihn hinweg! er sengt mir meine Locken

Denn ich habe ihn allein hierher gehängt, weil es mir zu heiss war. übrigens sollten Sie mich nicht necken, dass ich die idee habe, den Tasso zu übersetzen, Sie kennen meine Kunst noch nicht, und würden sicher mit ihr keinen Kampf bestehen

Denn wer sich rüsten will, muss eine Kraft

Im Busen fühlen, die ihm nie versagt."

"Ich gehe den Kampf zwar nicht ein," sagte ich, "aber wir wollen doch zum Scherze ein italiänisches Lied miteinander übersetzen, das ich für ziemlich unübersetzlich halte; es kommt mir eigentlich nur darauf an, dass das Lied übersetzt würde, heute abend wollen wir es beide Godwi vorlegen."

Haber willigte ein, und ich schrieb ihm das Lied auf, dann ging er weg. Ich setzte mich nieder, und versuchte meine Übersetzung, aber ich ward mutwillig, und konnte es nur frei übersetzen. Ich brachte einen teil des Vormittags damit zu, und da ich so ziemlich damit fertig geworden war, ging ich nach dem Landhause, eine Flöte Douce rief mich in die Familienstube des Pächters.

In der stube stand ein Mann von etwa dreissig Jahren, der die Flöte blies; die Kinder waren um ihn versammelt, und hörten zu; ein besser gekleideter Mann stand vor ihm und sagte ihm: "Nun ist es bald genug." Hier trat ich in die stube, und er legte die Noten beiseite, putzte seine Flöte mit dem Schnupftuche sorgsam ab, und legte sie weg. Die Kinder in der stube kamen nacheinander zu mir, und reichten mir die Hand, wie es die Mennoniten pflegen. Da ich glaubte, der Mann habe meinetalben aufgehört, so bat ich ihn fortzublasen; er versetzte mir: "Ja wenn es der Herr Doktor erlaubte! Sie selbst hätten mich nicht stören sollen, denn es ist lange, dass ich dies Vergnügen entbehre."

Der Herr Doktor war der besser gekleidete Mann, und sagte mir, dieser Bediente Godwis, der Georg heisse, habe einen bösen Husten, darum habe er ihm das Flötenblasen untersagt; zugleich flüsterte er mir ins Ohr: "Schwindsucht, Schwindsucht, ist nicht herauszureissen", machte dann seinen Diener und ging weg. Da er fort war, war die ganze stube stille, und ich sah den armen Georg mitleidig an.

"Blase er immer noch eins", sagte eine junge Frau, die am Spinnrade sass, "wir hören es gerne, und bei dem Doktor ist es ihm doch nicht recht vom Herzen gegangen."

Georg schien mich mit seinen Blicken zu fragen, ob ich ihn nicht verraten wolle, und da ich ihn selbst darum bat, blies er, wie er sagte, sein Lieblingslied, und dann wolle er lange nichts wieder spielen. Die Tränen liefen ihm dabei aus den Augen, und mir auch; ich dankte ihm. Man rief mich zu Tische.

Dort fand ich Godwi, der lächlend meinen ersten Band zur Seite legte, und mich fragte, warum ich so ernstaft sei, ich solle sein Urteil nicht fürchten, obschon ihm vieles in dem buch sehr lustig vorgekommen sei.

"So sehr mich Ihre Verzeihung auch rühren wird," sagte ich, "so ist es doch jetzt Ihr Bedienter Georg, der mich so ernst gemacht hat. Warum muss der arme Mensch auch grade Flöte blasen zu seiner Brustkrankheit, und warum muss er die Musik so sehr lieben, als seine Krankheit sein Instrument hasst; wenn er unheilbar ist, so soll man ihm immer erlauben, früher an dieser schönen leidenschaft zu sterben als an seiner garstigen Krankheit."

"Sie haben recht," sagte Godwi, "dieser gute Mann ist durch dieses Verbot unglücklicher als durch seine Krankheit, die er sehr gut kennt. Ich wollte, ich könnte ihn ein anderes Instrument lehren lassen, das zugleich tragbar wäre, denn er geht gar zu gern mit seiner Musik spazieren. Es freut mich, dass Sie mich daran erinnern, besinnen Sie sich doch, ob Ihnen nichts einfällt."

Ich fragte ihn, ob er keine Laute oder Ziter in der Gegend wüsste; ich wollte Georgen darauf Unterricht geben.

"Gut," sagte Godwi, "eine Laute ist im haus, und zugleich erfahre ich, dass Sie bei mir bleiben, worum ich Sie ohnedies bitten wollte."

Ich entschuldigte mich, dass ich mein Hierbleiben so unvorsichtig vorausgesetzt hätte, versicherte ihn, wie gern ich es täte, und bat ihn, jemand in die Stadt zu schicken, der meine wenigen Gerätschaften herausbringe.

Georg wartete uns bei Tische auf, und freute sich sehr, da ich ihm sagte, dass ich ihn die Laute lehren wolle. Haber schien etwas unzufrieden zu sein; ich fragte ihn nach der Übersetzung, er klagte über die vielen italiänischen Wortspiele, übrigens gehe er nach Tische wieder daran. Wir setzten als Wette fest