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So hebt es sich, so strebt es nach der Leier,
So schwebt in hoher Feier
Der Gott empor und in des Bildes Herzen
Schmiegt sich der Schwan und reiniget die
Schmerzen.
O harre, hebe mich empor!
Wie es in tiefer Andacht ganz erbebt
Und zu dem Himmel strebt. –
O Götter, löst den Schmerz in süssen Tränen,
Umarmt im kühlen Flug sein heisses Sehnen!
Achtzehntes Kapitel
Da ich diese Verse niedergeschrieben hatte, hörte ich Habern die Fensterladen unserer Schlafstube aufstossen, und ging tiefer in den Garten. Ich sah Godwi in einer Allee mir entgegenkommen; es freute mich, und ich war entschlossen, ihm mein ganzes Verhältnis zu ihm zu erklären. Er sprach mit mir von gestern abend, und warnte mich nochmals ernstlich, mich solchen Stimmungen nicht hinzugeben; er sagte:
"Solche Stimmungen führen zu einer frevelhaften Ansicht des Lebens, und unsere Fähigkeit zu rühren erhält endlich so sehr das Übergewicht gegen jene, gerührt zu werden, dass wir der Welt hart und grausam vorkommen, wenn uns das Herz blutet – ich kenne dieselbe Empfindung, und es hat mir viele Mühe gekostet, ihre Narbe zu verlieren."
"Sie haben Recht," fuhr ich fort, "es liegt eine falsche Dramatik in diesem Zustande, und man zerstört sowohl sein Talent zu fühlen als darzustellen, wenn man die blosse unbestimmte Rührung durch den Witz gewaltsam zum Eindruck erhöht, und die Handlung genug zum Leiden herabstimmt, um dieses Mittelding von Rührung und Eindruck fantastisch äussern zu können. übrigens habe ich einen solchen überwiegenden Drang zur Darstellung, dass ich mit grossem Genuss in solchen Stimmungen verweile, und ich glaube wirklich, dass diese Art von Äusserung mir oft nützlich ist, da ich nichts weniger ertragen kann als das Stumme und Tonlose."
Godwi wollte mich hierauf zu Violettens Grab führen. Ich sagte ihm, dass ich seiner Güte zuvorgekommen sei, und zwar indem ich zum Fenster herausgestiegen wäre.
Er lächelte, und sagte: "Ich danke Ihnen beinah dafür, denn dieses Bild ist mir mit vielen Schmerzen verbunden."
"Auch mir ist es mit Schmerzen und Lust verbunden gewesen, ich habe in mir vieles an dem Bilde erlebt, und wenn es Sie freuet, so lesen Sie einige Verse, die mir der schöne Morgen in die Schreibtafel schrieb, als er mich und das Bild so vertraut fand."
Ich gab ihm hier die Sonette und die Canzone; sie schienen ihn zu rühren, und ich dachte an die geringen Töne des Alphornes, die dem Schweizer in der Fremde das Herz brechen können.
"Ich danke Ihnen", sagte er, und drückte mir die Hand, es standen ihm Tränen in den Augen; "ich danke Ihnen für die Sonette, und erlauben Sie, dass ich sie abschreibe."
"Ich danke Ihnen für Ihre Tränen," erwiderte ich, "welche die fehlende Pointe meiner Sonette so schön ersetzen, und erlauben Sie, dass ich diese Tränen abschreibe."
"In einem Sonett? das wäre zu gedehnt – in meinem Leben? wenn Sie wollen, ja – ich bin Ihnen gut."
"Und wenn ich schon manches aus Ihrem Leben abgeschrieben hätte, und Sie sähen meine schlechte Schrift, und meinen selbstischen Stil, würden Sie mir diese Tränen dennoch vertrauen?"
"Auch dann; Sie scheinen mir das Verwirrteste entwirren zu können. Sie haben Violettens Leben so treu in einer blossen Darstellung ihres Grabmals geschildert, dass ich Ihnen zutraue, Sie könnten, wenn Sie lange mit mir umgingen, aus mir, dem Denksteine meines Lebens, meine geschichte entwicklen."
Ich zog hier den ersten Band dieses Romans aus der tasche, und reichte ihn ihm mit den Worten hin:
"Ich halte Sie beim Worte."
"Was ist das?" sagte er, schlug das Buch auf, las das Lied: "Und es schien das tief betrübte usw.", sah mich an, blätterte weiter – "Römer – Godwi – Otilie – Joduno" – und lief mit dem buch davon.
Ich reihte schon alle meine Entschuldigungen zusammen, als ich in mir durch die entschuldigende Ansicht meines buches auf die geschichte seiner Sünden kam, welche aber nichts anders als eine geschichte meiner Unschuld blieb, und diese Unschuld selbst hatte für mich ein so liebenswürdiges Ansehen, dass ich nicht zweifelte, Godwi mit einer naiven Darstellung dieser Unschuld ganz besänftigen zu können.
Hier bemerkte ich Habern, der langsam die Allee heruntergeschritten kam; er las in einem buch, welches ich am Einbande für Goetens Tasso erkannte, denn ich hatte es morgens auf seinem Nachttische liegen gesehen. Er ging so langsam und nachlässig, dass ich vermutete, er lese die Worte der Prinzessin:
Schon lange sehe ich Tasso kommen. Langsam
Bewegt er seine Schritte, steht bisweilen
Auf einmal still wie unentschlossen, geht
Dann wieder schneller auf uns los, und weilt
Schon wieder –
Ich zog mich in die Gebüsche zurück, um ihm einen Lorbeerkranz zu flechten, den ich ihm scherzhaft aufsetzen wollte, fand aber bald seinen eignen Hut, den er auf einen alten Aloetopf gesetzt hatte, und da er mich einholte, und mir guten Morgen sagte, nahm ich patetisch ihm das Buch aus den Händen und las, indem ich seinen Hut berührte, der auf dem Aloetopfe hing, die Worte Alphonsens parodierend:
"Hat ihn der Zufall, hat ein Genius
Gefilzt ihn und gebracht? Er zeigt sich hier
Uns nicht umsonst. Den Aloe hör