in den Winkel, Godwi sah mich verwundert an, meine Worte trugen mich fort, ich fühlte die kalte Glut in meinem gesicht und sprach mit Tränen:
"Aber das dauert nicht lange, am Ende wird immer was Bessres daraus, das Vorige war matt – sehen Sie, unter diese war mein Leben geteilt, sie kommen und rinnen zusammen, so rann auch mein Leben zusammen, und da steht nun das Weib, dem ich es in die arme legte, da steht es wie die schöne Sünde – aber sie hat mir es vor die Füsse geworfen – o Sie können es in Ihren Garten pflanzen in den fettesten Boden, es schlägt nie wieder aus – es ist verbrannt, in der Liebe verbrannt – ha und noch ein Mensch – sagt nicht, er sei schwach – was ist er schwach? er ist sein Hallunke und sein Henker zugleich, und henkt sich nicht selbst, weil er seines Henkers Hallunke bleiben muss, und seines Hallunken Henker nicht werden will."
Haber sprang hier wild auf und sagte: "hören Sie auf, ins Teufelsnamen."
"Ha! ha! ha!" lachte ich ganz heiter, "sind Sie so erschrocken; nun, ich will Ihnen was erzählen –"
Godwi bat mich, nicht so heftig zu sein. "Obschon ich Sie verstehe," sagte er, "so ist die wirkung davon doch weder gut für Sie noch mich."
"Ich will Ihnen ein Lied singen, das hierher gehört, nur muss ich zuerst erzählen, wo ich es zuerst sang.
Ich ward in meinem sechsten Jahre von haus entfernt, und von meiner Mutter, die es gut meinte, zu einer Anverwandten in die Kost getan, wo sich meine Schwester schon früher befand.
Bei dieser Frau lebte ich, Gott möge es sich selbst verzeihen, ein recht elendes Leben. Ihr Mann war ein ausschweifender Mensch, und sie ein eingebildetes, eigensinniges geschöpf, eine von jenen Weibern, welche Hochteutsch-Sprechen für moralisch halten. Wir sahen sie nur morgens, mittags und abends zu unserm Schrecken. Denn morgens kam sie mit eiskaltem wasser, stellte uns nackt vor sich, und liess es uns aus einem Schwamme über den rücken laufen. Ich habe sie nie lachen sehen, als wenn ich ihr die eiskalten wasser-Gesichter schnitt; ob es übrigens gesund war, weiss ich nicht, nur weiss ich, dass ich abends immer grossen Hunger hatte, und dass mein erster Witz war, Morgenstund hat kalt wasser im Mund. Mittags assen wir unter den Aufmunterungen: 'Halte dich grad, die hände auf den Tisch, hänge den Kopf nicht so, wie du wieder den Löffel nimmst!' etc. Nach Tisch musste ich dem Lieblingshunde, der die Originalität besass, Nüsse zu fressen, zehn Nüsse schälen, dafür bekam ich eine, die ich mit meiner Schwester teilen durfte; nun band man mir und meiner Schwester, die in eine Schnürbrust gezwängt war, die Ellenbogen hinten zusammen, und so mussten wir rücken an Rükken gebunden, um unserer Muhme zum Nachtische einen Spass zu machen, auswärts stehen, bis wir umfielen; dann wurde auch gelacht. Den übrigen Tag waren wir bei dem Gesinde oder einem Lehrmeister, der uns, während er dem Kanarienvogel des Bedienten die Augen mit einem glühenden Drahte blendete, und seine Stiefel wichste, die Hauptstädte von Europa auswendig lernen liess und, wenn wir sie ihm zu früh wussten, uns strafte.
Vor die Haustür kam ich nie, und sah oft meine Schwester neidisch an, wenn sie die Magd von den Fräuleins zurückbrachte, zu denen sie in Gesellschaft ging. Die Muhme hielt mich so im Respekt, dass wenn sie mir abends die Hand nicht zu küssen gab, ich nachts im Bette weinte, und meiner Schwester keinen Schlaf gönnte, mit dem Ausrufe, dass ich ein Verbrecher sei.
Hinten am haus war ein kleiner Garten, an dem ein grosser Saal war, der voll Ölgemälde hing. Eines, welches das grösste war, stellte das Urteil Salomons über die zwei Kinder der Buhlerinnen vor, grade wie der Kriegsknecht das lebendige Kind am Beine hält, und es entzweihauen will; das andere Kind lag tot und blau an der Erde; die rechte Mutter reckte ihm die hände in die Höhe, die falsche sass ruhig am Boden und sah zu; der Kriegsknecht hatte einen recht blutroten Mantel an, und das ganze Bild war in Lebensgrösse und mit grellen Farben gemalt. In diesem saal war ich meistens, wenn ich allein war, und nährte meine kindische Phantasie an dem Bilde.
Da ich einmal von meiner Beherrscherin unschuldig viel böse Worte gelitten hatte, wurde ich weinend zu Bette geschickt; meine Schwester war noch zu Besuche; ich konnte nicht im Bette bleiben, und schlich herunter in den Gartensaal, um dort, wie ich oft tat, vor einem kleinen Jesusbilde zu beten, dass er mich bessern möge, denn ich wusste nicht, was ich begangen hatte, und hielt mich doch für einen Verbrecher.
Als ich in den Saal trat, überfiel mich eine grosse Angst; es waren keine Scheiben in den Fenstern, und Weinlaub über sie gezogen. Der Mond schien herein, und alle die vielen Ölgemälde schienen zu leben durch das Licht, das sich durch das Schwanken des Weinlaubs über sie bewegte.
Ich sank in die Knie, es war kalt, und ich war im Hemde; o! wie war ich so unglücklich, ich betete laut