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Clemens Brentano

Godwi

oder

Das steinerne Bild der Mutter

Ein verwilderter Roman

von Maria

Den schönen Launen

der lieblichen Minna,

dem

guten geist Juliens

und

dem stillen heitern Sinne

Henriettens

weihe ich dies Buch ohne Tendenz

Erster Band

Ihr schönsten Launen, du guter Geist, und du heiterer Sinn, ihr seid mein ganzes Publikum, oder wenigstens, was es bedarf, aus mir einst einen leidlichen Dichter zu machen. Neckerei, freundliche Strenge und Duldung können mich von allen moralischen und künstlerischen Fehlern heilen. Entusiasmus ist in mir, ihr kennt und liebt seine schöne Quelle. Ich sagte euch ohnlängst, dass ich euch dies Buch geweiht, die Dedikazion aber vernichtet hätte, weil ich fühlte, wie sehr wenig mein Buch es verdiene. Aber seit ich einen schönen Abend in einer schönen Umgebung zubrachte, fühle ich, dass ihr alles hören dürft, was ich weiss und wusste, ja dass es mir sehr heilsam wäre, wenn ihr alles hörtet, denn ich würde mir dann Mühe geben, alles so gut zu sagen, als ich kann. Du holde Dreieinigkeit stehst also nicht hier, meinem nachlässigen buch einen schönen Vorredner zu geben, auch steht mein Buch ebenso wenig wie eine üble Nachrede hinter deinem guten und lieben Namen, noch weniger soll mit den wenigen guten Gedanken darin dir eine spärliche Ehre erwiesen werden. Nein, wie drei gute Feen stelle ich euch hierher an die Wiege meiner jüngsten Torheiten (denn das Buch ist schon ein Jahr alt), damit ich in eurer Miene das Schicksal meines buches in der schönsten Welt ergründen möge. Am meisten aber verführte mich meine grosse sehnsucht dazu, eine von euch dreien Du zu nennen, was ich öffentlich nur unter dem Verluste meiner ewigen Freiheit erlangen könnte, und hier in meiner poetischen Freiheit mit Recht nach Herzenslust darf. Welche es ist, die kann es sicher fühlen, doch wird keine je erraten können, ob es die andre ist. So wende ich mich denn zu dir, liebliche Minna, und rede deine schönsten Launen, nicht ohne einige Begeisterung, folgendermassen an:

"Ihr Leichtbeflügelten, die ihr ihr schönes Bild im ewig neuen Wechsel von tausend glühenden Farbenschimmern in dem bunten Staub eurer Psychen-Flügel zerstreut, sammelt euch freundlich in ihrem Herzen, wenn sie mein Buch in die Hand nimmt."

Warum ich sie alle gern in dein Herz herein hätte, will ich dir gleich sagen. Es ist, weil ich sie dann förmlich drinne belagern möchte, denn ich empfinde, dass sie im freien feld nicht zu bezwingen sind und mir manche bange Stunde machen. Etwas würde ich in jedem Falle gewinnen, entweder würden deine Launen sich ergeben, und du würdest mich in dein Herz hereinlassen, auf das ich so unendlich begierig bin, oder sie würden siegreich sterben, und dann brauchte ich nicht mehr herein, denn dein Herz würde sich deutlich auf deiner Oberfläche aussprechen. Du kannst nicht begreifen, wie ich es wage, gar nicht von der Gewalt deiner schönen Augen zu sprechen, die deine Lieblinge, wie du meinst, wohl bald entsetzen würden. So will ich denn von ihnen sprechen. Deine Augen! auf die verlasse dich nimmer. Du hast keine Macht als deine Launen, deine Augen sind gerade, was den Feind zu dir hinziehen wird. Es liegt für mich eine dunkle Tiefe darin, wie in den Augen der Ossianschen Mädchen, in die man leise hinabgezogen wird. Auch schlägst du sie selbst zu oft nieder, und sind sie zu weiblich schön, als dass sie je streitbar werden sollten.

Du selbst weisst nicht, was du mit diesem buch anfangen sollst; das ist ja eben die Klage, dass du nicht weisst, was du mit mir anfangen sollst. Du sollst es lesen und auf den zweiten teil hoffen, der mehr für dich allein sein wird. Aber wirst du das je können, wenn deine Launen nicht eingesperrt sind, die dich zwingen werden, in meinem buch hin und her zu blättern, bald den Anfang, bald das Ende vorzunehmen, Druck- und Schreibfehler drinne zu zeigen, und es wieder von dir zu werfen, was zwar dies Buch, ich aber nie verdiene.

So nimm sie dann zusammen in dein Herz, die launigten Kinder, nimm ihnen das gefährliche Spielzeug, deine Waffen, aus den Händen, und lass sie lieber mit sich selbsten als mit deinem Besten spielen. Sei nicht unwillig, dass ich wie ein Pädagoge auf die wilde natur deiner Lieblinge schmäle, die in holder Verwirrung über dir herumirren, und sich in deine einzelnen Reize mutwillig vermummt haben. Sieh, es tut mir nur leid, dass du dir selbst zur Beute wirst; es ist mir oft, als wäre dein Schmuck nicht an seiner rechten Stelle, wenn Kinder mit ihm spielen, auch möchte ich dich einmal selbst sehen. Aber du fragst: "Was sollen meine mutwilligen Launen in meinem Herzen anfangen? Sie werden mein ruhiges Herz auslachen." Wenn du mich je hineinlassen wolltest, so wäre dem geholfen, ich würde ihnen Märchen erzählen, bis sie einschliefen.

Willst du aber das alles nie zugeben, so verzeihe mir wenigstens, wenn ich mich unter deine Launen mische, Blindekuh mit ihnen spiele, und wenn ich gehascht werde, nicht etwa die Binde mit ihnen wechsle; nein, ich will mich betragen, als wäre ich Meister geworden, will der Laune etwas Mutwilliges ins Ohr flüstern, und wohl auch ein solches Kind in der Eile küssen. "Oder gar wie