etwas Frostigeres und weniger Befriedigendes über diesen Gegenstand gehört oder gelesen zu haben. Wahrlich es steht schlecht mit der Hoffnung derer, die sich ewig zu leben wünschen, und weil das Recept zu Medeens Kräuterbad verloren gegangen ist, und die Quelle der Jugend erst noch entdeckt werden soll, kein andres Mittel, ihres Wunsches teilhaft zu werden, sehen, als nach dem tod in einer unsichtbaren Welt ein neues Leben zu beginnen – es steht (sage ich) schlecht um ihre Hoffnung, wenn sie auf keinem festern grund ruht, als auf der Behauptung: "es müsse auf den Tod ein neues Leben folgen, weil das Erwachen aus dem Schlaf entstehe, und beides eine notwendige Folge davon sei, dass jedes Ding, dem etwas entgegen gesetzt ist, aus diesem Entgegengesetzten entspringe." Was wird die Nachwelt (wofern dieses Platonische Machwerk seinen Schöpfer überleben sollte) von Sokrates und von denen, die ihn für einen Weisen hielten, denken müssen, wenn sie liest, dass er ein paar Stunden vor seinem tod seine besten Freunde, lauter gesetzte und zum teil schon bejahrte Leute, mit so läppischen Fragstücken, wie man sie etwa an ein Kind von drei Jahren tun könnte, unterhalten habe; und sollte sie wohl glaublich finden, dass so verständige junge Männer, wie Cebes und Simmias, sich diese kindische Art von Belehrung hätten wohlgefallen lassen? Oder was denkst du dass man zu einem Dialog, im Geschmack der kleinen probe, die ich mir (wundershalben) abzuschreiben die Mühe geben will, sagen werde?
S o k r a t e s (zu Cebes). Was meinst du, Cebes, ist irgend etwas dem Leben so entgegengesetzt als das Schlafen dem Erwachen?
C e b e s . Allerdings.
S o k r a t e s . Was denn?
C e b e s . Gestorben sein.
S o k r a t e s . Entstehen nicht beide aus einander entgegen gesetzten Dingen, und muss es nicht mit ihren respectiven Entstehungen (γενεσεις) eben dieselbe Bewandtniss haben?
C e b e s . Wie könnt' es anders?
S o k r a t e s . Ich will dir nur das eine Paar der so eben genannten Dinge sagen, so wohl sie selbst als ihre Entstehungen; und du sagst mir dann das andere. Ich setze also, schlafen und wachen, und nun sag' ich: aus dem Wachen entsteht das Schlafen, und umgekehrt aus dem Schlafen das Wachen, und ihre Entstehungen sind, vom einen das Einschlummern, vom andern das Aufwachen. Hab' ich es deutlich genug gesagt oder nicht?
C e b e s . Sehr deutlich.
S o k r a t e s . Nun sage du mir auch, wie es sich mit dem Leben und dem Gestorbensein verhält. Sagst du nicht, dass Leben das Gegenteil sei von Gestorbensein?
C e b e s . Allerdings.
S o k r a t e s . Und dass sie aus einander entspringen?
C e b e s . Ja.
S o k r a t e s . Was wird also aus dem Lebenden?
C e b e s . Das Gestorbene.
S o k r a t e s . Und aus dem Gestorbenen?
C e b e s . Notwendig muss man bekennen, das Lebende.
S o k r a t e s . Diesem nach, mein lieber Cebes, entstehen die Lebenden aus den Gestorbenen?
C e b e s . So scheint es.
S o k r a t e s . Unsre Seelen sind also im Hades?
C e b e s . Man sollt' es denken.
S o k r a t e s . Und, was ihre beiderseitigen Entstehungen betrifft, liegt nicht die eine klar am Tage? Denn Sterben ist doch etwas Augenscheinliches; oder nicht?
C e b e s . Ganz gewiss.
S o k r a t e s . Wie wollen wir nun weiter verfahren? Wollen wir das, was aus dem Gestorbensein entsteht, nicht ebenfalls für etwas Entgegengesetztes halten? Sollte die natur nur hier allein hinken? Oder müssen wir eine dem Sterben entgegengesetzte Entstehung annehmen?
C e b e s . Das müssen wir allerdings.
S o k r a t e s . Was für eine also?
C e b e s . Das Wiederaufleben.
S o k r a t e s . Wenn nun ein Wiederaufleben stattfindet, wäre da nicht das Wiederaufleben eine Entstehung des Lebenden aus dem Gestorbenen?
C e b e s . Unstreitig.
S o k r a t e s . Wir sind also genötigt als etwas Ausgemachtes einzuräumen, dass die Lebenden eben sowohl aus den Gestorbenen entspringen, als die Gestorbenen aus den Lebenden; und wenn diess ist, so haben wir einen hinreichenden Grund anzunehmen, dass die Seelen der Verstorbenen irgendwo sein müssen, von wannen sie wieder geboren werden können?
C e b e s . Aus dem Eingestandenen folgt diess notwendig, u.s.w.
Nun frage ich dich, Aristipp, ob das unauslöschliche lachen der seligen Götter im ersten Buch der Ilias hinlänglich wäre, eine solche Manier zu philosophiren nach Würden zu belachen? Und in was für ein unendliches und unermessliches Wiehern müssten erst die besagten Götter (die über ihren neuen, dienstfertig von einem zum andern herum hinkenden Mundschenken so entsetzlich lachen konnten) ausbersten, wenn sie ein Paar gravitätische Leute unter den Wolken, über