stellen ebendenselben schwerbewaffneten Kriegsmann vor; auf der einen ist er in vollem Lauf begriffen, auf der andern legt er seine Rüstung ab, um auszuruhen; in beiden herrscht ein so hoher Grad von Wahrheit und Leben, dass man ihn auf jener schwitzen zu sehen, und auf dieser keuchen zu hören glaubt. Er war so zufrieden mit mir, als ich diese, eben nicht schwer zu machende Bemerkung machte, dass er mich noch eine ziemliche Anzahl kleiner, auf elfenbeinerne Täfelchen gemalter Stücke sehen liess, die an täuschender Lebendigkeit und Grazie der Ausführung, so wie an Leichtfertigkeit des Inhalts161 alles weit übertreffen, was ich je in dieser Art gesehen habe. Lass' dir genug sein, Kleonidas, dass eine in Götterwonne hinsterbende Leda das züchtigste Stück von der ganzen Sammlung war. Da er mich etwas verlegen sah – (du weisst, ich liebe die Entweihungen der heiligen Mysterien Amors und Aphroditens nicht) – sagte er mir ganz unbefangen: diese Scherze meines Pinsels sind eigentlich nur für mich selbst gemacht, und dienen mir zur Erholung nach ernstaftern arbeiten. Ich würde keines davon um irgend einen Preis verkaufen; nur diese Leda ist derjenigen bestimmt (wofern sich eine solche finden sollte) die schöner ist als sie, und statt des göttlichen Schwans – mit mir vorlieb nehmen will. Du siehst, Freund Kleonidas, dass Parrhasius nicht nur ein grosser Maler, sondern auch ein grosser Schalk ist, und die schwache Seite der Leden kennt. Wenn es nur auf die erste seiner Bedingungen ankäme, so wäre die seinige schon verspielt. Ich möchte wohl wissen was Lais zu diesem tollen Einfall sagt?
Parrhasius ist reich, und lebt auf einen ziemlich Asiatischen Fuss. Ich sah verschiedne schöne Sklaven und Sklavinnen in seinem haus, und eine der letzteren schien mir seiner Leda sehr ähnlich zu sehen. Und so viel von deinem berühmten Kunstverwandten.
Ich brauche dir nicht zu sagen, wie ungeduldig ich nach der Ausführung deiner zwei herrlichen Ideen bin. Für die kleine Rache, die du für mich an dem spitznasigen Plato genommen hast, hat dir Lais, wie ich höre, schon in ihrem und meinem Namen gedankt. Strenger wird ihn hoffentlich sein eigenes Gefühl bestrafen, wenn er hören wird, dass er mit drei hämischen Worten einen Jüngling, der wahrlich der Sokratischen Bildung Ehre gemacht haben würde, zur Verzweiflung getrieben hat.
58.
Lais an Aristipp.
Läugne nur nicht, Aristipp, dass du eifersüchtiger bist, als du mir und vielleicht dir selbst gern gestehen möchtest. Wenn es so ist, so hast du Unrecht, mein Freund. Ein Kuss ist am Ende doch nichts mehr als ein Kuss, und wenn in einer kleinen Berauschung auch ein halbes Duzend daraus geworden wären, so sollte, dächt' ich, um eines so guten Einfalls willen wie der, wofür Kleonidas sie bekam, eine solche Kleinigkeit einem Freunde wohl zu gönnen sein. Oder könntest du auch nur im Traume den Argwohn hegen, ich sei leichtsinnig genug, meine Musarion um einen Liebhaber wie Kleonidas bringen zu wollen? Ich werde dir, mit deiner erlaubnis, keine weitere Erläuterung über diese Sache geben; genug wenn ich dir sage, dass zwischen ihnen beiden eine Art von Freundschaft (wie sie es nennen) erklärt ist, die ich, ohne mich deutlich heraus zu lassen, auf alle Weise begünstige, und, wenn sie noch einige kleine Proben ausgehalten hat, zu beiderseitiger Zufriedenheit in einen ehelichen Liebesknoten zusammen zu stricken gesonnen bin. Musarion ist eines Mannes wie Kleonidas wert, und Kleonidas könnte in allen drei Weltteilen schwerlich ein Mädchen finden, das in jeder Beziehung, es sei als Freundin und Lebensgefährtin, oder als Mutter seiner Kinder, oder als Gespielin seiner fröhlichen Stunden, oder als Modell für seine Lieblingskunst, sich besser für ihn schickte, als meine Musarion, die zu einer seltnen Schönheit und Anmut, und einem Gemüt, das die Keime aller weiblichen Tugenden in sich trägt, gerade so viel Verstand und Witz zum Anteil bekommen hat, als ein Weib im Kreise des häuslichen Lebens nötig haben kann. Ich glaube mich der Pflicht, die mir ihr edler Vater auferlegt hat, nicht besser als durch eine solche Verbindung entledigen zu können, und ich freue mich voraus, dass mein Plan deinen Beifall haben wird.
Eurybates ist seit kurzem nach Aten zurückgekehrt, und wir werden die Lücke, die ein so angenehmer Gesellschafter in unserm Cirkel lässt, nicht so leicht ersetzt bekommen. Er hat mir mit einem schönen Medischen Eunuchen, der ein trefflicher Sänger und Citerspieler ist, ein Geschenk gemacht. Was konnte' ich da weniger tun, als ihm die Charis Droso zum Gegengeschenk aufzudringen? – Oder zweifelst du etwa, dass ich grossmütig genug zu einem solchen Opfer war? – Gleichwohl tat ich's nicht. Ich begnügte mich, ihr die Freiheit zu schenken, und überliess es ihr selbst, mit ihrer person nach eignem Belieben zu schalten. Eurybates verliert nichts dabei. Sie begleitet ihn nach dem schönen Aten, und wenn sie die Sokratischen Lehren, die ich ihr mitgegeben habe, befolgen will, so wird sie wahrscheinlich Ursache haben, mit ihrem Loose zufrieden zu sein. – Ich pfusche der Ehestifterin Here ziemlich stark ins Handwerk, wie du siehst; es ist eine wahre Liebhaberei bei mir, und muss wohl an einer person, die so ungeneigt ist sich selbst binden zu lassen, seltsam genug scheinen. Erkläre dir's wie du kannst; ich mag mir den Kopf nicht zerbrechen, die Ursache davon