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die Leute rieten denen er folgte, war zu seinem Verderben. Dennoch hätte alles noch leidlich ablaufen mögen, wenn er uns nur erlaubt hätte, gegen die (sogenannten) Rebellen, die sich in einen haltbaren Posten an den grenzen der Cesammonen geworfen hatten, auszurücken, bevor sie Zeit gewannen, die übrigen Flüchtlinge, Missvergnügte und Verbannte, an sich zu ziehen und unvermerkt zu einem Heer anzuwachsen. Aber Ariston wollte die Ehre, seine Truppen in eigner person anzuführen, keinem andern abtreten, und glaubte sogar seine Sache sehr politisch anzustellen, wenn er seinen Feinden Zeit liesse, sich alle in einen Haufen zusammen zu drängen, damit er der Rebellion mit Einem Schlag ein Ende machen könnte. Und so musste das einzige, was allenfalls an ihm zu rühmen war, seine persönliche Tapferkeit, durch die Unklugheit, womit er sie handhabte, die Ursache seines Verderbens werden. Die republikanische Partei hatte durch sein Zögern Luft bekommen, und durch die rastlose Tätigkeit ihrer Anführer Mittel gefunden, etliche Tausend Messenier, die, von den Spartanern aus Naupaktos und Kephalonia vertrieben, sich an die Cyrenische Küste geflüchtet hatten, unter dem Versprechen, ihnen die Ländereien der Königlichen und das Bürgerrecht von Cyrene zu schenken, an sich zu ziehen, und durch diese Verstärkung zu einem furchtbaren Heer anzuschwellen. Denn die Messenier wurden von jeher unter die tapfersten und streitbarsten Völker Griechenlands gezählt, und was konnte man nicht von solchen Kriegern in einer Lage erwarten, worin sie ausser einem elenden Leben nichts zu verlieren, hingegen wenn sie siegten, ein neues Vaterland, reiche Vergütung alles Verlornen, und die völligste Sicherheit vor ihrem ewigen Todfeinde, den Spartanern, zu gewinnen hatten? Die Republicaner fühlten sich nun stark genug, etwas zu unternehmen, wozu der Mangel an Lebensmitteln sie ohnehin bald gezwungen haben würde; sie verliessen ihre Verschanzungen, unterwarfen sich das platte Land umher, und gingen mutig auf Cyrene los. Jetzt erwachte Ariston plötzlich aus seiner bisherigen Untätigkeit. Aber der Fanatism des Volkes für ihn hatte sich abgekühlt, und es kostete Mühe, bis er mit hülfe seiner Getulischen Leibwache so viele bewaffnete Bürger und Landleute zusammenbrachte, dass er dem Feinde, den er noch immer verachtete, die Spitze bieten zu können wähnte. Es kam einige Meilen von der Stadt zu einem entscheidenden Treffen; beide Teile fanden einen stärkern Widerstand als sie erwartet hatten, und fochten mit desto grösserer Erbitterung; es war vielleicht der blutigste Tag, den Cyrene je gesehen hatte. Eine Menge angesehener Bürger, eine grosse Anzahl der vornehmsten Befehlshaber, und alle Messenier die als Verzweifelte fechtend weder Quartier gaben noch annahmen, auf der feindlichen Seiteund ein grosser teil volkes auf der unsrigen, blieben auf dem platz; Ariston selbst stürzte mitten unter seinen für ihn kämpfenden und um ihn her fallenden Getulischen Löwen, tödtlich verwundet zu Boden, und wurde am folgenden Tage unter einem Haufen Erschlagener hervorgezogen. Das Gemetzel währte so lange, bis die Nacht den Ueberrest beider Heere zum Rückzug zwang. Brauchte es nun etwas weiters als auf beiden Seiten wieder zur Besinnung zu kommen, um aufs lebendigste zu fühlen, dass Friede und Mässigung der einzige Weg sei, alles Unheil, das Zwietracht und ungezügelte Leidenschaften über unser blutendes Vaterland zusammengehäuft hatten, so viel möglich wieder gut zu machen? Friede, Aussöhnung, Verzeihung, war jetzt das allgemeinste und dringendste Bedürfniss. Demokles, der beliebteste unter den übrig gebliebnen Anführern der demokratischen Partei, und ich, von Seiten derer die es mit Ariston gehalten hatten, wurden also bevollmächtiget, in Unterhandlung zu treten, und das Resultat war: dass beide Parteien einander ewiges Vergessen alles Vergangenen zuschwören, die Verbannten zurückberufen, die eingezognen Güter zurückgegeben, und von jeder Seite fünf Männer ernannt werden sollten, um den gesammten freien Einwohnern von Cyrene eine Regierungsform vorzuschlagen, durch welche die Republik zugleich vor allen künftigen Fehden zwischen den alten Familien und dem volk, und vor der Gefahr, wieder in die Gewalt eines Einzigen zu geraten, sicher gestellt würde. Diese neue Regierungsform liegt noch auf dem Amboss; alles Uebrige ist bereits vollzogen. Da die Wahl der Zehnmänner auf lauter redliche und staatskundige Bürger gefallen ist, und unser Volk zum voraus geneigt scheint, sich jeder neuen Ordnung der Dinge zu fügen, so ist nicht zu zweifeln, dass Cyrene in kurzer Zeit von den Wunden wieder geheilt sein wird, die ihr der törichte Ehrgeiz einiger ausschweifenden und übelberatenen Schwindelköpfe geschlagen hat. Es gibt Fälle, wo eine starke Verblutung einem staat, so wie gewissen menschlichen Körpern, heilsam ist, und bei vorsichtiger Behandlung den Grund zu einer bessern Gesundheit legen kann.

Möchte ich nicht genötigt sein, mein Bruder, dir diese tröstliche Nachricht durch eine andere zu verbittern, die uns beide unmittelbar betrifft. Unser guter alter Vater verspricht sich selbst die Freude nicht, die bessern zeiten, die uns bevorstehen, zu erleben. Er verlangt sehr, dich noch zu sehen, und vielleicht würde die Erfüllung dieses Wunsches zu Verlängerung seiner Tage beitragen. Ich bitte dich also, deine Hierherkunft, so sehr du immer kannst, zu beschleunigen. Mögen die Gelübde, die wir alle um Begünstigung deiner Reise tun, dem Ohr einer freundlichen Gotteit begegnen!

41.

Aristipp an Lais.

Du ahndest wohl nicht, schöne Lais, dass drei in deinem haus gelebte Tage mich dem höchsten Ziele der Philosophie näher gebracht haben als vier Jahre in der Sokratischen Schule. Wenn es wahr ist (und das ist es gewiss!) dass die Tugend der Selbstbezwingung die Wurzel aller übrigen