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nur, sagte ich diesen Morgen mit der arglosesten Miene zu ihm, dass ihr euch so bald wieder werdet trennen müssen; denn Eurybates wird den Frühling in Aegina zubringen. – Was tut das? versetzte Kleombrotus; warum sollt' ich ihn nicht nach Aegina begleiten können? – Das ist wahr, erwiderte ich, wenn dich deine anhänglichkeit an Sokrates und Plato nicht zurückhält. – Du siehst, Laiska, ich wollte mir nur eine kleine Kurzweil mit dem verschwiegenen Liebhaber machen; aber meine letzten Worte verdarben alles. Sie fielen ihm so stark auf die Brust, dass er plötzlich den Kopf hängen liess, und mit einem tiefen Seufzer traurig fortschneckte. Ich bin gewiss, es wird ihm harte Kämpfe kosten bis ihn die leidenschaft überzeugt haben wird, dass, in der notwendigkeit zwischen beiden zu wählen, Musarion doch den Vorzug haben müsse.

Hippias hat endlich über die Bedenklichkeiten der schönen witwe des Alcibiades gesiegt, und unsre Abreise ist auf einen der nächsten Tage angesetzt. Wenn uns der Gott der Winde nicht zuwider ist, hoffe ich noch vor dem Eintritt des nächsten Vollmonds, zur Feier unsrer ersten Zusammenkunft in Korint, den Grazien mit dir zu opfern.

35.

An Ebendieselbe.

Ist es wahr, meine Laiska, dass ich dich gesehen, drei Göttertage mit dir gelebt, unsern ewigen, am Altar der Freundschaft zu Aegina beschwornen Bund erneuert, und den Sokratischen Grazien und dem Götter und Menschen Herrscher Amor in deinem eigenen Tempel zu Korint geopfert habe? Wie die Stunden in einem schönen Traum, einem einzigen langen unteilbaren Augenblick ähnlich, schwanden sie vorüber, diese Wonnetage; aber noch immer meinem innersten Sinne gegenwärtig, auch in der geistigen Gestalt der blossen Erinnerung, löschen sie alles aus, was sich mir als gegenwärtig darstellen will: alles Wirkliche scheint mir Traum; ich sehe nur dich, höre nur den Sirenenton deiner süssen Rede, sauge den allmächtigen Geist der Liebe aus deinen Lippen, und fühle deinen göttlichen Busen auf meinem Herzen wallen. Schon bin ich drei volle Tage (sagen die Leute) in Syrakus, in der grössten, prächtigsten, schönsten Stadt des ganzen Erdbodens: und wenn du mich fragtest, wo der weltberühmte Tempel der Tyche stehe, und ob er auf Dorischen oder Ionischen Säulen ruhe, so wüsst' ich dir nicht zu antworten. Lais, Lais! Was hast du aus mir gemacht? aus mir, der sich auf die Kälte seines Kopfs so viel zu gute tat? O du, mächtiger als Circe und Medea, gib mir meine Sinne wieder! Löse den Zauber, den du auf mich geworfen hast! Was wolltest du mit einem Wahnsinnigen anfangen? – wunderbar, dass ich deine Gegenwart mit ihrer ganzen Allgewalt ertragen konnte, und entfernt von dir der blossen Erinnerung unterliege! Beinahe möchte' ich mit dir hadern, dass du so unendlich liebenswürdig bist. – Ich rede im Fieber, Liebe, nicht wahr? – Es ist hohe Zeit dass ich aufhöre.

36.

Lais an Aristipp.

Welcher ungnädigen Nymphe bist du zur Unzeit in den Weg gekommen, Aristipp? Wüsste ich nicht, wie wenig das war, das dich in so wunderbare Seelenzukkungen zu setzen scheint, und dass ein Löffel voll Wein, sei es auch vom besten Cyprier, niemanden berauschen kann, du hättest mich beinahe glauben gemacht, es sei dein Ernst. Aber vermutlich wolltest du nur einen kleinen Versuch machen, wie weit du es in der Manier des jungen Kleombrotus bringen könntest. Ich würde dich beklagen, wenn du wirklich so wenig ertragen könntest als du vorgibst. Gut indessen, dass du mich gewarnt hast. Ich werde mir's gesagt sein lassen, und mich wohl hüten, dich glücklicher zu machen als dir zuträglich ist. Wenn ein Tröpfchen Nektar in einem Becher voll wasser dir schon so stark zu kopf steigt, was für Unheil würde eine ganze Trinkschale unvermischten Göttertranks in deinem Gehirn anrichten?

Ernstlich zu reden, lieber Aristipp, muss ich fast vermuten, dass du mich über die kleinen Untreuen, wozu dich die schöne Timandra, vielleicht ohne Absicht und Wissen, verleitet, sicher machen willst. Wenn das deine Meinung wäre, mein Freund, so hättest du das unrechte Mittel ergriffen. bleibe, wenn ich dir raten darf, in deinem gewöhnlichen Ton, und verlass' dich wegen des Uebrigen auf mich. Ich weiss wie viel man euch zu gut halten muss, und bei mir bist du vor den zwei hässlichsten Weiblichkeiten, der Eifersucht und der Rachlust, sicher. Ich werde immer ehrlich und aufrichtig mit dir verfahren, aber ich erwarte auch das Nämliche von dir.

Syrakus, sagt man, hat die schönsten Weiber in ganz Griechenland. Findest du es wirklich so? Sage mir gelegentlich ein Wort hierüber, und melde mir zugleich, wie meine neue Freundin mit ihrem sophistischen Liebhaber, oder wie man es nennen muss, haushält? Etwas Kunst wird sie nötig haben, wenn sie so viel Gewalt über ihn behalten will, als schlechterdings nötig ist, wenn ein Mann sich glücklich durch uns fühlen soll. Doch sie ist in einer guten Schule gewesen, und die ehemalige Geliebte des Alcibiades kann des Rats einer Anfängerin nicht bedürfen. Wenn ich sie recht gesehen habe, so ist viel feiner Sinn, um nicht Schlauheit zu sagen, unter der naiven Einfalt versteckt, die ihr eine so eigene Anmut gibt, und desto sichrer wirkt, weil sie mit Geist und Güte des Herzens verbunden ist. Sie ist wirklich ein liebenswürdiges Weib, und ich