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zwischen beiden Geschlechtern gestiftet; aber im Grund ist dieser Friede auf Seiten der Männer bloss eine andere Art den Krieg fortzusetzen; und da ihnen von der Stärke ihrer Knochen und Muskeln gewaltsamen Gebrauch gegen uns zu machen untersagt ist, so lassen sie sich's desto angelegener sein, die treuherzigen Vögelchen durch Schmeichelei und Liebkosungen in ihre Schlingen zu locken. Und uns sollte nicht eben dasselbe gegen sie erlaubt sein? Wir sollten die Betrüger nicht wieder betrügen, und falls wir klug genug sind uns vor ihren Schlingen zu hüten, das einzige, wodurch wir an ihre schwache Seite kommen können, unsre Reizungen, nicht auf jede uns beliebige und vorteilhafte Art gegen sie gebrauchen dürfen? Bei der grossen Nemesis! ich mache mir so wenig Bedenken darüber, dass ich mich selbst verachten würde, wenn ich mir jemals ein anderes verhältnis gegen das Männergeschlecht geben wollte, als das, wozu uns sein Verfahren gegen uns einladet, und, wenn wir anders unsre alberne Guterzigkeit nicht zu spät bereuen wollen, nötiget. Da sie uns keine andere Wahl gelassen haben, als entweder ihre Sklaven zu sein oder sie zu den unsrigen zu machen, was hätt' ein Weib, das seine Freiheit liebt, hier lange zu bedenken? – Du siehst die Grundlage meines Plans, lieber Aristipp; ich habe dir ohne Zurückhaltung gezeigt, wie ich über die Männer denke, weil du für mich kein Mann, oder, wenn du lieber willst, mehr als ein Mann, weil du mein Freund, ein mir verwandtes congenialisches Wesen bist. Was ich noch hinzuzusetzen habe, errätst du vermutlich von selbst. Ich opfre meiner Liebe zur Unabhänglichkeit und dem Verlangen nach meiner eigenen Weise glücklich zu sein, einen Namen auf, und unterziehe mich dadurch den Folgen des nicht ganz ungerechten Vorurteils, das alle Arten von Personen drückt, die sich dem Vergnügen des Publicums widmen und dafür belohnt werden; aber meine Meinung ist nicht, diesen Namen anders als auf eine eignen Bedingungen zu tragen. Diesen sich zu unterwerfen, kann ich niemand zwingen; wer sie sich also gefallen lässt, sollt' es ihm auch am Ende dünken, dass er einen schlechten Handel gemacht, und das Vergnügen mich zu sehen, zu hören und etliche fröhliche Stunden unter Scherz, Musik und Tanz, mit Komus und Bacchus, oder mit Amorn und den Grazien in meinem haus zugebracht zu haben, allzu teuer bezahlt habe, der würde von mir und allen Verständigen ausgelacht werden, wenn er sich über Unrecht beklagen wollte. Ich setze einen ziemlich hohen, wiewohl unbestimmten Preis auf das Vorrecht, freien Zutritt in meinem haus zu haben, mache aber kein geheimnis daraus, dass ich mich durch die Geschenke, die ich von meinen Liebhabern, wie die morgenländischen Fürsten von ihren um Gehör bittenden Untertanen, annehme, zu keinen besonderen, geschweige ihnen selbst beliebigen Gefälligkeiten verbunden halte. Es steht einem jeden frei, seine Eitelkeit, oder seinen Wetteifer mit reichen und freigebigen Nebenbuhlern, so weit zu treiben als er will; und wer an der Zulänglichkeit seines persönlichen Werts zu zweifeln Ursache hat, mag immerhin versuchen, ob er diesen Mangel durch den Wert der Opfergaben ersetzen könne, die er seiner Abgöttin zu Füssen legt. Sie befindet sich, wiewohl sie ihre Gotteit bloss der Torheit ihrer Anbeter zu danken hat, in diesem Stück in dem nämlichen Falle wie alle andern Götter, welche sehr wohl wissen, warum die Menschen ihnen Opfer bringen, aber sich durch die Annahme derselben keineswegs verpflichten, alle Wünsche der Opfernden zu erfüllen, oder auch nur das, warum gebeten wird, zu gewähren. – Was sagst du zu diesem Plan, Aristipp? Denkst du nicht, dass er mir im Notfall hinlängliche Mittel verschaffen könne, meine dermalige Lebensweise fortzusetzen, ohne jemals, wie du vorhin besorgtest, genötigt zu sein, mich unter mich selbst herabzuwürdigen?

Ich. Ich sage, wenn er dir nicht gelänge, so würde ich keiner andern raten, den Versuch zu machen. Aber es hat keine Not; ich bin vielmehr überzeugt, du wirst auf diesem Wege, selbst durch den Ruf dass es eine höchst missliche Sache sei, deinetwegen nach Korint zu reisen95, in Gefahr kommen, nach und nach Deukalions und Hellens ganze edle Nachkommenschaft, Dorier, Ionier und Aeolier, vor deiner Tür liegen zu sehen.

S i e (lachend). Das soll ihnen herzlich gern erlaubt sein, vorausgesetzt, dass es immer von mir abhange, wem ich sie öffnen lassen will.

I c h . Einer Teodota möchte ich deinen Plan nicht raten. Um ihn mit Erfolg auszuführen, muss man im Besitz deiner Schönheit, deiner Talente, deines Verstandes und deinerKälte sein.

S i e . Wie, mein schöner Herr? Solltest du dich über meine Kälte zu beklagen haben?

I c h . Nicht zu beklagen, liebe Laiska! denn sie ist es eben, was deinen kleinsten Gunstbezeugungen einen so hohen Wert gibt, dass die Grazien dem mann nie gelächelt haben müssten, der nicht den leisesten Händedruck von dir den freigebigsten Liebkosungen einer jeden andern vorzöge. Auch ist diess eine der notwendigsten Bedingungen der Ausführbarkeit deines Plans. Denn kein Liebhaber dient lange ohne allen Sold, und eine Schöne, die nicht gesonnen ist, viel zu geben muss die Gabe besitzen, das Wenige mit einer Art zu geben dass es viel scheint. Du, schöne Lais, besitzest diese Gabe in einem so hohen Grade, dass ich keinen Augenblick zweifle, du würdest dir mit dieser Kunst