sagte sie in ihrem gewohnten scherzhaften Ton, ein Künstler, der etwas Vollkommenes hervorbringen wolle, müsse mit Liebe arbeiten: aber Skopas hat noch mehr getan, er hat mit Begierde gearbeitet93; und vermutlich ist diess die Ursache, warum er in dieser Venus sein Urbild und sich selbst übertroffen hat.
Dem wackern Skopas muss ich es zum Ruhme nachsagen, dass er sich bei den kleinen Spöttereien der schönen Lais ziemlich artig benahm; vielleicht weil er sie als Wirkungen einer geheimen Eifersucht betrachtete, und sich also schmeicheln konnte, eine Art von Triumph über sie erhalten zu haben. Uebrigens hatte er Ursache mit seiner Reise nach Aegina sehr zufrieden zu sein; denn er wurde – ausser der reizenden Lesbierin, in welcher er nun ein treffliches Modell eigentümlich und ausschliesslich besitzt – noch mit baaren Dariken königlich belohnt.
Diese grossherzige Freigebigkeit, und, um dem kind seinen rechten Namen zu geben, eine ungezügelte Neigung zum Verschwenden überhaupt, ist ein so starker Zug im Charakter meiner schönen Freundin, dass ich sehr besorge, er werde in der Folge, und nur zu bald, eine Aenderung in dem Plane, dessen ich bereits erwähnt habe, nötig machen. Ich hielt es für eine Pflicht der Freundschaft, ihr, da wir einsmals allein waren, mit einigem Ernst davon zu sprechen. Ich sehe nur zu wohl, war ihre Antwort, dass deine Warnung nichts weniger als überflüssig ist; aber ich kann weder meine Art zu leben noch meine Sinnesart ändern.
I c h . Noch nie fühlte ich so lebhaft als in diesem Augenblick, beste Laiska, dass meine Liebe zu dir Freundschaft ist. Ich würde mich selbst hassen, wenn ich der selbstsüchtigen Anmassung fähig wäre, die Glückseligkeit die du zu geben fähig bist, zu meinem ausschliesslichen Eigentum machen zu wollen. Aber dass das, was nur die edelsten oder ganz besonders von den Göttern und dir begünstigten Sterblichen zu geniessen würdig sind, jemals wenn auch einen noch so hohen Marktpreis haben sollte, diess nur zu denken, ist mir, in blosser Rücksicht auf dich selbst, unerträglich.
S i e . So weit, lieber Aristipp, soll und wird es niemals kommen.
I c h . Gewiss nicht, so lange ich selbst noch eine Drachme94 im Vermögen habe.
S i e (lachend). Damit würdest du das Unglück, das du befürchtest, nicht lange verhüten. Ich denke einen für dich und mich bequemern Ausweg gefunden zu haben; und damit ich dich über dieses Kapitel auf einmal und für immer ins Klare setze, so höre, wie ich über mein verhältnis zu deinem Geschlecht denke, und was für eine Massregel ich, zu meiner Sicherheit vor den Anmassungen desselben, bei mir selbst festgesetzt habe. Ich sagte dir bereits mit der Offenheit, die du immer bei mir finden sollst, dass ich auf einen zwangfreien Umgang mit welchen Männern es mir beliebt nicht Verzicht tun könnte, ohne ein wesentliches Stück meiner Glückseligkeit aufzuopfern; ich sagte dir auch die wahre Ursache, warum ein solcher Umgang Bedürfniss für mich ist. Denn dass die gewöhnliche Triebfeder der wechselseitigen Anmutung beider Geschlechter gegen einander sehr wenig Anteil an diesem Zug meines Charakters habe, darf ich dir um so mehr gestehen, da ich mir nichts darauf zu gut tue, und wofern es der natur beliebt hätte, mir das, was seine Besitzerinnen Zärtlichkeit und Bedürfniss zu lieben nennen, in einem reichern Masse mitzuteilen, mich dessen keineswegs schämen würde. Es wird dich also wenig befremden, wenn ich dir sage, dass, meiner Meinung nach, eine Frau, die ihre Unabhängigkeit behaupten will, euer Geschlecht überhaupt als eine feindliche Macht betrachten muss, mit welcher sie, ohne ihre eigene Wohlfahrt aufzuopfern, nie einen aufrichtigen Frieden eingehen kann. Diess ist, däucht mich, eine notwendige Folge der unläugbaren Tatsache, dass der weibliche teil der Menschheit sich beinahe auf dem ganzen Erdboden in einem Zustande von Abwürdigung und Unterdrückung befindet, der sich auf nichts in der Welt als Ueberlegenheit der Männer an körperlicher Stärke gründen kann; da die Vorzüge des Geistes, in deren ausschliesslichen Besitz sie sich zu setzen suchen, nicht ein natürliches Vorrecht ihres Geschlechts, sondern eine der Usurpationen ist, deren sie sich kraft ihrer stärkeren Knochen über uns angemasst haben. Bei allen Völkern ist der Zustand der Weiber desto unglücklicher, je roher die Männer sind: aber auch unter den policirten Nationen, und bei der gebildetsten unter allen, werden wir von den Männern überhaupt genommen entweder als Sklavinnen ihrer Bedürfnisse oder als Werkzeuge ihres Vergnügens behandelt, und die schönste unter uns müsste sehr blödsinnig sein, wenn sie sich auf den Glanz oder die Zahl ihrer vorgeblichen Anbeter und Sklaven das Geringste einbildete, und sich selbst verbergen könnte, was die Herren bei dem betrüglichen Spiele, das sie mit unsrer Eitelkeit und Schwachherzigkeit treiben, gewinnen wollen. Anakreon meint, die natur, die jedes ihrer Geschöpfe mit irgend einer Waffe zu seiner Verteidigung versehe, habe dem weib zur Schutzwehr gegen die Stärke des Mannes die Schönheit verliehen; aber ohne den Verstand, einen klugen und weisen Gebrauch von ihr zu machen, ist die Schönheit selbst eine sehr zweideutige Gabe, und ihrer Besitzerin meistens mehr nachteilig als nützlich. Ich für meinen teil danke der guten Mutter natur, dass sie mich gerade mit so viel Verstand bewaffnet hat, als ich nötig habe, um den Mann, im Allgemeinen, als den natürlichen Feind meines Geschlechts anzusehen, gegen welchen wir nie zu viel Vorsichtsmassregeln nehmen können. Der gesellschaftliche Zustand hat zwar einen anscheinenden Frieden