an die Krippe gewöhnen lässt, als dass man ihm wohl begegnet und Vergnügen macht. Das erste also, worauf du zu sehen hast, ist, dass du von deinen Liebhabern nichts verlangest als was sie dir leicht und mit dem wenigsten Aufwand gewähren können; das zweite, dass du ihnen in eben dieser Art keine gefälligkeit schuldig bleibest. Diess ist ein unfehlbares Mittel zu machen, dass sie dich immer lieber gewinnen, dich desto länger lieben und desto freigebiger gegen dich sind. Du weisst, warum es ihnen eigentlich bei dir zu tun ist; und es ist wohl nicht deine Meinung die Tyrannin mit ihnen zu spielen. Das, wovor du dich hüten musst, ist also bloss, vor lauter gefälligkeit, dem Guten nicht zu viel zu tun. Du siehest dass die lekkerhaftesten Gerichte dem, der keine Lust zum Essen hat, nicht schmecken wollen, und dem Satten sogar Ekel erwecken: kannst du hingegen deinem gast Hunger machen, so wird ihm auch gemeine Kost willkommen sein." – Was müsst' ich denn tun (sagte Teodota mit der schafmässigsten Miene in einem der schönsten Gesichter), um denen die mich besuchen Hunger zu machen? – "Vor allen Dingen dich wohl in Acht nehmen, ihnen wenn sie satt sind nichts weiter vorzusetzen, geschweige sie noch gar nötigen zu wollen. Lässest du ihnen Zeit, so wird der Appetit von selbst wiederkommen; wenn du aber siehest, dass diess der Fall ist, so übereile dich ja nicht; locke sie durch die artigsten Manieren, die feinsten Liebkosungen: sei lebhaft, reizend, sogar mutwillig; aber entschlüpfe ihnen immer wieder wenn sie dich zu haben meinen, und ergib dich nicht eher, bis du gewiss bist dass sie den höchsten Wert auf deine gefälligkeit legen." – Diese Lehre schien der jungen person einzuleuchten. Wenn nur du, sagte sie und lächelte den alten Herrn so holdselig an als ihr möglich war, wenn nur du mir Freunde jagen helfen wolltest? – "Warum nicht, wenn du mich dazu bereden kannst?" – Das möchte ich wohl gern, wenn du mir nur sagen wolltest, wie ich es machen muss. – "Das ist deine Sache; du musst eine Seite ausfindig machen, wo du mir beikommen kannst." – So besuche mich nur recht fleissig, lieber Sokrates! – Ich habe nur nicht viel übrige Zeit, meine gute Teodota, erwiderte Sokrates, der des Scherzens mit der albernen Puppe überdrüssig zu werden anfing; meine häuslichen und öffentlichen Geschäfte lassen mir wenig müssige Augenblicke. Auch habe ich eine hübsche Anzahl guter Freundinnen, die mich Tag und Nacht nicht von sich lassen wollen, weil ich sie gar wirksame Liebestränke und Zauberlieder lehre. – Ei, was du sagst! Verstehst du dich auch auf solche Dinge, Sokrates? – "Wie sollt' ich nicht? Meinst du der Apollodor und der Antistenes hier gehen mir um nichts und wieder nichts nie von der Seite? Oder Cebes und Simmias kommen ohne ihre guten Ursachen bloss meinetwegen bis von Teben hergelaufen? Du begreifst doch dass so was nicht ohne Hexerei und Liebestränke und Zauberschnüre möglich ist." – So sei so gut und leihe mir eine solche Schnur, damit ich sie gleich auf dich werfen kann. – "Ich will aber nicht zu dir gezogen sein, sagte Sokrates lächelnd, du sollst zu mir kommen." – Von Herzen gern, wenn du mich nur annehmen willst. – "Das will ich wohl, es wäre denn dass eben eine bei mir wäre die ich lieber habe." – Hier endigte sich dieser in seiner Art einzige Sokratische Dialog;85 wir empfahlen uns und gingen lachend unsres Weges. Schade, sagte Lais, dass so viel Witz und Laune an so ein Attisches Hühnchen verschwendet wurde! Ich hätte mir nie vorgestellt, dass es eine so erzeinfältige Hetäre in einer Stadt wie Aten geben könnte. – Das macht, sie ist eine geborne Atenerin, eines ehrsamen Bürgers Tochter, so wohl erzogen wie du vorhin sagtest dass die Griechischen Töchter beinahe alle erzogen würden, und bloss durch Armut und Hang zum Müssiggang und zur Ueppigkeit verleitet, sich in eine Profession zu werfen, worin sie, ungeachtet aller Mühe, die sich Sokrates selbst mit ihr gegeben, schwerlich jemals eine Virtuosin zu werden die Miene hat.
Aber weisst du, sagte Lais, dass ich ganz verliebt in deinen Sokrates bin, und grosse Lust habe, dich nach Aten zu begleiten und seine Schülerin zu werden? – Beim Anubis! fuhr ich etwas unbesonnen heraus, ich traue dir Mutwillen genug zu, einen solchen Einfall, wenn er dich anwandelt, auszuführen. Niemand kann eine grössere Meinung von deiner Zaubermacht haben als ich; ich glaube dass dir – alles mögliche möglich ist; und doch wollte ich dir nicht raten, diese probe an dem kaltblütigsten Achtundsechziger, den vermutlich der Erdboden trägt, zu machen – falls es dich etwa verdriessen könnte wenn sie fehl schlüge. – Reize mich nicht, Aristipp! versetzte sie; wer weiss wie weit ich es, trotz seiner achtundsechzig Jahre und seiner Kaltblütigkeit, mit hülfe seiner eigenen Teorie, bei ihm bringen könnte?
Ich schmeichle mir, Freund Kleonidas, durch die grossmütige Vertraulichkeit, womit ich dich an meinem neuen verhältnis und der schönen Lais teil nehmen lasse, einigen Dank von dir zu verdienen; und in dieser gerechten Voraussetzung könnt' ich mich leicht zu der angenehmen Arbeit entschliessen, eine Art von Tagebuch über alles Merkwürdige, was während