Bruder (Epp. ad Quint. Fratr. 2, 13 Ausg. von Schütz Bd. 2, Br. 134) also schreibt (Wielands Uebers. Bd. 2, S. 369): "der Sicilianer (Philistus) geht immer auf den Grund der Sache, ist gedankenreich, scharfsinnig, gedrängt, beinahe ein kleiner Tucydides. Ich weiss aber nicht, welches von seinen Werken du hast, denn ihrer sind zwei, oder ob beide? Ich finde vorzügliches Vergnügen an seinem Dionysius, der ein durchtriebener alter Schlaukopf und dem Philistus durch und durch bekannt war." Den meisten Nachrichten zufolge ward er erst unter Dionysius dem Jüngeren zurückberufen, und zwar nicht ohne Betrieb der Höflinge, die durch ihn gegen den Einfluss Platons und Dions ein Gegengewicht zu erlangen hofften, und in dieser Hoffnung sich nicht betrogen, denn er wirkte dem Platon auf alle Weise entgegen und bewirkte hauptsächlich Dions nachmalige Vertreibung. In dem von diesem hierauf begonnen Kriege kam Philistus mit einer Flotte dem Dionysius zu hülfe, wurde geschlagen, und soll nach Einigen sich selbst entleibt haben, nach Andern von Dions Truppen umgebracht worden sein. Er wird geschildert nicht bloss als Freund der Tyrannen, sondern auch der Tyrannei, und von Plutarch erfahren wir (im Leben Dions), dass er eben so bittre Tadler als übertriebene Lobredner fand. Diess nun scheint Wieland veranlasst zu haben, auch hier die Wahrheit in der Mitte zu suchen. Die Schilderung, die er von diesem so geistreichen und gewandten als zweideutigen Mann entwirft, vergleiche man mit dem, was Sevins über ihn im 19. Bande der Mémoires de l'Académie des inscriptions gesagt hat.
16. Brief.
43 Wenn man mit Rochow Philosophiren durch das, sonst für Raisonniren einigermassen gebräuchlich gewordene, Vernunften übersetzen will, so dürfte diess schwer übersetzliche Wort vielleicht durch Narrheitvernunftend ausgedrückt werden, da es von den Morosophen, den närrisch-Weisen, doch unterschieden werden muss. 44 Gesellschafter, Schüler. 45 Solöcismen, nennen die Sprachlehrer alle Eigentümlichkeiten der schlechten Art, wie man vermutet Mundart eigen gewesen sein muss.
17. Brief.
46 Wäre Aristipp mit der Teorie der Temperamente und einigen nachfolgenden Philosophen bekannt gewesen, so würde er ohne Zweifel versucht haben, die verschiedenen Gattungen der Philosophen auf diese zurückzuführen, und dürfte dann gesagt haben, dass die natur den Sanguiniker zum Aristipp-Epikur und allenfalls zum Cyniker, den Choleriker zum Stoiker, den Melancholiker zum Platoniker, und den Phlegmatiker zum Aristoteliker geschaffen habe. Hätte er ferner zu seiner Zeit schon wissen können, dass überhaupt nur vier verschiedene Systeme der Metaphysik möglich sind, so würde er auch diese eben so auf jene Temperamente zurückgeführt haben, wie Kant die verschiedenen Religionsansichten. Um den Aerger der Leute, die da meinen, dass Ein Schuh an jeden Fuss passen müsse, würde er sich vermutlich wenig gekümmert haben.
18. Brief.
47 War der Bruder des berühmten Feldherrn und Befreiers Siciliens, Timoleon, durch dessen Hand (wenigstens nach Diodor, von welchem Plutarch abweicht) jener fiel, weil er nach der Alleinherrschaft strebte, und durch gütliche Vorstellungen von seinem Vorhaben sich nicht abbringen liess.
Mit diesem Briefe hat Wieland diese Sammlung geschlossen, allein, wie es scheint, nicht beendigt, weder in Hinsicht auf Aristipp, noch auf die Ereignisse jener Zeit. Wie diese Sammlung jetzt ist, reicht sie bis auf den Tod des alteren Dionysius, also bis in das Jahr 368 vor unserer Zeitrechnung. angenommen, dass nach der grossten Wahrscheinlichkeit Aristipp bei dem tod des Sokrates 25 Jahre zählte (Anm. zu Bd. 22 Einl.), so stand er jetzt in einem Alter von 56 Jahren. Gerade jetzt aber kommt erst noch die wichtigste Periode seines Lebens, nämlich die Regierungszeit des jüngern Dionysius, erst bis zur Vertreibung desselben durch Dion i.J. 355, und dann bis zu dessen Verweisung nach Korint i.J. 343. Kurz zuvor erst hatte sich Aristipp, ein etwa achtzigjähriger Greis, Diese Zeit nun aber, welche Aristipp am hof zu Syrakus zubrachte, mag wohl die wichtigste zu seiner Beurteilung genannt werden, indem die Anekdotensammler des Altertums eben aus ihr das Meiste berichten, was ihm bei der Nachwelt so bösen Leumund gemacht hat, dass Viele sich für berechtigt hielten, ihn für etwas weit Verächtlicheres als einen blossen Hofnarren zu erklären. Dass Wieland, nach der gemachten Anlage, einen ganz andern Gesichtspunkt für die Beurteilung gefasst haben würde, ist keinem Zweifel unterworfen, und gewiss würde seine Darstellung sehr anziehend gewesen sein. Wie sehr indess auch dieser Verlust zu beklagen sein mag, so ist es doch ein anderer weit mehr. Die wichtigsten Ereignisse aus der philosophischen und politischen Welt fallen in diesen Zeitraum, und sie zu schildern und auf seine Weise zu beurteilen, hatte Aristipp die dringendste Veranlassung. Wer sollte nicht erwarten, dass die zweimalige Reise Platons zu dem jüngeren Dionysius und der Aufentalt an dessen hof die Veranlassung gegeben haben würde, den Punkt über die Platonische Republik vollends ins Reine zu bringen, und zur Beurteilung der ganzen Platonischen Philosophie wenigstens einen blick auf Aristoteles geworfen zu sehen, auf diesen wichtigsten Schüler und Gegner Platons, dessen Blüte in diese Periode fällt! Wer sollte nicht erwarten, dass Aristipps Tochter Arete, durch welche die Kyrenaische Schule fortgesetzt wurde, gerade von jetzt an noch weit mehr würde hervorgehoben worden sein! Und wie viel Wichtiges bot die politische Welt dar! Abgesehen von der Schilderung des Dionysischen Hofes, und so interessanten Personen, als in