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will, man sie keineswegs als müssige ansehen kann, indem sie wesentlich in das Ganze eingreifen. Was ihre Anlage betrifft, so ist vielleicht mehr Kunst darin, als man bisher vermutct hat; die allzuverborgene Kunst aber scheint gerade hier dem Künstler geschadet zu haben, da doch alte ohne Ausnahme geurteilt haben, Platon habe sichwie Fülleborn am billigsten sich ausdrücktseines Hauptzwecks uneingedenk, es sei durch Zeitumstände, es sei durch die Neuheit seiner Ideen verleitet, sich in zu detaillirte Vorschläge ausgelassen.

Will man nun nach diesen Andeutungen Aristipps Beurteilung beurteilen, so dürfte sich finden, er habe den Hauptzweck nicht völlig genau aufgefasst, der Absicht Platons keine volle Gerechtigkeit widerfahren lassen, auf die Mangelhaftigkeit der Mittel zu Erreichung des Zweckes keine billige Rücksicht genommen, dagegen in Einzelnem richtiger gesehen, treffender geurteilt als die meisten, und über die Form, wenn ihm gleich, wie allen, ein Hauptpunkt verborgen geblieben war, doch das Vorzüglichste gesagt, was über dieses merkwürdige philosophischpoetische Kunstwerk bisher gesagt worden ist. Man vergesse nun aber bei dem allem nicht, dass Aristipp es ist, welcher hier urteilt, und dass Wieland, gesetzt auch er selbst wäre so Platonisch als Platon selbst gewesen, diesen doch nicht in einen Platonikcr hätte verwandeln dürfen.

9. Brief.

32 Platon, dessen Akademie hiedurch ironisch den Mysterien, wie er selbst dem Oberpriester derselben, dem, der das heilige Wort ausspricht, gleichgestellt wird.

10. Brief.

33 Zu dem, was früher hierüber gesagt worden, will ich hier nur die eben so kurze als treffende Schilderung derselben von Schleiermacher beifügen. Dem Platon, sagt er, erscheint das unendliche Wesen nicht nur als seiend und hervorbringend, sondern auch als dichtend, und die Welt als ein werdendes, aus Kunstwerken ins Unendliche zusammengesetztes, Kunstwerk der Gotteit. Daher auch, weil alles Einzelne und Wirkliche nur werdend ist, das unendliche Bildende aber allein seiend, sind ihm auch die allgemeinen Begriffe die lebendigen Gedanken der Gotteit, welche in den Dingen sollen dargestellt werden, die ewigen Ideale, in welchen und zu welchen Alles ist. Da er nun allen endlichen Dingen einen Anfang setzt Zeit, so entsteht auch notwendig in allen, denen eine Verwandtschaft mit dem höchsten Wesen gegeben ist, die Forderung, dem Ideale desselben anzunähern, für welche es keinen andern erschöpfenden Ausdruck geben kann als den, der Gotteit ähnlich zu werden. 34 Das Selbstgute, das Gute an sich, das vollkommene Gute, ist der Name, welchen Platon der Gotteit gibt, gewiss nicht allein, um sich von dem priesterlichen System zu unterscheiden, sondern weil das Gefühl eines moralischen und religiösen Bedürfnisses ihn bei seinem Philosophiren leitete. – Diejenigen, welche gemeint haben, dass davon Wieland nichts gewusst, müssennebst vielem andern von ihmauch diesen Brief Speusipps nicht gelesen haben; und wer wollte läugnen, dass ihnen allerdings ihre Beurteilung oder Verurteilung dadurch sehr erleichtert worden ist! – Möge nur nicht der folgende Brief, der leider von Aristipp ist, die gute Meinung wieder vertilgen!

11. Brief.

35 Agave, die Tochter des Kadmos, des Stifters von Teben in Böotien, war vermählt mit Echion, dem sie den Penteus gebar. Dieser widersetzte sich der Einführung der neuen Religion des Bakchos, welcher dafür eine grausame Rache nahm, denn er verwirrte den Sinn des Penteus und seiner Mutter, die in Bakchischer Wut das Haupt ihres Sohnes abriss, wähnend einen Löwen getödtet zu haben. So in den Bakchischen Frauen des Euripides. 36 Im Apollonstempel zu Delphi fand man die dreimal in Gold, Erz und Holz ausgeführte Aufschrift Ει, welches eben so wohl ist als wenn oder ob bedeuten kann. Plutarch hat über diess Rätsel eine eigne Abhandlung geschrieben. 37 Homer in der Ilias 18, 373 berichtet, Hephästos habe Dreifüsse verfertigt und Goldene Räder befestigt' er jeglichem unter den

Boden,

Dass sie aus eigenem Trieb in die Schaar eingingen

der Götter,

Dann zu ihrem Gemach heimkehrten, Wunder dem

Anblick.

I d e e n s. die Anm. zu den Briefen von Verstorbenen, 4. Br. Bd. 26. – Man muss hier bei Beurteilung Platons in Anschlag bringen, dass ihm die Wahrheit vorschwebte, dass er sie aber darum nicht zu fassen vermochte, weil ihm das Mittel dazu fehltedie Teorie der Einbildungskraft.

12. Brief.

38 Der Atenische Astronom Meton, ein Zeitgenosse des Sokrates, machte sich einen unsterblichen Ruhm durch die Einführung der unter seinem Namen bekannten Periode (die güldene Zahl). Sie entält 6940 Tage, welches bis auf wenige Stunden 19 Sonnenjahre und 235 Monate ausmacht, nach deren Verlauf die neu- und Vollmonde wieder auf dieselben Tage des Jahres fallen.

13. Brief.

39 Odysseus, s. Odyssee 9, 94 fgg. 40 Die griechische Name von Kartago. 41 Von gestorbenen Kindern gebrauchte der Grieche den Ausdruck, Aurora habe sie entführt.

14. Brief.

42 Dieser Zeitgenosse des ältern Dionysius, nach Einigen aus Naukratis, nach Andern aus Syrakus gebürtig, war eine Zeitlang mit jenem Tyrannen aufs engste nützlich, erregte aber dann durch die, ohne des Tyrannen Wissen, mit der Tochter von dessen Bruder Lepines geschlossene Ehe Verdacht gegen sich, ward verwiesen, und begab sich nach Adria, wo er seine Muse dazu benutzte, die geschichte Siciliens zu schreiben, die aus 13 Büchern in 2 Abteilungen bestand, deren zweite mit Dionysius anhub. Unter mehreren Andern rühmt ihn auch Cicero, der über ihn an seinen