was am Himmel zu sehen ist, und den Himmel selbst, wird er lieber Nachts bei Mondenschein und Sternenlicht, als bei hellem Tag im Sonnenglanze sehen wollen. G l a u k . Daran ist kein Zweifel. S o k r a t . Nach und nach aber wird er es doch endlich so weit bringen, dass er auch die Sonne, nicht bloss ihr Bild im wasser oder ihren Widerschein in andern Körpern, sondern sie selbst, wie sie ist, und an der Stelle, wo sie sich befindet, anzublicken im stand sein wird. G l a u k . Das ist nicht anders möglich. S o k r . Und nun wird er auch durch überlegung und Vernunftschlüsse herausbringen, dass es die Sonne sei, welche das Jahr und die Wechselzeiten desselben ordnet, über allem in der sichtbaren Welt waltet und gewissermassen die Ursache alles dessen ist, was sie zuvor sahen? G l a u k . Offenbar muss er von diesem auf jenes geleitet werden. S o k r . Und wenn er sich nun seines vorigen Aufentalts, und des Begriffs, den man sich dort von der Weisheit macht, und seiner armen Mitgefangenen erinnert, wird er nicht sich selbst der mit ihm vorgegangenen Veränderung wegen glücklich preisen, und die letzteren hingegen bemitleiden? G l a u k . O gar sehr! S o k r . Und wofern, bei diesen, Lobsprüche, Ehrenstellen und Belohnungen für denjenigen stattfanden, der die vorbeigleitenden Schatten am deutlichsten sah, sich der Ordnung, in welcher sie aufeinander gefolgt oder neben einander erschienen waren, am genauesten erinnerte, und wie es künftig damit sein würde am besten vorhersagen konnte: meinst du jener würde diese Vorteile vermissen, oder diejenigen beneiden, die bei ihnen geehrt werden und die Oberhand haben, oder er würde nicht lieber (wie Homer den Schatten des Achilles sagen lässt) einem "armen Söldner das Feld als Tagelöhner bestellen," und lieber alles erdulden als in seinen vorigen Zustand zurückkehren? G l a u k . Er würde, denke ich, sich eher alles andere gefallen lassen, als wieder dort zu leben. S o k r . Gesetzt aber, er müsste wieder in die Höhle herabsteigen und seinen alten Platz wieder einnehmen, würde es ihm, wenn er so auf einmal aus der Sonne ins Dunkle käme, nicht zu Mute sein, als ob er in die dickste Finsterniss versetzt worden sei? G l a u k . Nichts gewisser! S o k r . Und wenn er dann, bevor er den Gebrauch seiner Augen wieder erlangt hätte (wozu einige Zeit erforderlich sein würde) von den besagten Schatten wieder Kenntniss nehmen und sich mit den andern Gefesselten darüber streiten müsste, würde er ihnen nicht lächerlich scheinen? würden sie nicht sagen, er wäre durch sein Hinaufsteigen in die obere Gegend um sein Gesicht gekommen; und es sei nicht zulässig, dass man auch nur versuche hinaufzukommen, und wofern sich jemand unterfinge einen von ihnen zu entfesseln und hinauf zu führen, müsste man ihn greifen und mit dem tod bestrafen? – G l a u k . Unfehlbar; mit nichts Geringeren als dem tod. S o k r . Machen wir nun, lieber Glaukon, die Anwendung von diesem ganzen Bilde auf das, was wir vorhin gesagt haben. Die unterirdische Höhle bedeutet diese sichtbare Welt; das Feuer, wovon sie beleuchtet wird, die Sonne; das Aufsteigen in die obere Gegend und was dort gesehen wird, die Erhebung der Seele in die intelligible Welt. Wenigstens ist diess meine Vorstellungsart, weil du sie doch zu hören verlangt hast. Ob sie aber die wahre ist, mag Gott wissen! Genug, mir meines Orts kommt die Sache so vor, wie ich dir sage. Das Höchste in der intelligibeln Welt ist die idee des Guten, zu deren Anschauen schwer zu gelangen ist. Wer aber dazu gelangt ist, kann nicht anders als den Schluss machen, dass sie die Grundursache alles dessen sei was recht, schön und gut ist, indem sie in dieser sichtbaren Welt das Licht und den Beherrscher desselben hervor gebracht, in der geistigen hingegen, deren unmittelbare Beherrscherin sie ist, die Wahrheit und den reinen Verstand erzeugt; und dass es also schlechterdings nötig ist sie zu kennen, um in irgend einem öffentlichen oder besonderen Wirkungskreise recht zu handeln. G l a u k . Ich denke hierüber wie du, so viel mir immer möglich ist. S o k r . So stimme mir denn auch darin bei, dass es kein Wunder ist, wenn diejenigen, die von dannen herabkommen, keine Lust haben, sich mit den menschlichen Dingen abzugeben, sondern von ganzem Gemüt dahin trachten, sich in jener erhabenen Region immer aufzuhalten. Denn es kann, unserm vorigen Bilde gemäss, nicht anders sein. G l a u k . Das folgt ganz natürlich. –
Hieran mag es genug sein, lieber Eurybates; und nun erwartest du vermutlich meine Meinung von diesem allem? Aber was kann ich dir darüber sagen? Es ist schwer in solchen Dingen überall eine Meinung zu haben. Das Gewisseste, was ich davon sagen kann, ist, dass meine Vorstellungsart so verschieden von der Platonischen ist, als die Grundsätze, von denen wir ausgehen. Wer von uns Recht hat, mag Gott wissen, möchte ich beinahe mit seinem Sokrates sagen. Und doch dünkt mich, wenn ich alles mit ganz nüchternem Mut überlege, der allgemeine Menschenverstand, oder der allen Menschen einwohnende Sinn