verschönern, eines der anmutigsten Eilande ist, die im Myrtoischen Meer und im Saronischen Meerbusen zerstreut umher liegen. Eurybates (so nennt sich mein Freund), der das vornehmste fest der Aeginer, die Poseidonia74, gewöhnlich auf seinem Gute zuzubringen pflegt, bat mich ihm diessmal Gesellschaft zu leisten, und ich nahm seine Einladung um so williger an, da diese Festtage gerade in die schönste Jahreszeit fallen, und durch einen grossen Markt belebt werden, der eine Menge Fremde vom festen land und den benachbarten Inseln herbeizieht.
Wir hatten bereits einige Tage in allerlei festlichen Lustbarkeiten verlebt, als Eurybates mir den Antrag machte: ob ich nicht Lust hätte, den Abend in Gesellschaft der schönen Lais75 zuzubringen? Er setzte, vermutlich um mir desto mehr Lust zu machen, hinzu: "wenn ich meinen Augen glauben darf, so ist schwerlich ein Weib im ganzen Griechenlande, das ihr den Preis der Schönheit streitig machen kann." Da mir die Landessitte bekannt ist, so konnte' ich natürlicherweise nichts anders denken, als die Rede sei von einer Hetäre, mit deren Gesellschaft Eurybates seine Freunde diesen Abend zu bewirten gedenke; und, wiewohl ich bisher den Umgang mit Frauenzimmern aus dieser klasse immer zu vermeiden suchte, so kamen doch hier mehrere Umstände zusammen, die eine Ausnahme schicklich zu machen schienen. Kurz, ich sagte meinem Wirte, es werde mir um so angenehmer sein, ihm eine so interessante Bekanntschaft zu danken zu haben, da ich gestehen müsste, dass ich eine Art von Ideal in meinem kopf hätte, dem die schöne Lais den Vorzug abzugewinnen einige Mühe haben würde. Indessen kam der Abend heran, und wie ich eben mit Verwunderung zu bemerken anfing, dass sich nirgends eine Anstalt zu einem Gastmahl im haus zeigte, kam Eurybates, mir zu sagen, es wäre nun Zeit ihm zu seiner schönen Nachbarin zu folgen. – Zu welcher Nachbarin? – "Zu welcher andern als der schönen Lais, die vor einigen Tagen hierher gekommen ist, um von einem kleinen Gute Besitz zu nehmen, das ihr durch den Tod eines Freundes zugefallen ist, und das glücklicherweise unmittelbar an das meinige stösst." – Die Rede ist also nicht von einer Hetäre? sagte ich. – "Nun ja, Hetäre oder auch nicht Hetäre, wie du willst; im grund lässt sie sich nicht wohl in eine andere klasse stellen, wenn sie ja classificiert sein muss: aber dann ist sie eine Hetäre, wie es, zwei oder drei ausgenommen, noch keine gegeben hat. Sie kommt nicht zu uns, mein guter Aristipp; man muss zu ihr kommen, und auch diess ist eine Gunst, die nicht jedem zu teil wird, der sie allenfalls bezahlen könnte. Die schöne Lais liebt ausgesuchte Gesellschaft, und dem müssen die Grazien sehr hold sein, der ihr bis auf einen gewissen Grad gefallen zu können hoffen darf. Ohne diese Bedingung ist sie, wie man sagt, um keinen Preis zu haben. Ob es immer so sein werde, lässt sich vielleicht, ohne sich an Amor und Aphrodite zu versündigen, bezweifeln; dass es aber jetzt so sei, ist um so glaublicher, da sie kaum zwanzig Jahre zählt, und von ihrem ersten Liebhaber in einer sehr glücklichen Lage hinterlassen worden ist."
Dieser Vorbericht spannte meine Neugier und Erwartung so stark, dass mir der Weg, der uns nach dem haus der schönen Korinterin führte, dreimal länger vorkam als er in der Tat war. Wir fanden sie in einem geräumigen, auf Ionischen Marmorsäulen ruhenden Gartensaale, von einem kleinen Kreise dem Ansehn nach feiner junger Männer umgeben, und, wie es schien, in einem lebhaften gespräche begriffen. Schon von ferne, bevor es möglich war ihre Gesichtszüge genau zu unterscheiden, däuchte mir ihre Gestalt die edelste, die ich je gesehen hätte. Ihr Anzug war mehr einfach als gekünstelt und eher kostbar als schimmernd; leicht genug, um einen Bildner, der keine schöne Form unangedeutet lassen will, zu befriedigen, aber zugleich so anständig dass selbst die Grazie der Scham nicht untadeliger bekleidet werden könnte. – Die hat einen feinen Tact für ihre Kunst, dachte ich. Aber stelle dir vor, mein Freund, wie gewaltig ich überrascht wurde, da ich ein paar Schritte näher die nämliche Dame in ihr zu erkennen glaubte, mit welcher ich vor drei Jahren zu Korint auf eine so seltsame Art in Bekanntschaft gekommen war, ohne damals ihren Stand und Namen erfahren zu können. Ich musste alle meine Gewalt über mich selbst zusammenraffen, um der edlen Unbefangenheit, womit sie mich empfing, keine grössere Betroffenheit entgegenzusetzen, als sich allenfalls mit der wirkung ihrer Schönheit auf jeden, der sie zum erstenmale sah, entschuldigen liess. Dass ich es wollte, war ich mir deutlich genug bewusst; doch zweifle ich sehr, ob es mir in der ersten Viertelstunde so gut gelang als ich wünschte; denn gewöhnlich verrät einer durch die Bemühung, etwas unter seinem Mantel zu verbergen, dass er etwas verberge, und diess ist genug, um die Aufmerksamkeit aller Umstehenden zu erregen. Das Wahre ist, dass die Furcht mich zu irren und das Verlangen mich nicht zu irren, den Blicken, womit ich sie durch und durch zu erspähen und nach allen Dimensionen auszumessen scheinen musste, mir (wie sie mir in der Folge selbst sagte) etwas zu gleicher Zeit so schüchtern Unverschämtes, Gieriges und Erstauntes gab, dass sie selbst Mühe gehabt hätte sich in gehöriger Fassung zu erhalten, wenn sie nicht auf diese