die einzig mögliche ist, die ein vernünftiger Mensch auf die vorgelegte Frage geben kann. Also, unter Anrufung der schönsten aller Göttinnen, der Wahrheit, und ihrer ungeschminkten Grazien – zur Sache!
A r i s t i p p . Mich däucht, lieber Sokrates-Platon, der gute Glaukon hat dir zu schnell gewonnenes Spiel gegeben. Erlaube dass ich eine kleine Weile seine Stelle vertrete und in seinem Namen einige unschuldige Gegenfragen an dich tue.
S o k r a t e s . Frage immer zu.
A r i s t i p p . Gibt es unter allen Körpern in der Welt einen, den deine Seele den ihrigen nennt?
S o k r a t e s . Allerdings.
A r i s t i p p . Tust du diess nicht, weil deine Seele in einer viel engern, besonderern und unmittelbarern Verbindung mit ihm steht als mit irgend einem andern?
S o k r a t e s . Getroffen!
A r i s t i p p . Belehrt uns nicht die tägliche Erfahrung, dass wir ohne unsern Körper weder sehen noch hören, noch von irgend etwas, das ausser uns ist oder zu sein scheint, ja nicht einmal von uns selbst, die mindeste Kenntniss hätten?
S o k r a t e s . In diesem Leben wenigstens können wir nichts von allem diesem ohne unsern Körper.
A r i s t i p p . Lehrt uns die Erfahrung nicht überdiess, dass wir ohne hülfe unsers Leibes nichts von allem, was wir zu verrichten und hervorzubringen wünschen, ausführen können? Ingleichem, dass sobald der Leib leidet und in seiner natürlichen Lebensordnung gestört wird, auch die Seele, sie wolle oder nicht, sich zur Mitleidenheit gezogen fühlt, und je grösser die Leiden ihres Körpers sind, desto mehr auch in ihren eigenen Verrichtungen, im Denken, und in der Freiheit ihre Gedanken zu gewissen Absichten zu ordnen, unterbrochen und aufgehalten wird?
S o k r a t e s . Ich sehe nicht, wie diess geläugnet werden könnte.
A r i s t i p p . Ist es also nicht natürlich, dass die Seele in solchen Umständen und Lagen ein Verlangen trägt, ihrem Körper nach Möglichkeit zu hülfe zu kommen?
S o k r a t e s . Sehr natürlich.
A r i s t i p p . Sollte nun aber nicht eben so natürlich sein, dass eben dieselbe Seele, die ihrem leib wohl will und seine Erhaltung begehrt, auch alles verabscheuen muss, was seinen Wohlstand unterbricht oder ihn gar zu zerstören droht? Oder wie sollt' es möglich sein, dass die Seele etwas wollte, ohne das Gegenteil nicht zu wollen? Oder dass sie etwas ernstlich und eifrig begehrte, ohne dass sie das, was der Befriedigung dieses Verlangens entgegen steht, aus dem Wege zu räumen suchte?
S o k r a t e s . Es ist klar, dass in dem angenommenen Fall das Nichtwollen im Wollen, das Verabscheuen im Begehren notwendig entalten ist.
A r i s t i p p . Lehrt uns die Erfahrung nicht, dass, da unser Leib zur Erhaltung seines Lebens und seiner Kräfte von Zeit zu Zeit Speise und Trank bedarf, die natur im Bau desselben eine solche Einrichtung getroffen hat, dass wir durch eine gewisse Unbehäglichkeit an dieses Bedürfniss erinnert werden, und dass diese Unbehäglichkeit, je nachdem das Bedürfniss grösser und dringender wird, so lange zunimmt, bis es endlich peinvoll und unausstehlich ist?
S o k r a t e s . Wiewohl ich das letztere nicht aus eigener Erfahrung weiss, so zweifle ich doch so wenig daran, dass die unmittelbare Erfahrung mich nicht stärker überzeugen könnte.
A r i s t i p p . Wie nennst du diese Aufforderung der natur jenen Bedürfnissen unsers Leibes zu hülfe zu eilen?
S o k r a t e s . Hunger und Durst.
A r i s t i p p . Und das wodurch beiden abgeholfen wird?
S o k r a t e s . Speise und Trank.
A r i s t i p p . Sollten wir also den Hunger und den Durst, als Gefühle, die uns die natur selbst aufgedrungen hat, nicht mit gutem Fug Naturtriebe nennen können?
S o k r a t e s . Ich sehe nicht was uns daran hindern sollte.
A r i s t i p p . Wenn mich dürstet, regt sich der Trieb zum Trinken zunächst im leib, der des Getränks bedarf, oder in der Seele, die weder trinken kann noch dessen für sich selbst nötig hat?
S o k r a t e s . Nur ein Wahnsinniger könnte das letztere behaupten.
A r i s t i p p . Man kann also, eigentlich zu reden, nicht sagen, die Seele dürste; und Plato hatte ein wenig Unrecht, einen so vernünftigen Mann wie du bist, etwas so Unschickliches sagen zu lassen.
S o k r a t e s . Schlimm genug für mich oder ihn, dass ihm das nur gar zu oft begegnet.
A r i s t i p p . Wenn also, wie die Erfahrung gleichfalls lehrt, dieser körperliche Trieb, welcher unmittelbar aus dem Gefühl des Bedürfnisses entsteht, in der Seele des Dürstenden zur Begierde jenen Trieb zu befriedigen, und zur Verabscheuung des aus der Nichtbefriedigung entstehenden peinlichen Zustandes wird, kommt diess nicht bloss daher, weil sie an dem Zustande des