er) hier zeigt sich mir ein Weg, der uns hoffe ich zu dem, was wir suchen, führen soll. Wenn wir unsre Republik gehörig angeordnet haben, so sollte sie, dächt' ich, durchaus gut sein. – Notwendig, antwortet Glaukon. – S. Augenscheinlich ist sie also weise, tapfer, wohlgezüchtet und gerecht? – Gl. Augenscheinlich. – S. Wenn wir nun von diesen Vieren Eins, welches es sei, in ihr finden, so ist das übrige das, was wir nicht gefunden haben; nicht wahr? – Gl. Wie meinst du das? – S. Wenn wir unter vier Dingen, welcher Art sie auch sein mögen, nur Eines suchen, und (indem wir glücklicherweise zuerst darauf stossen) es sogleich für das Gesuchte erkennen, so lassen wir's dabei bewenden; haben wir hingegen die drei ersten vorher ausfindig gemacht, so kennen wir eben dadurch auch das, was wir suchen; denn es ist klar, dass es kein anderes sein kann als das vierte, so noch übrig ist. – Richtig, antwortet Glaukon wie ein unbesonnener Knabe; denn es greift sich doch mit Händen, dass er nur unter der Bedingung, wofern diese vier Dinge uns schon bekannt sind, mit Ja antworten konnte; denn wofern sie es nicht sind, so weiss ich, in dem gegebenen Falle, zwar, dass das noch nicht gefundene, das gesuchte ist; aber wozu kann mir das helfen, wenn ich nicht weiss, was es ist? Glaukon musste einfältiger sein als Praxillens Adonis22, wenn er nicht sah, wo Sokrates mit seinem matematischen Axiom hinaus wollte; dass er es nämlich auf die nur eben seiner Republik nachgerühmten vier charakteristischen Eigenschaften anwenden, und wenn er die drei zuerst genannten in ihr gefunden hätte, versichern würde, dass ihnen nun auch die Gerechtigkeit nicht entgehen könne; wiewohl dieser Umweg im grund zu nichts helfen konnte, als sie, ohne alle Not, eine gute halbe Stunde länger aufzuhalten. Da sich aber seine Zuhörer nun einmal alles von ihm gefallen lassen, so macht sich unser AfterSokrates abermals den für seine Leser ziemlich langweiligen Zeitvertreib, durch eine Menge unnötiger, zum teil lächerlicher und kindischer fragen, und kopfnickender oder platter Antworten des ehrlichen Glaukons, herauszubringen: worin die Weisheit, Mannskraft und Zucht bestehe, in welchen (nebst der Gerechtigkeit) er den unterscheidenden Charakter seiner Republik setzt, und von welchen die erste den Regenten, die zweite den Beschützern vorzüglich beiwohne, die dritte aber (wie er sehr sinnreich und spitzfindig dartut) durch die gebührende Subordination der zwei untern Bürgerclassen unter die oberste, eine mit dem, was man in der Musik Diapasôn (die Octave) nennt, vergleichbare Harmonie des ganzen staates hervorbringe. Wir hätten also (fährt er nun fort) die drei ersten Formen der Tugend oder der Vollkommenheit, die unsrer Republik eigen sein soll, gefunden: welches wäre dann die noch übrige? Doch wohl die Gerechtigkeit? G l . Ja wohl! S o k r . Was haben wir also nun zu tun, lieber Glaukon, als dass wir, nach Jägerweise, einen Kreis um diesen Busch schliessen, damit uns die Gerechtigkeit nicht etwa unvermerkt entwische und aus dem Gesicht komme; denn dass sie hier irgendwo stecken muss, hat seine Richtigkeit. Schaue also überall scharf herum, ob du sie vielleicht eher als ich gewahr werden und mir zeigen kannst. G l . Ja, wenn ich das könnte! Aber so fern sonst nichts nötig ist als dir zu folgen und zu sehen was du mir zeigst, bin ich dein Mann. S o k r . Nun so komm denn mit, und mögen uns die Götter Glück zu unsrer Jagd verleihen! G l . Das ist auch mein Gebet. S o k r . Der Ort scheint mir ziemlich steil und so verwachsen und dunkel, dass kaum fortzukommen ist. Wollen's aber doch versuchen! G l . Das wollen wir! S o k r . Heida! Heida, Glaukon! Mich däucht ich bin auf die Spur gekommen; nun soll sie uns hoffentlich nicht entwischen. G l . Das ist mir lieb zu hören. S o k r . Ei, ei! was sehe' ich? da haben wir ja alle beide einen erzdummen Streich gemacht! G l . Wie so? S o k r . Sind wir nicht auslachenswert, dass wir uns so viele Mühe gaben etwas zu suchen, das uns gleich von Anfang an so nahe lag? Wir sahen darüber weg, und suchten in der Ferne, was uns diese ganze Zeit über vor den Füssen herumkollerte. G l . Wie soll ich das verstehen? S o k r . Ich will sagen, wir reden und hören schon wer weiss wie lange davon, und merkten nicht, dass wir nur mit andern Worten von nichts anderm redeten. G l . Welche lange Vorrede für einen, dessen Wissbegierde du so sehr erregt hast! S o k r . Nun so höre denn! –
Ich gestehe sehr gern, Eurybates, dass mir die natur den besonderen Sinn versagt hat, der dazu gehört, um an dieser niedrig komischen Vorbereitungsscene zu einer so ernstaften Untersuchung Geschmack zu finden. Ich erkenne in dieser unzeitig schäkerhaften Hasenjagd, wobei der Leser sich noch allerlei possierliche Gebärdungen und Grimassen hinzu denken muss, höchstens eine verunglückte Nachahmung irgend einer Aristophanischen Possenscene, und allenfalls den Pseudo-Sokrates der Wolken, aber nichts weniger als