wird für einen wohlerzogenen Atenischen Patricier ein wenig grob, und fragt den Sokrates: wenn er eine Republik von Schweinen zu stiften hätte, womit er sie anders füttern wollte? – Was wäre denn zu tun, Glaukon, erwiedert dieser mit seiner gewohnten Kaltblütigkeit. – Ei was bei allen rechtlichen Leuten der Gebrauch ist, antwortet jener: lass' sie, anstatt so armselig zu leben, fein ordentlich auf Polstern um Tische herumliegen, und gib ihnen zu essen wie man heutzutage zu speisen pflegt. Ah, nun verstehe' ich dich, sagt Sokrates; meine Stadt, worin alles nur für die wirklichen Bedürfnisse ihrer Bürger berechnet ist, scheint dir zu dürftig; du willst eine, wo es recht üppig zugeht. Sei es darum! Wiewohl jene die wahre und gesunde ist, so hindert uns doch nichts, wenn ihr wollt, auch eine kranke, von überflüssigen und verdorbenen Säften aufgedunsene Stadt etwas näher zu besehen. Er lässt sich nun in eine umständliche Aufzählung aller der unnötigen und bloss der Eitelkeit und Wollust dienstbaren Personen und Sachen, Künste und Lebensarten ein, welche die Ueppigkeit, wofern ihr der Zugang in die neue Stadt einmal geöffnet wäre, den Einwohnern in kurzem unentbehrlich machen würde; und wir andern Liebhaber der nachahmenden und bildenden Künste können uns nicht entalten, ein wenig schel dazu zu sehen, dass er bei dieser gelegenheit auch von den Malern und Bildnern, Tonkünstlern und Dichtern, mit ihren Dienern, den Rhapsoden, Schauspielern und Tänzern, als von Leuten spricht, die in seiner gesunden Stadt nichts zu schaffen hätten, und die er ohne Bedenken mit den Putzmacherinnen und Haarkräuslerinnen, Bartscheerern, Garköchen und – Schweinhirten in eben dieselbe Linie stellt. Die gesunde Stadt, wovon anfangs die Rede war, und ihr Gebiet, wird also (fährt er fort) für alle diese Menschen sowohl als für die grosse Menge von allen Arten Tieren, die der Ueppigkeit zur Nahrung dienen, viel zu klein sein; wir werden sie sehr ansehnlich vergrössern und erweitern müssen, und da diess nicht anders als auf Unkosten unsrer Nachbarn geschehen kann, welche diess, wie natürlich, nicht leiden, und, wenn sie eben so habsüchtig und lüstern sind wie wir, sich das Nämliche gegen uns herausnehmen werden, was wird die Folge sein? Wir werden uns mit ihnen schlagen müssen, Glaukon? oder wie ist zu helfen? Wir schlagen uns, antwortet Glaukon ohne sich zu besinnen. Wir werden also, fährt Sokrates fort, ohne jetzt aller andern Uebel, die den Krieg begleiten, zu gedenken, unsre Stadt abermals erweitern müssen, um für ein ansehnliches Kriegsheer Raum zu bekommen? – Glaukon hält diess für unnötig; die Bürger, meint er, womit die Stadt bereits so ansehnlich bevölkert sei, wären zu ihrer Verteidigung hinreichend. Aber Sokrates beweist ihm mit der unbarmherzigsten Ausführlichkeit, dass ein eigener Stand, der nichts anders zu tun habe als sich mit den Waffen zu beschäftigen, in einem wohlbestellten Staat ganz unentbehrlich sei. Er stützt sich hierbei auf einen Grundsatz, den er gleich anfangs festgesetzt hatte, da von den verschiedenen Professionen die Rede war, deren wechselseitige Hülfsleistung zu Befriedigung der gemeinschaftlichen Bedürfnisse die Veranlassung und der Zweck der ersten Stifter seiner Republik war; nämlich: dass jeder, um es in seinem Geschäfte desto gewisser zur gehörigen Vollkommenheit zu bringen, sich der Kunst oder Hantierung, wozu er am meisten Neigung und Geschick habe, mit Ausschluss aller andern widmen müsse. Da nun Krieg führen, und alle Arten von Waffen recht zu gebrauchen wissen, unstreitig eine Kunst sei, welche viel Vorbereitung, Geschicklichkeit und Kenntniss erfordere, so würde es ungereimt sein, wenn man dem Schuster verböte, den Weber oder Baumeister oder Ackermann zu machen, die Kunst des Kriegsmanns hingegen für so leicht und unbedeutend hielte, dass jedermann sie zugleich mit seiner eigentlichen Profession als eine Nebensache treiben könne.
Es sollte dem guten Glaukon, wofern er nur die Hälfte seines vorhin so stark erprobten Witzes härte anwenden wollen, nicht schwer gefallen sein, dieser Behauptung des Sokrates, und den Gründen womit er sie unterstützt, triftige Einwürfe entgegenzustellen: aber Plato hat noch so vielen und mannichfaltigen Stoff in diesem Dialog zu verarbeiten, dass er sich an das dramatische Gesetz, jeder person ihr Recht anzutun, so genau nicht binden kann; und da die Rede nun einmal (wiewohl bloss zufälligerweise) von den Beschützern des staates ist, aus welchen sein Sokrates die zweite klasse der Bürger seiner Republik bestellt: so fährt er sogleich in seiner erotematischen Metode (wobei er uns mit den Antworten des Gefragten und dem unzähligemal wiederholten, tödtlich ermüdenden: "sagte ich," und "sagte er," fast immer hätte verschonen können) fort, sich über die Naturgaben und wesentlichen Eigenschaften, die einem guten Soldaten unentbehrlich sind, vernehmen zu lassen. Ich gestehe, dass der Einfall, sich hierzu der Vergleichung des Staatsbeschützers mit einem tüchtigen Hofhunde zu bedienen, und zum teil auch die Art wie er sich dabei benimmt, so völlig im Charakter und in der Manier des wahren Sokrates ist, dass Plato ihn vielleicht eher seinem Gedächtniss als seiner Nachahmungskunst zu danken haben könnte. Es kommen solcher Stellen hier und da in diesem Werke mehrere vor, die, in meinen Augen, gerade das Gefälligste und Anziehendste darin sind. Nur Schade dass Plato es auch hier nicht lassen kann, dem reinen Sokratischen Gold etwas von seinem eignen Blei beizumischen. Oder dünkt es dich nicht auch, Eurybates, dass der witzige Einfall, dem Hunde