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an den Aristophanischen Grazien zu versündigen, und den Vers 1079 fg. so zu dolmetschendass sie sich nun genötigt sah, den Dikäologos auf alle die folgenden fragen seines Gegners eine Antwort geben zu lassen, die den Witz ihres Lieblings bei ihren des Griechischen unkundigen Lesern um allen Eredit bringen musste." – Da nun aber einmal hier auf eine so kitzliche Stelle Bezug genommen ist (S. die Anm. zum Peregrinus Proteus 1. Tl. Bd. 16), so muss doch noch hinzugefügt werden, dass unter den Euryprokten zu verstehen sind Ehebrecher, wegen des Rettigs, und Mannspersonen, die man in dem Sinne Weiber nennen kann, in welchem Julius Cäsar Königin gescholten wurde. (Suet. c. 49) 135 Mystagog wurde bei den Eleusintschen und andern Mysterien derjenige Priester genannt, der die Aspiranten in das Heiligtum zum Anschauen Geheimnisse einführte, und ihnen das, was sie hörten und sahen, erklärte. Man begreift hieraus, in welchem Sinne Platons Diotima in Aristipps Symposion scherzweise die Mystagogin der Liebe genennt wird. W. 136 Die Wissenschaft der Liebe (bis jetzt noch nicht aufs reine gebracht). W. 137 Torheit, Unsinn. – A s e l g e i a – Ueppigkeit, Wollust, Geilheit. 138 Lais sagt selbst, dass sie das Mährchen von Amor und Psyche kaum zur Hälfte erzählte, und allerdings würde das Weitere zu den Folgerungen, die hier daraus gezogen werden sollen, nicht gepasst haben. Desto besser aber dürfte es zu der Platonischen Teorie gepasst, und würde vielleicht über diese noch andere, als die hier mitgeteilten, Ansichten verschafft haben. Auf jeden Fall wird man wohl tun, vor dem Endurteil, auch hier Schleiermachers Einleitung zu dem Platonischen Gastmahl zu vergleichen.

37. Brief.

139 Κρης προς ’Αιγινητην, wurde von solchen gesagt, die gegenseitig um den Vorrang in Schalkheit und Betrug mit einander wettelferten, denn Kreter und Aegineten standen in dem gleich schlimmen Rufe sehr betrügerisch zu sein. Erasmi Adagia p. 72. Bei uns: es ist ein Fuchs an den andern geraten.

38. Brief.

140 Die Argonauten sollen zuerst von der Mündung des Kolchischen Flusses Phasis jene bis dahin in Europa noch unbekannte Art von Hühnern gebracht haben, welche nachmals von jenem Flusse den Namen der Fasanen erhielten. Sie waren ihrer Schmackhaftigkeit wegen so beliebt wie die Aale aus dem See Kopais in Böotien, welche Aristophanes die leckersten Fische der Lecker nennt.

39. Brief.

141 Dieser unterscheidet gleich im Eingange seines Lehrgedichts eine tadelhafte und eine löbliche Eifersucht, und sagt von dieser letzten:

Sei untätig ein Mann, sie erweckt ihn dennoch zur

Arbeit,

Denn so den andern etwa ein Arbeitloser im Wohl

stand

schaute, flugs dann strebt er, den Acker zu baun,

und zu pflanzen,

Wohl auch zu ordnen sein Haus; mit dem Nachbar

eifert der Nachbar

Um den Ertrag: gut ist den Sterblichen solche

Beeifrung.

43. Brief.

142 Die Anekdote, auf welche Diogenes hier, mit so vieler Bescheidenheit als man von einem Cyniker nur immer verlangen kann, deutet, hat ihre Richtigkeit, wenn Atenäus, wenigstens was den Hauptpunkt betrifft, Glauben verdient. Wie sich diess mit dem Charakter unsrer Lais zusammenreimen lasse, macht uns der folgende Brief begreiflich. W.

48. Brief.

143 Für Aten hatten anfangs die mit ihm verbündeten Inseln ihre Land- und Seemacht selbst gestellt, Kimon aber schlug vor, dass sie fortan nur Geldbeiträge liefern sollten, wodurch Aten nicht nur seine staates-Einkünfte erhöhte, sondern es auch in seine Gewalt bekam, Verbündete in Abhängige zu verwandeln, denn die Inseln verloren ihre Seemacht. Was nun erst Kriegssteuer gewesen war, wurde fortwährend eingetreiben, und stieg immer höher, von 460 Talenten unter Aristides, auf 600 unter Perikles, auf 800 unter Kleon, und in der Mitte des Peloponnesischen Krieges auf 12–1300. Auf dieses eiserne Capital wird hier ziemlich beissend angespielt. 144 Zur Unterhaltung des Krieges gegen die Perser trugen die Griechischen Städte jährlich eine Geldsumme bei, die in dem Tempel Apollons auf der diesem Gotte geweihten Insel in Delos niedergelegt wurde. Diesen Schatz brachte man, um grösserer Sicherheit willen, nach Aten, und Perikles bediente sich seiner, die Kosten der Baue zu bestreiten, wodurch er Aten verschönerte. Seine Verteidigung, als man über solche Verwendung Rechenschaft von ihm forderte, kann man bei Plutarch nachlesen. 145 Eine alte Sage leitete den Namen der Stadt Cyrene von einer Nymphe dieses Namens, des Hypseus Tochter, ab. Dass diese späterhin zu Cyrene als Göttin verehrt ward, ist nicht zu bezweifeln, und auf Münzen dieses Staates finden wir noch ihr Bildniss. Eben so wenig lässt sich eine hohe literarische und künstlerische Bildung der Cyrener bezweifeln, und vielleicht behauptete nur Aten in dieser Hinsicht den Vorrang. Es ist wohl nicht überflüssig, hiebei aufmerksam zu machen auf Joh. Pet. Trige's Historia Cyrenes inde a tempore, quo condita urbs est, usque ad aetatem, qua in provinciae formam a Romanis est redacta. Kopenhagen 1819. 146 Dass in Aten die Frauen das Schauspiel nicht besucht haben, ist in neuerer Zeit von den Meisten als ausgemacht angenommen. Eine scharfsinnige Untersuchung darüber findet man im deutschen Merkur vom J. 1796 St. 1. Waren die Frauen in Aten Zuschauerinnen bei den dramatischen Vorstellungen? Indess scheint die Untersuchung doch noch nicht als geschlossen betrachtet werden zu dürfen.

49. Brief.

147 Das Wort Paradeisos haben wenigstens die Griechen von den Persern,