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Reihen des Aristophanes Plutos eröffnet. Dass über diese neue Gattung nicht alle so günstig urteilen als hier Aristipp, ist auch aus der neuesten ästetischen Kritik bekannt. 84 (Ekklesiazusai) – Von Voss im dritten Band seines Aristophanes übersetzt unter dem Titel die Weiberherrschaft. Im dritten Jahre der 96sten Olympiade (393 v. Chr.) siegte Konon bei Knidos und erbaute dann mit Persischem Golde die Mauern Atens wieder. Zu Ende dieser oder zu Anfange der folgenden Olympiade wurden des Aristophanes Ekklesiazusen aufgeführt, in denen auch die Platonische Republik, von welcher im folgenden Bande gehandelt wird, nach Morgensterns sehr wahrscheinlicher Vermutung parodirt ist. 85 Eselskopf. Alle nachfolgenden Zusammensetzungen sind mit Onos, Esel, gemacht.

23. Brief.

86 Anspielung auf eine Stelle in Pindars dreizehntem Olympischen Siegesgesange. 87 Homerisches Beiwort für Poseidon, Neptun. 88 Mannweib; die letzte Bezeichnung als Anspielung auf die von Aristophanes in Platons Gastmahl vorgetragene Teorie der Liebe. 89 Wohllautendes Wort für eine garstige Sache, jedoch dem Sinne nach nicht verschieden.

25. Brief.

90 Diogenes von Laërta nennt unter denen, welche die Philosophie Aristipps aus der Quelle zu schöpfen vorzügliche gelegenheit hatten, einen Antipater von Cyrene; der Name ist aber alles, was er von ihm zu wissen scheint. Ob es eben derselbe ist, den wir aus diesen Briefen kennen lernen, oder nicht, kann uns gleichgültig sein, wenn der unsrige nur gekannt zu werden verdient. W. 91 Milon von Krotona, der berühmteste Atlet seiner Zeit (er wurde sechsmal zu Delphi und eben so oft zu Olympia gekrönt, und da er zum siebentenmal in die Schranken trat, sogar ohne Kampf, weil sich niemand fand, der es mit ihm aufnehmen wollte), soll auch ein Zuhörer und Freund des Philosophen Pytagoras gewesen sein. W.

26. Brief.

92 Die bunte Halle in Aten, hatte diesen Namen von den vielen und merkwürdigen Gemälden erhalten, womit sie geschmückt war. Aristipp gibt seiner Gemälde-Galerie darum denselben Namen. 93 "Die Fahrt nach Korint ist nicht jedermanns Sache." Dieses Sprüchwort scheint schon lange vor der schönen Lais im mund der Griechen gewesen zu sein, wurde aber scherzweise auf diejenigen angewandt, die um ihrentwillen nach Korint reiseten. W.

27. Brief.

94 Batyll hiess der Liebling Anakreons, dessen einzelne Schönheiten der Dichter einem Maler schildert, damit er sie zum Ganzen eines Bildes zusammensetzte. 95 Zwei Gebirge in Attika, berühmt wegen ihrer Marmorbrüche und ihres Honigs. 96 Zu Elea in Unter-Italien geboren, ein weiser Gesetzgeber für seine Lansleute, gleich ruhmwürdig durch seinen Charakter als seinen Tiefsinn, blühte um die 79ste Olympiade (464 v. Chr.), und so konnte Platon in dem Dialoge, dem er des Parmenides Namen vorsetzte, diesen als Greis mit Sokrates als Jüngling redend einführen. Parmenides gehörte zu denen Philosophen, welche man, nach der Stadt Elea, Eleatische nennt, und deren Streben dahin ging, auf dem Wege des Pytagoras fortschreitend, im Philosophiren die Speculation oder Vernunfterkenntniss an die Stelle der bisherigen Beobachtung oder Sinnenerkenntniss zu setzen. Jene, ein Denken mittelst der Begriffe, gibt erkenntnis des Allgemeinen (rationale), diese, ein Denken mittelst der Vorstellungen, gibt erkenntnis des besonderen (empirische, Erfahrungs-erkenntnis). Jenes Allgemeine nannte die philosophische Kunstsprache der Griechen das Eins, und dieses Besondere das Viele, so dass erkenntnis des Eins gleichbedeutend ist mit rationaler, und erkenntnis des Vielen mit empirischer erkenntnis. Beide Arten von erkenntnis sind sich gewissermassen entgegengesetzt, und die Philosophen waren dadurch in zwei Parteien geteilt, in Anhänger des Einen (speculative Philosophen, Rationalisten), und in Anhänger des Vielen (empirische Philosophen). Diese suchten das Werden zu erklären (die in einem ewigen Wechsel zwischen Entstehen und Vergehen schwebenden Veränderungen der Gegenstände der Sinnenwelt), jene hergegen das Sein (das bei allem Wechsel beharrliche Wesen), denn so war es dem Standpunkt eines jeden angemessen. Ehe man einsah, dass beide die Lösung desselben Problems, nur auf verschiedene Weise, versuchten, entstand zwischen beiden philosophischen Parteien Entzweiung, und bei dem Unbefangenen musste die Frage entstehen, an welche von beiden Parteien man sich wohl zu halten habe, um die Wahrheit zu finden. Die Entscheidung war zu einer Zeit, wo man nach einer Psychologie, einer Logik, einer Wissenschaftslehre eben erst strebte, weder im Allgemeinen, noch in besonderer Hinsicht auf Parmenides zu erwarten. Gab es aber irgend einen Philosophen, der, von innerem Gefühl gedrängt und von einer dunklen Ahnung des wahren geleitet, mit unablässigem Eifer nach jener Entscheidung strebte, so war es Platon, und wenn er, wie anderwärts, so auch in seinem Dialog Parmenideseinem, wie Schleiermacher sagt, für Viele von vielen Seiten abschreckenden Gesprächsich durch alle Labyrinte der Dialektik, wie sie damals zu Gebote stand, nach diesem Ziele hin arbeitet, so kann er nur unsern Dank, aber nicht unsre Vorwürfe verdienen. Man darf, um ihn richtig zu beurteilen, nicht aus den Augen lassen, dass er von Parmenides und den Eleaten überhaupt ausgeht, und dass deren Hauptsätze, mit Hauptsätzen der Pytagoräer zusammenfliessend, ihn auf die damit verbundenen Schwierigkeiten führen. Mag nun der Weg, den er führt, noch so dornig sein, mag er noch so oft geirrt haben, dem Ziele näher hat er doch geführt. Wer davon eine grössere überzeugung gewinnen will, der lese in Fülleborns Beiträgen zur geschichte der Philosophie (Stück 6) dessen