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Wolken rühmt sich, dass er seine Komödie nie diesen Tanz habe tanzen lassen, und Teophrast führt in seiner Charakterschilderung des Ehrlosen als einen der stärksten Züge an, dass er fähig sei den Kordax nüchtern und ohne Maske zu tanzen. 62 Wörtlich Weibertollheit, ist ein so unartiges Wort, und bezeichnet etwas so Widerliches, dass man es nur auf Griechisch sagen sollte. W. 63 S a r d o n i s c h e s L a c h e n , ist so viel als ein lautes übermässiges lachen, das man nicht zurückzuhalten vermag. Dieses Beiwort bezieht sich auf ein gewisses giftiges Kraut, Sardonion (auch apiastrum) genannt, welches bei dem, der es gegessen hat, heftige dem lachen ähnliche Zuckungen erregen soll. W. 64 Ein in Holz arbeitender Bildner. W. 65 Wer den Unterschied dieser Juno von der Homerischen will kennen lernen, der findet genaue Belehrung darüber in Böttigers Kunst-Mytologie S. 85. fgg. Ihr Bild, heisst es, hat eine sehr altertümliche Gestalt. Man möchte es den Kirchenstyl der Griechischen Vorwelt nennen. Alles geht indess dabei von der Entüllung und Verschleierung der Vermählten aus. 66 Der angeführte Preisgesang der Grazien von Pindar ist auf Asopichos gedichtet, der aus Orchomenos in Böotien gebürtig war, wo am Kephissos der älteste Sitz und Dienst der Grazien war, auf die darum Pindar, als auf die heimatlichen Göttinnen des Asopichos, kommt. 67 über die Widersprüche in den Sagen von diesem Philosophen, der erst eben so abergläubig als nachher nicht bloss ungläubig, sondern gotteslästerisch gewesen sein soll, s. die Literarischen Miscellaneen. 68 Sichtbare Erscheinungen einer Gotteit; ein erst in viel spätern zeiten in Gebrauch gekommenes Wort, welches, wenn diese Briefe eine Griechische Urschrift hätten, sich sicher nicht darin vorfinden würde; wiewohl eben nicht unmöglich wäre, dass Diagoras es entweder selbst gestempelt oder in den Mysterien gehört haben könnte. W. 69 Wem über alles Folgende an den gehörigen Erläuterungen liegt, die uns hier zu weit führen würden, der lese die Altertumswissenschaft von Kanngiesser und Mosers Auszug aus Ereuzers Symbolik und Mytologie der alten Völker. – Wie es scheint, hat Wieland in der Schilderung jener Zeit den wichtigen Punkt nicht übergehen wollen, wie bei immer tiefer eindringender Philosophie die Volksreligion mehr und mehr in Verfall geriet, und dazu schien ihm Diagoras der brauchbarste Mann, denn kaum einem andern hätte er diese Lucianische Quintessenz mit grösserer Schicklichkeit in den Mund legen können. Er gibt in diesem Briefe gewissermassen das Vorspiel zu dem, was sich im Peregrinus Proteus und Agatodämon vollendet. 70 Glaube an gute und böse Dämone. W. 71 S. Anm. zu Bd. 22. Br. 9. 72 Ein Beiname Jupiters, insofern der Eidschwur unter seiner besonderen Aufsicht und Rüge stand. W. 73 S. Anm. zu Bd. 22. Br. 25. 74 Als die ältesten und ehrwürdigsten dieses Namens in Griechenland. 75 Weil sein Heiligtum ein höchst wichtiges politisches Institut war. 76 Teils weil sich an ihn viele gesetzliche und die kultur befördernde Einrichtungen knüpften, teils weil man Zeus immer mehr der idee der reinen Gotteit annäherte. 77 S. Böttigers Abhandlung Aristophanes impunitus deorum gentilium irrisor. Leipz. 1790. 78 In seinen Anmerkungen zu den Wolken des Aristophanes sagt Wieland: die Melier waren eine alte Colonie der Spartaner, und hatten immer, besonders auch in dem Peloponnesischen Kriege, ihrer vorgeblichen Neutralität ungeachtet, eine warme anhänglichkeit an Sparta bewiesen. Sie waren daher schon allein aus diesem grund zu Aten übel angeschrieben; mehrere fehlgeschlagene Versuche sie zu einer freiwilligen Unterwerfung unter das nicht allzusanfte Joch der Atener zu bewegen, unterhielten den gegen sie gefassten Groll. – Nach Eroberung ihrer Hauptstadt und Insel liess daher auch Aten den armen Meliern seine Uebermacht auf die grausamste Weise fühlen. – S. hierüber die Anmerkung zu dem vorigen Bande. 79 S. die Anm. zu Agatodämon 5. Buch, 4. Absch, Bd. 18. 80 Ein mit Reihen von spitzigen und scharfen Eisenstäben besetzter Abgrund, worein man zu Aten zum tod verurteilte Verbrecher stürzte. 81 Spitzfindigkeit oder übertriebene Subtilität in unnützen und ausserhalb des menschlichen Gesichtskreises liegenden Speculationen. W.

22. Brief.

82 Temistokles, der Retter Atens als Besieger der Persischen Uebermacht, ward erst aus Aten verwiesen, dann abwesend des Hochverrates angeklagt, und fand nur bei dem Persischen König Artiaxerxes Langhand Schutz und Beistand. – Konon, der Wiederhersteller Atens, der den Persern gegen die Spartaner Beistand geleistet hatte, wurde zuletzt den Persern verdächtig und, wie es scheint, von ihnen heimlich hingerichtet. 83 Für die Attische Komödie unterscheidet man bald zwei, bald drei Perioden, die alte, mittlere und neue. Die erste, ein politisch-ksitisches Tribunal, voll Personal-Satyre, blühte und verfiel mit der Demokratie. Als die Staatsgewalt durch hülfe der siegreichen Spartaner an die Aristokraten gekommen war, musste der freimütige politische Tadel verstummen; und weil der durch den Peloponnesischen Krieg gesunkene Wohlstand auch den vorigen Aufwand nicht mehr geverbundene Pracht. Selbst als Konon die Mauern der Stadt und des Hafens hergestellt und die Macht des Staates wieder etwas gehoben hatte, blieb diese Veränderung; Aristophanes brachte einige seiner alteren Stücke ohne Chor auf die Bühne. Da auf diese Weise die ehemalige Hauptsache jetzt Nebensache, was sonst aber Nebensache gewesen, Hauptsache geworden war, so war allerdings eine gänzliche Umbildung nötig, und es entwickelte sich die Gattung der Komödie, die unserm Lustspiele gleicht und deren