von dem zauberischen Tempe und andern anmutigen Ufergegenden des Peneus vor, dass ich deine Vorliebe zu dem vaterland der ältesten und schönsten Myten der Griechen nicht missbilligen kann.
Aber, wenn die Wünsche deiner Freunde Kleonidas und Aristipp, von den freundlichsten Einladungen deiner Musarion und ihrer Schwester Kleone unterstützt, etwas bei dir vermöchten; wenn du bedenken wolltest, wie glücklich du uns alle durch deinen Besuch machen, und wie vergnügte Tage du selbst (wie wir uns schmeicheln) in unsrer Mitte leben könntest: so wirst du es für keine Zudringlichkeit halten, wenn wir dich bitten, die Reise nach Tessalien – nicht aufzugeben, nur ein einziges Jahr aufzuschieben, und dieses Jahr deinen Freunden in Cyrene zu schenken, die sich beeifern würden, dich für das Opfer, das du ihnen dadurch brächtest, so viel ihnen nur immer möglich wäre zu entschädigen. Cyrene ist seit einigen Jahren eine Art von Aten geworden, friedsamer, ruhiger, und vielleicht sogar gastfreundlicher als jenes Attische; und es hätte dir, um nicht zu viel zu sagen, wenigstens für ein Jahr Stoff und gelegenheit zu den angenehmsten Unterhaltungen überflüssig anzubieten. Du würdest, nach deinem Gefallen, entweder in meinem haus in der Stadt oder auf meinem nahe bei Cyrene gelegenen Landsitze, oder wechselsweise bald in dem einen bald in dem andern wohnen, und in jenem einen kleinen Tempel der Kunst, in diesem sogar eine Art von Akademie zu deinem Gebrauch haben. In beiden ist alles schon zu deinem Empfang bereit; und wer es auch sei, den du zum Begleiter wählen wirst, er soll die Aufnahme eines Bruders finden, und uns desto werter sein, je näher er dem Herzen unsrer Freundin ist.
Lass mich den Schmerz nicht erfahren, beste Lais, mein Vertrauen auf deine Freundschaft getäuscht zu sehen, und nimm inzwischen, als ein Unterpfand unsrer Gesinnungen für dich, das kleine Xenion freundlich an, wodurch Musarion und Kleone dir ihre Dankbarkeit zu zeigen wünschen, und womit sie dich (wenn du ihre Freude vollkommen machen willst) bei deiner Ankunft in Cyrene geschmückt zu sehen hoffen.
Du siehst wir rechnen so sehr auf deine Grossmut, dass wir es gar nicht für möglich halten, eine Fehlbitte bei dir getan zu haben.
57.
Lais an Aristipp.
Mein Traum ist nur zu bald in Erfüllung gegangen, lieber Aristipp! Die höhern Mächte haben eine strenge Rache an mir ausgeübt: Adrasteia, dass ich vierundzwanzig Jahre lang gar zu glücklich war; die Götter der Liebe, dass ich ihnen so lange Trotz zu bieten wagte. Xenophons Cyrus hat Recht behalten; nur darin irrt er sich, wenn er glaubt, das was er für das einzige Rettungsmittel gegen den furchtbarsten aller Dämonen hält, die Flucht, stehe immer in unsrer Macht.
Aber, gesetzt er hätte auch in diesem Stücke Recht, so verzeiht mir, lieben Freunde, dass ich euch sagen muss, ihr habt nicht bedacht was ihr mir ansinnt. Nein, gute Musarion, nein, liebenswürdige Kleone! – Lais kann nie die Dritte unter euch sein! – Ueberlasst sie ihrem Schicksal, und bittet die Götter, dass es erträglich ausfalle.
Euer schönes Geschenk, dem die Hand der glücklichen Kleone einen unschätzbaren Wert gegeben hat, nehme ich unter der einzigen Bedingung an, dass es nach meinem tod durch Learchs Besorgung wieder an die holden Geberinnen zurückkehre.
Lebet wohl, Aristipp und Kleonidas – meine Freunde – lebet wohl! Verachtet diese zwei kleinen Myrtenzweige nicht, die ich euch zum Andenken schicke – sie welkten an meinem Herzen, und sind mit meinen Tränen für euch eingeweiht.
Wenn ich an den Ufern des Peneus die Ruhe wieder finde, so werdet ihr mehr von mir hören; – wo nicht, so lasst mich in eurer Erinnerung leben, und seid glücklich!
Anmerkungen zum zweiten Band.
1. Brief.
1 Hauptstadt von Lydien in Kleinasien. 2 (Unbezwingbare) Ketten (II.) sind nicht diamantene, sondern stählerne Ketten. Der Diamant war zu Aristipps zeiten den Griechen noch unbekannt, und erhielt erst viel später, seiner Härte wegen, den Namen adamas. W. 3 Das gemeine oder kleinere Attische Talent entielt 60 Minen oder 6000 Drachmen, und ist also ungefähr 1000 Conventionstalern unsers Geldes gleich. W. 4 S. Anm. z. Bd. 22, Br. 25.
3. Brief.
5 Persische Benennung einer Art von wohltätigen Genien und Feen. W. 6 Die Griechen. 7 Abkömmlinge des Achämenes. So nennen die Griechischen Geschichtschreiber eine Dynastie der Könige von Persien, deren Stifter Achämenes (nach Phreret) Was hast du mir zu rufen, Erdensohn?
Strepsiades.
Vor allem sage mir,ich bitte dich, Was machst du denn da oben?
Ich wandle in der Luft,
Und übersehe hier die Sonne.
Strepsiades.
Vermutlich,
Weil du aus deinem Korbe über die Götter
wegsiehst,
Und das hier unten nicht so angeht? Oder –
Sokrates.
Wahr ist's, ich kann die Dinge über uns
Nicht recht erfassen, wofern ich meinen Geist
Nicht exaltire, bis der Gedanke so verfeinert
Und verdünnet ist, dass er gleichartig mit
Der Luft sich mischt. Sobald ich von unten auf
Die Dinge über uns erspähen will,
Erkenn' ich nichts. Es ist nun einmal so;
Die Erde zieht den feinen Duft des Gedankens
Zu mächtig in sich ein.
5. Brief.
10 Eine den bösen Feen in den Mährchen der Dame d'Aulnoy ähnliche Göttin, die nicht leiden konnte, wenn