ist, mein Haus zu verlassen.
I c h . Er geht wieder von Korint ab?
L a i s . Das nicht; er bezieht nur eine eigene wohnung; denn er gedenkt sich noch einige Zeit hier aufzuhalten.
I c h . Die Unterstützung von seiner Familie ist also glücklich angelangt? –
Ich besorge, Aristipp, ich sagte diess in einem ironischen Tone; denn die arme Lais verfärbte sich, schien verlegen, und hatte Mühe ein paar Tränen, die ihr in die Augen schossen, zurückzuhalten. Sie musste sich etwas bewusst sein, das ihren Stolz demütigte, und sie fürchtete vermutlich, dass ich sie erraten hätte. Ich sah dass es hohe Zeit sei, einer Unterredung, welche beiden Teilen peinlich zu werden anfing, ein Ende zu machen. Mir ist lieb (sagte ich mit der unbefangensten Miene, und im gutmütigsten Tone der mir möglich war), dass ich mich, wie es scheint, in meiner Meinung von diesem jungen Menschen geirrt habe; und in der Tat hätte ich besser getan, mich auf den feinen Ahnungssinn, der deinem Geschlecht eigen ist, zu verlassen, und dem Sokratischen Glauben, dass ein schöner Leib für eine schöne Seele bürge, mehr Gehör zu geben, als meinem Argwohn. Da der junge Pausanias sich hier zu verweilen gedenkt, so wird es mir nicht an gelegenheit fehlen, besser mit ihm bekannt zu werden, und ich will nicht zweifeln, er werde sich der Nachsicht, die du mit seiner jugendlichen Unbesonnenheit getragen hast, durch seine Aufführung würdig zu zeigen suchen.
"Wir sind (erwiderte sie mit einem erzwungenen Lächeln) ich weiss nicht recht wie, in einen ernstaftern Ton geraten als die Sache zulässt, und du kannst mir nicht übel nehmen, guter Learch, wenn ich dich bitte, die allzu ängstlichen Besorgnisse, worin ich dich meinetwegen sehe, auf den Fall zu sparen, wo etwa ein Mädchen von sechzehn Jahren vor Schaden gewarnt zu werden nötig hat."
Und hiermit endigte sich die letzte vertrauliche Unterredung, die ich mit der schönen Lais zu pflegen gelegenheit gehabt habe. Wir schieden zwar, dem Ansehen nach, als gute Freunde von einander; aber ich habe sie, von diesem Tag an, immer seltner und nie wieder allein gesehen.
Inzwischen erfuhr ich von ihrer Vertrauten: Lais habe, wenige Tage nach ihrer ersten Unterredung mit dem vorgeblichen Dorylas, diesen unter seinem wahren Namen für frei erklärt, und zugleich in ihrem haus bekannt werden lassen, dass er aus einem der vornehmsten Tessalischen Geschlechter stamme, von welchem sie, während ihres Aufentalts in diesem land, mit so vielen Verbindlichkeiten überhäuft worden sei, dass sie nicht umhin könne, sich derselben bei dieser gelegenheit zu entledigen. Seit dieser Zeit komme Pausanias (die Morgenstunden des Putztisches ausgenommen) den ganzen Tag nicht von ihrer Seite, speise mit ihr, und sei bereits allen, mit welchen sie noch in einiger Verbindung steht, von ihr vorgestellt worden. Sie gebe vor, ihn schon zu Larissa gekannt und mit seinen Verwandten in freundschaftlichen Verhältnissen gestanden zu haben; woraus sich dann von selbst erkläre, warum Pausanias, nach dem Unfall der ihn auf dem Citäron betroffen, seine Zuflucht zu ihr genommen habe. Uebrigens werde der junge Tessalier unvermerkt immer lebhafter, freier und zuversichtlicher, und entfalte tagtäglich irgend ein neues Talent; denn er sei ein grosser Reiter, Springer, Tänzer, Jäger, Vogelsteller, Fischer, und Lustigmacher oben drein, und Lais scheine von der Gewandteit und Artigkeit, die er bei allen diesen Uebungen zeige, und überhaupt von seiner ganzen person so bezaubert zu sein, dass sie sich zusehends erheitere und verjünge, ja wohl gar (ohne sich's vermutlich bewusst zu sein) nicht selten, wiewohl immer mit aller ihr eigenen Grazie, in die naive Fröhlichkeit eines Mädchens von sechzehn zurückfalle. Bei allem dem scheine sie ihren jungen Freund, der ganz öffentlich den feurigsten und hoffnungsvollsten Liebhaber mit ihr spiele, so kurz als möglich zu halten, und jede gelegenheit mit ihm allein zu sein, oder von ihm überrascht zu werden, aufs sorgfältigste zu vermeiden; und daher habe sie auch geeilt, ihm ohne Aufschub ein eigenes schönes Haus, in der Nähe des ihrigen, aussuchen, mieten und prächtig einrichten zu lassen. Dass alles auf Kosten ihrer Gebieterin gehe, daran sei kein Zweifel; denn man wisse bereits zuverlässig, dass seine Familie von keiner Bedeutung in Tessalien sei, und dass er sein kleines Erbteil schon zu Aten, wo er sich zuletzt aufgehalten, mit Rennpferden, Banketten und Hetären, bis auf den letzten heller aufgezehrt habe.
Diess, lieber Aristipp, ist alles (und für einen so warmen Freund der schönen Lais schon zu viel) was ich dir bis jetzt von diesem neuen Abenteuer berichten kann. Ich überlasse dir selbst was davon zu denken ist. Immer ist es seltsam genug, dass diese allgewaltige Männerbeherrscherin, welche, während sie zwanzig Jahre lang alle Welt bezauberte, ihrer selbst immer mächtig blieb, eine so lange behauptete Freiheit noch in ihrem vierzigsten an einen jungen Tessalischen Glücksritter157 verlieren soll, der unter allen, die jemals Anspruch an sie machten, gerade der unwürdigste ist, und (wie ich sehr besorge) nicht sowohl nach ihrem Herzen als nach ihrem Geldkasten trachtet. Sollte sich nicht sogar, wer nie an etwas Dämonisches geglaubt hat, von einem solchen Beispiele genötigt fühlen, zu glauben dass es unholde schadenfrohe Dämonen gebe, die uns zwingen auf den Köpfen zu tanzen und wider