ganzen Spass verderben, erwiderte sie. – Da hättest du Unrecht, schöne Lais, sagte Euphranor; gibt es denn nicht der schönen jungen Sklaven bei Tausenden in Griechenland? oder ist es so unerhört, dass man einem jungen Sklaven, den man zu etwas Besserm als gemeinen Knechtsdiensten bestimmt, eine Erziehung gibt, die ihn über andere seines Standes erhebt? – "Das Lustigste wäre, wenn mein Vorleser am Ende nicht lesen könnte. Da hätt' ich freilich seine gelben Locken und seine Achillesmiene ein wenig zu teuer bezahlt. Indessen, wenn Euphranor ihn als Modell gebrauchen kann, bleibt mir doch das Verdienst, etwas zum Wachstum der Künste beigetragen zu haben. Der einzige Achill im Frauengemach der Tochter Lykomeds, den du aus ihm machen willst, wäre die Summe, die ich für das Modell gegeben habe, zwiefach wert."
Sie lenkte nun das Gespräch auf etwas anders, und in den nächstfolgenden Tagen war keine Rede mehr von Dorylas. Doch erfuhr ich von unsrer gemeinschaftlichen Vertrauten: Dorylas habe am dritten Morgen seiner Anstellung, während Lais sich unter den Händen ihrer Aufwärterinnen befand, zur probe seiner Kunst ein Stück aus Xenophons Symposion vorlesen müssen; er habe sich aber, entweder aus Zerstreuung, oder Mangel an Sinn für die feinsten Schönheiten dieses Meisterstücks von Attischer und Sokratischer Urbanität, nicht zu seinem Vorteil aus der Sache gezogen. Es hätte ihr gedäucht, als ob Lais wenig auf die Vorlesung Acht gebe; und da sie, sobald sie sich mit ihrer Gebieterin allein gesehen, sich über die Ungeschicklichkeit des neuen Vorlesers ein wenig lustig gemacht, habe Lais etwas trocken versetzt: Dorylas scheine noch schüchtern zu sein, und, anstatt unzeitigen Tadels, vielmehr Aufmunterung nötig zu haben. Am folgenden Tage sei eine ziemlich lange Unterredung ohne Zeugen zwischen Lais und Dorylas vorgefallen. Ihre Gebieterin habe, wider ihre Gewohnheit, sich nichts davon gegen sie verlauten lassen, sei aber den ganzen Abend etwas finster und einsylbig gewesen, und habe sich eher als sonst in ihre Schlafkammer eingeschlossen.
Zufälligerweise musste sich's treffen, dass mich um diese Zeit ein unverschiebliches Geschäft nach Argos rief, und beinah' einen ganzen monat da zu verweilen nötigte. Nach meiner Zurückkunft glaubte ich unsre Freundin sehr verändert zu finden. Es däuchte mich als ob sie in Verlegenheit sei, etwas vor mir zu verbergen, das sie mir gern entdeckt hätte, wenn sie nur mit sich selbst einig werden könnte, wie sie anfangen und wie weit sie gehen wolle. Zwischen so vertrauten Freunden, wie wir seit geraumer Zeit waren, konnte ein solcher Zwang nicht anders als peinlich, und also von keiner langen Dauer sein. Wiewohl sie sich geflissentlich hütete allein mit mir zu sein, fand ich endlich doch gelegenheit, sie in einem abgelegenen Plätzchen ihres Gartens zu überraschen, und sie dahin zu bringen, dass sie sich des Geheimnisses, wovon sie gedrückt zu werden schien, gegen mich entledigen musste. Ich bin in der Kunst zu erzählen so wenig geübt, dass ich dir lieber den Dialog, der sich nun zwischen uns entspann, in seiner eigenen Form, so getreu als mir möglich ist, mitteilen will.
L a i s . Ich habe dir seltsame Dinge zu entdecken, Learch. Du hast richtig vermutet; Dorylas ist nicht, wofür er sich von dem Sklavenhändler ausgeben liess. – Hier hielt sie inne, als ob sie erwarte dass ich ihr weiter fort helfen sollte.
I c h . Und wie machte sich diese Entdeckung?
L a i s . Höre nur, wie es damit zuging. Ich hatte ihn an einem Morgen auf mein Zimmer rufen lassen, um mir, während meine Mädchen sich mit meinem Kopfputz und Anzug beschäftigten, Xenophons Gastmahl vorzulesen. Er las ziemlich schlecht, aber, wie mich dünkte, weniger aus Ungeschicklichkeit, als weil er sich nicht bezwingen konnte, statt auf sein Buch zu sehen, alle Augenblicke nach mir hinzuschielen, wiewohl dafür gesorgt war, ihm alle Versuchungen zu einer solchen Zerstreuung so viel möglich zu entziehen. Aber seine Ohren schienen eben so scharf zu hören als seine Blicke einzudringen, und die leiseste Bewegung irgend einer Falte an meinem Gewand erregte seine Aufmerksamkeit. Diess brachte mir deine Zweifel wieder in den Sinn, und ich beschloss, mich ohne Verzug ins Klare zu setzen. Ich liess ihn unversehens zu mir in den kleinen Saal am Ende des Gartens holen, und befahl ihm sich mir gegen über zu setzen. Er gehorchte, erhob sich aber sogleich wieder als ob er sich plötzlich besonnen hätte, und blieb, die arme über die Brust geschränkt, mit gesenktem haupt vor mir stehen. Höre auf eine übel gelernte Rolle zu spielen, sagte ich: du bist nicht wofür du dich ausgegeben hast. – Er schien bestürzt. Wie kann meine Gebieterin glauben, stotterte er und hielt inne. – Die Rede ist nicht von dem was ich glaube, sondern was ich sehe. Noch einmal, wer bist du? und wie kommst du dazu, dich durch eine so unbesonnene List in mein Haus einzustehlen? – Ich weiss nicht, ob meine Augen die Härte und den strengen Ton meiner Worte Lügen straften; genug, er warf sich mir zu Füssen, umfasste meine Kniee, und bat mit Tränen in den Augen, ihm einen jugendlichen, beinahe unfreiwilligen Frevel zu verzeihen, den er allzuschwer büssen müsste, wenn ich ihn mit meiner Ungnade bestrafen wollte. – Wer bist du also, wenn du nicht Dorylas bist, sagte ich in einem mildern