du mich durch ihre Mitteilung verbinden. Ich müsste mich sehr irren, wenn sie es bei ihrem Tessalischen Zauberer so lange ausdauerte, als bei dem fürstlichen Perser, der so grosse Vorzüge in sich vereinigte, und sie doch nicht länger als zwei Jahre fest halten konnte. Ihr andern edlen Söhne von Korint werdet ja auch noch an den Reihen kommen; wenigstens hat sie euch lange genug umsonst dienen lassen, oder doch nur mit Phasianischen Hühnern und Kopaischen Aalen140 abgespeist, woran ihr ohnehin keinen Mangel habt.
39.
Learchus an Aristipp.
Die Gemälde sind glücklich angelangt, und bereits in meinem grossen Sahl mitten unter den Werken der berühmtesten Meister aufgestellt. Ich danke dir sehr, lieber Aristipp, dass du mir vor andern Liebhabern den Vorzug hast geben wollen; und auch das ist mir lieb, dass die Atener diese Juwelen der Kunst nur bei mir zu sehen bekommen können. Ich übermache dir eine in Cyrene zahlbare Anweisung auf dreitausend Drachmen; wär' ich ein König, so sollten's dreissigtausend sein, und ich würde diese Bilder doch noch lange nicht nach ihrem wahren Wert bezahlt zu haben glauben. Unsre reichsten Kunstsammler erkundigen sich, nicht ohne Neid, nach dem Meister und dem Preise: ich sage ihnen, dass der Meister nicht genannt sein wolle, und nicht auf den Kauf arbeite. Euphranor, der die Kunst zu sehr liebt, um einer andern Eifersucht als der edlen, schon von dem alten Hesiodus angerühmten141, fähig zu sein, findet, dass an beiden Stücken vieles höchlich zu loben, und wenig oder nichts zu tadeln sei; denn über das, was allenfalls getadelt werden könnte, lasse sich, sagt' er, noch lange streiten. So tadelte z.B. Jemand, dass von dem Entzükken über den unverhofften Anblick des Liebesgottes und der Angst vor seinem Erwachen, wovon das Mährchen spricht, nur das erste in Psychens Gesicht ausgedrückt sei; aber Euphranor behauptet, es wäre unmöglich gewesen beides in eben demselben Augenblick ohne Verzerrung auszudrücken, und der Maler sei der natur und dem Gesetz der Kunst gefolgt, indem er jenen Ausdruck vorgezogen habe; zumal da das Zittern der Hand, wovon der fallende Oeltropfen die Folge war, eben so gut von einer frohen Ueberraschung als einer Anwandelung von Furcht habe bewirkt werden können. Mehr zu verlangen, sagte er, wäre eben so viel als wenn man fordern wollte, der Maler hätte ihre Hand zittern lassen sollen. Vorzüglich bewundert Euphranor an dem zweiten Stücke den Gedanken, das Ganze bloss von dem Aufflackern der Lampe, die der Psyche (indem sie die arme nach dem fliehenden Amor ausstreckt) aus der Hand fiel, und eben verlöschen wird, von unten auf beleuchtet werden zu lassen, welches eine eben so neue und auffallende wirkung tut, als es schwer auszuführen war. Er hat nicht von mir abgelassen, bis ich ihm erlaubt habe, von beiden Gemälden eine Kopei in eingebrannten Wachsfarben zu machen; einer noch nicht lang' erfundenen Kunst, worin er es bereits zu einer grossen Nettigkeit der Ausführung gebracht hat.
Lais (die mir vor ihrer Abreise die Oberaufsicht über ihre häuslichen Angelegenheiten auftrug) meldet mir von Larissa aus, wo sie den Winter sehr angenehm zugebracht zu haben versichert, dass sie im Begriff sei, nach Farsalia abzugehen, und sich in diesem dichterischen land, der Scene so vieler alter Wundersagen und heroischen Abenteuer, dem land wo Deukalion und Pyrrha das Menschengeschlecht wieder herstellten, und Apollo die Herden des Admet hütete, so wohl gefalle, dass sie noch nicht ans Wiederkehren denken könne. Sie scheint sehr wohl mit den edlen Tessaliern, aber desto schlechter mit dem weiblichen Teile der Nation zufrieden zu sein; sie findet die Weiber dieses Landes weder schön noch geistreich und gebildet genug, um ihre ausschliesslichen Ansprüche an die Zauberkunst der Liebe behaupten zu können. Das Wahre ist, dass eine so gefährliche Fremde wie Lais, die in keiner andern Absicht gekommen scheint, als ihnen die reichsten und freigebigsten Männer des Landes vor ihren Augen wegzuangeln, eine allgemeine Empörung der Weiber gegen sich erregt, deren Folgen zu entgehen sie diesen Sommer unter dem Schutze des mächtigen Dioxippus auf einem seiner Güter in der Gegend von Pharsalia zuzubringen gedenkt. Ich zweifle nicht dass diess das rechte Mittel ist, sie vor Anfang des Winters wieder in Korint zu haben. Ich wünsch' es, bloss weil ich sehen möchte was sie mit meinem verrückten Sokrates anfangen wird, und ob sie sich des Versuchs wird entalten können, auch ihn vor oder hinter ihren Siegeswagen spannen zu wollen. Dein Antipater wird sich in seiner Meinung von den Korintern betrogen finden. Diogenes lebt hier noch freier und ungeneckter als zu Aten, und es gefällt ihm so wohl bei uns, dass er von der allgemeinen Einladung, die er von einigen unsrer besten Häuser erhalten hat, schon zwei oder dreimal Gebrauch gemacht, und wenn ihm die Laune dazu ankam, von freien Stücken bei grossen Gastmählern erschienen ist; wo er zwar von seiner gewöhnlichen Diät so wenig als möglich abweicht, aber durch die Gewandteit seines Witzes, die Freiheit seiner Zunge, und die seltsamen Einfälle, wovon er einen unerschöpflichen Vorrat zu haben scheint, sich so angenehm macht, dass seine Erscheinung eine desto lebhaftere Freude unter den Gästen verursacht, je karger er mit dieser gefälligkeit ist. Denn so weit hab' ich selbst (wiewohl er mich mehr als andere begünstigt) es nicht bei ihm bringen können, dass ich meine Freunde auf ihn zu gast bitten dürfte. Antipater wird hieraus ersehen