Arzt zu einer tüchtigen Portion Niesewurz hätte zuweisen sollen) lieber zur Kurzweil in einem aus Spinnenfäden gewebten Netze fangen will? oder den armen unbeholfenen Afterhippias, der sich aus einem so dünnfädigen Netze nicht heraus zu finden weiss. – Und mit solchen Schnurrpfeifereien hofft euer Plato den Homer aus den schulen der Griechen zu verbannen!
Einem von Eigendünkel und Selbstgefälligkeit so stark berauschten Menschen darf man schon etwas mehr als gewöhnliche Narrheiten zutrauen: aber dass es schon so weit mit ihm gekommen sein sollte, dass er sich (wie man sagt) geschmeichelt finde auf Kosten des ehrsamen Ariston, seines gesetzmässigen Vaters, für einen leiblichen Sohn des Delphischen Gottes102 gehalten zu werden, kann ich doch kaum glauben. So viel ist indessen gewiss, dass ein angesehener Milesier von meiner Bekanntschaft folgende Anekdoten aus des Platonischen Neffen Speusipps eigenem mund gehört zu haben versichert.
Platons Mutter Periktione galt in ihrer Jugend für eine der schönsten Jungfrauen in Aten – was bekanntermassen eben nicht sehr viel gesagt ist. Ariston, mit welchem sie verlobt war, unterlag an einem trüben Morgen der Versuchung, heimlich in ihre kammer zu schleichen, und während seine Braut noch schlief, sich einen kleinen Vorgriff in seine eigenen künftigen Rechte zu erlauben. Es war ihm aber, alles gebrauchten Ernstes ungeachtet, schlechterdings unmöglich zum Ziel seiner Wünsche zu gelangen. Wie unbegreiflich ihm auch ein solches Unglück scheinen musste, da er wenigstens sich selbst keine Schuld geben konnte, so ging es doch in der Tat ganz natürlich damit zu; denn, mit Einem Worte, der Platz war bereits von einem unsichtbaren Liebhaber eingenommen. Bei so bewandten Umständen blieb freilich dem armen Ariston nichts übrig, als sich mit gesenkten Ohren eben so heimlich, wie er gekommen war, wieder wegzuschleichen. Aber in diesem Augenblick wurde der Nebel von seinen Augen weggeblasen; er sah wie Apollo sich leibhaftig von der Schlummernden erhob, erkannte den eben so schnell wieder verschwindenden als sichtbar gewordenen Gott, und beschloss auf der Stelle, aus Beweggründen, woran seine Klugheit nicht weniger Anteil hatte, als seine Gottesfurcht, die Vermählung mit Periktione zwar zu beschleunigen, aber des ehlichen Rechts sich so lange zu entäussern, bis sie geboren haben würde. Im dritten Jahre der siebenundachtzigsten Olympiade, am siebenten Tage des Monats Targelion103 (welcher, wie die Delier sagen, auch der Geburtstag des Apollo ist) wurde sie von diesem nämlichen Plato, der jetzt seine göttliche Abkunft durch so wundervolle Werke zu Tage legt, entbunden, und Ariston rechnete sich's, wie billig, zur grössten Ehre, als ein zweiter Amphitryon104, für den Vater des Göttersohns zu gelten: wir aber wissen nun was wir zu glauben haben, und wundern uns nicht länger, dass ein Sohn des Pytischen Gottes uns von den Mysterien der übersinnlichen Welt so viel Unerhörtes und Undenkbares zu erzählen weiss. Auch wird durch diese Anekdote eine andere, die aus eben derselben Quelle kommt, desto glaubwürdiger. Sokrates, sagt man, träumte einst, er habe einen noch unbefiederten jungen Schwan zwischen seinen Knieen, der aber (vermutlich durch die Wunderkraft der in ihn übergehenden Sokratischen Wärme) so schnell Federn bekam, dass er auf Einmal die Flügel ausspannte und mit einem ungemein lieblichen Getöne sich in die Luft erhob. Tages darauf sei ihm der junge Plato vorgestellt worden, und Sokrates (dessen Glauben an seine Träume bekannt ist) habe sogleich bei seinem Anblick gesagt, diess sei der junge Schwan, den er gestern im Traume gesehen habe.
Wenn du etwa mit dem Neffen des göttlichen Schwans bekannt genug sein solltest, um eine Frage dieser Art an ihn zu tun, so erkundige dich doch bei ihm, ob der Freund, von welchem ich diese Anekdoten habe, sich mit Wahrheit auf sein zeugnis berufe oder nicht. –
Nun von etwas anderm! Ich habe hier noch einige Schönen aus Aspasiens Schule gefunden, die zwar schon etwas lange aufgehört haben jung zu sein, aber noch anziehend genug sind, um nicht wenig zu den Annehmlichkeiten von Milet beizutragen. Eine von ihnen hat (ich weiss selbst nicht wie?) Mittel gefunden, mich in eine Art Platonischer Liebe zu verstrikken, die etwas so Neues für mich ist, dass ich mich dem Wundermann für seine Erfindung sehr verpflichtet erkennen würde, wenn die schöne Antelia (so nennt sich meine Freundin) nicht unglücklicher Weise ein sehr weibliches Weib wäre, und also, der Teorie des Erfinders zufolge, ohne Entweihung der Mysterien des Uranischen Eros nicht auf Platonisch geliebt werden darf.
Seit einiger Zeit hält sich unter andern nicht gemeinen Künstlern auch dein Freund Parrhasius zu Milet auf, und findet viele Ursache sich bei uns zu gefallen. Die Günstlinge des Plutus wetteifern mit einander, wer die meisten und schönsten Stücke von ihm aufzuweisen habe, und der Künstler befindet sich ungemein wohl bei dieser Eifersucht: ob sie aber der Kunst eben so zuträglich sein werde, ist eine andere Frage. Wenigstens setzt sie jenen in eine starke Versuchung, sich eine dem Auge schmeichelnde geschwinde Manier anzugewöhnen, und künftig mehr für den schärmerischen Beifall des freigebig bezahlenden Liebhabers, als für das ruhige Wohlgefallen des streng urteilenden Kenners zu arbeiten.
Eine unsrer schönsten Hetären hat sich indessen wohlfeil genug in den Besitz seiner Leda (die in ihrer Art über allen Preis ist) zu setzen gewusst, und ist dadurch auf Einmal die reichste ihres Standes geworden, indem sie das eben so leicht erworbene als leichtfertige Gemäldchen dem Satrapen Teribazus für eine unerhörte Summe wieder verkaufte.
Sage mir doch, Aristipp, was für ein Schwindel deine Kechenäer angewandelt