. – So bestelle ich heute noch ein Schiff, rief er. – "Weisst du auch wie das Sprüchwort lautet93?" – O! um dieses Mädchens willen reise ich in einem Fischerkahn bis zu den Säulen des Hercules. "Aber die Sache hat noch einen andern Haken. Wenn du sie auch zu sehen bekommst, desto schlimmer für dich! Denn das Haben musst du dir ein- für allemal vergehen lassen." – dafür macht euch keine sorge, versetzte der Abderit in einem triumphirenden Ton; ich habe Creditbriefe für zehn Talente bei mir. – "Närrischer Mensch, und wenn du Credit für zehntausend Talente hättest, siehest du denn nicht, dass wir nur unsern Spass mit dir treiben, und dass diese Auftaucherin – mit Einem Wort, Aphrodite selbst ist?" – O weh! rief er mit einer kläglichen Miene; das ist freilich ein ander Ding! Aber das hättet ihr mir gleich sagen sollen. Ich bin unschuldig, wenn sich die Göttin durch meine vermessenen Reden beleidigt finden sollte. Hoffentlich wird sie mich's nicht entgelten lassen. – "Das hättest du selbst sehen sollen, guter Onokradias, dass es Aphrodite ist, und du wirst auf alle Fälle wohl tun, wenn du den Zorn der Göttin durch so viele schneeweisse Tauben, als du in ganz Attika zusammentreiben kannst, zu versöhnen suchst. Sahst du denn den Menschen hier nicht, der in einer so andächtigen Stellung hier an der Tür steht, und die Göttin anbetet?" – Ja wirklich! Was ich für ein Dummkopf bin! Aber dass ich keinen mit weissen Tauben bespannten Wagen neben der Göttin sah, betrog mich. Freilich hätte mir dieser junge Priester, oder was er ist, das Verständniss öffnen können, wenn ich ihn nur nicht vor dem schönen Mädchen – der Göttin wollt' ich sagen – gänzlich übersehen hätte.
Du siehst, schöne Lais, dass ich mit meinem Abderiten noch nicht sonderlich weit gekommen bin. Ich habe mich aber auch zu nichts anheischig gemacht, als ihn ungefähr zu lassen wie ich ihn fand. Er weiss sich doch wenigstens ziemlich bald wieder zu fassen, und für einen Abderiten ist das schon viel.
Deine Lastenia und ihr etwas zweideutiger Seelenliebhaber sind inzwischen aus ihrer Wolke hervorgetreten, und haben sich mir, um meinem Scharfblick zuvorzukommen, in höchstem Vertrauen entdeckt. Ich stellte mich überrascht, versprach ihnen aber alle guten Dienste, die sie nur immer von mir erwarten könnten. Das Mädchen macht wirklich grosse Fortschritte, und hat mir noch ganz kürzlich Platons Ideen so artig vorpoetisirt, dass ich sie beinahe für mehr als blosse Hirngespenster halten möchte, wenn's nur irgend möglich wäre. Sie besitzt eine ganz eigene Ahnungsgabe für alles Uebersinnliche und Unbegreifliche, und spricht von Dingen, wovon niemand etwas weiss noch wissen kann, ohne selbst das Geringste mehr davon zu wissen als andere, mit so viel Geist und Gemütlichkeit, dass es eine Lust ist, ihr (zumal bei rosenbekränzten Bechern) zuzuhören. Aber was den armen Speusipp in keine geringe Verlegenheit setzt, ist der Umstand, dass der göttliche Plato selbst eine ziemlich warme Zuneigung – für den schönen Kleophron gefasst hat. Die kleine Spitzbübin scheint mir mehr Freude als Schrecken über diese Entdeckung zu verraten, welche sie selbst (wie natürlich) zuerst gemacht hat, und wodurch sich ihre Eitelkeit mächtig geschmeichelt fühlt. Indessen tröstet sich Speusipp mit der Hoffnung, dass die Liebe seines Oheims vermutlich – platonischer sein werde, als die seinige; und ich bestärke ihn, wie billig, in dieser Ueberredung aus allen Kräften.
Zum Beweise, wie treulich ich deine guten Lehren in Ausübung gebracht habe, und wie gut ich dermalen mit dem ehrwürdigen Aldermann der Akademie stehe, will ich dir nicht verhalten, liebe Laiska (wie sehr auch meine Bescheidenheit dabei ins Gedränge kommt), dass mir diesen Morgen sogar das Glück geworden ist, ihn selbst mit etlichen seiner Vertrauten in meine Galerie treten zu sehen. Er sprach mit mir von meinen Wanderungen, und wunderte sich, dass ein so viel gereister Cyrener Aegypten noch nicht gesehen habe. Es ist noch immer Zeit, sagte ich, die Pyramiden und Obelisken und den Nilmesser in Augenschein zu nehmen; Katarakten habe ich anderswo schon gesehen, und für die Weisheit der Aegyptischen Priester – hab' ich, die Wahrheit zu gestehen, keinen Sinn. – Dagegen ist nichts zu sagen, versetzte er mit einem kleinen Zucken der Nase und Augenbrauen. Bei den Gemälden machte er hier und da eine kurze Bemerkung, welche bewies, dass er mit der Kunst bekannt ist, und das Schönste gesehen hat. Auf Kleombrot warf er im Vorbeigehen einen ernsten blick, und kehrte sich sogleich wieder von dem Bilde weg; bei dem sterbenden Sokrates hingegen verweilte er desto länger, zwar stillschweigend, aber mit grosser Aufmerksamkeit und einigen leisen Zeichen von Rührung. Auch die schöne Anadyomene fesselte seine Augen eine kleine Weile; er rühmte den Maler, der den Zeuxis selbst in einem teil, worin dieser am grössten sei, in der Kunst die Farben in einander zu schmelzen, noch zu übertreffen scheine. Als er im Begriff war, sich wieder davon zu entfernen, heftete er einen blick auf mich, als ob er mich mit dem unverschämten jungen Gaffer im Gemälde vergleiche. Vermutlich eine Scene aus deiner eigenen geschichte, sagte er zu mir mit einem kaum merklichen Lächeln. Die schönste, versetzte ich mit gebührender Dreistigkeit, und (wie sich von selbst versteht) ohne rot zu werden