als den Uebergang zu einer künftigen neuen Gattung, deren regelmässigere und elegantere Form eine natürliche Folge der, in umgekehrtem verhältnis mit der Abnahme der demokratischen Ungezogenheit, immer steigenden Verfeinerung des Geschmacks und der Sitten sein wird. Indessen lässt gleichwohl die leichtfertige Muse des Dichters der Wolken weder ihrer unnachahmlichen Genialität noch ihrem gewohnten Mutwillen so enge Schranken setzen, dass sie sich nicht noch immer bald einzelne Hiebe mit derselben Geissel, die vor dreissig Jahren einen Kleon bis auf die Knochen zerfleischte, bald Züge von eben demselben neckenden Spott, womit sie einst einen Lamachus, Euripides, Nicias, Alcibiades, ja den unsträflichen Sokrates selbst verfolgte, und bei jeder gelegenheit die bittersten Sarkasmen über das Volk und die Regierung von Aten erlauben sollte. Sein neuestes Stück, der Weibersenat84 betitelt (welches ich für dich abschreiben lasse), entält ziemlich starke Beweise hiervon, ist aber dabei so ekelhaft schmutzig, dass ich, wiewohl es von feinerem Witz und trefflichen Einfällen strotzt, mir doch kaum getraue es dir vor die Augen zu bringen.
Eine meiner ersten Angelegenheiten, nachdem ich von meiner neuen wohnung Besitz genommen hatte, war, die alte Bekanntschaft (Freundschaft kann ich sie ehrlicher Weise nicht wohl nennen) mit den Attischen Sokratikern zu erneuern. Der gute Kriton war seinem geliebten Freunde schon vor einigen Jahren in das unbekannte Land nachgezogen, wovon Plato in seinem Phädon so viel Wunderbares zu berichten hat. Stilpon lebt zu Megara, Cebes und Simmias sind nach Teben zurückgekehrt, und streuen dort guten Sokratischen Samen aus. Unter den Anwesenden wurde ich von dem wackern Gerber Simon, von Kritobulus (der unserm Meister durch sein Leben als Hausvater und Bürger Ehre macht) und von Aeschines, des Lysanias Sohn, am freundlichsten empfangen; von Plato kalt und vornehm, von Antistenes (der mit den Jahren nicht milder geworden ist) ein wenig – cynisch. Es war als ob er mich erst von allen Seiten beschnuppern müsste, bevor er mich erkannte und einige Freude über unser Widersehen äusserte; welches letztere übrigens all bejahrten Leute zu tun pflegen, wenn ihnen ein jüngerer Bekannter nach langer Zeit wieder zu gesicht kommt. Im Grund ist es nicht so wohl das Vergnügen über unser Dasein, als die Freude darüber dass sie selbst noch da sind, was sie uns dadurch zu erkennen geben.
Ich fange an sehr lebhaft zu fühlen, dass uns beim Eintritt in die männlichen Jahre, eine bestimmtere Art von Beschäftigung immer unentbehrlicher wird. Ohne gerad' eine förmliche Schule zu eröffnen und ein Aristophanisches Phrontisterion aus meinem haus zu machen, bin ich entschlossen, nach dem Beispiel des Sokrates und in seiner Manier (sofern ich sie ohne Anmassung und Nachäfferei zur meinigen machen kann) einen teil meiner Zeit einigen fähigen Jünglingen, die sich zu mir halten wollen, zu widmen. Zu diesem Ende ist ein gegen den Garten offener Säulengang meines Hauses täglich etliche Stunden einem jeden geöffnet, der sich darin ergehen und an der kleinen Gesellschaft, die sich da zusammen zu finden pflegt, als Mitsprecher oder als blosser Zuhörer Anteil nehmen will. Diese Galerie ist mit auserlesenen Gemälden geziert, und unter einigen Stücken von Polygnotus, Zeuxis, Pausias, Parrhasius und Timantes, glänzen die trefflichen Copeien von deinem Tod des Sokrates und dem Ende des unglücklichen Kleombrotus so sehr hervor, dass sie gewöhnlich die Augen der hierher Kommenden zuerst auf sich ziehen und am längsten festalten. Mitunter fallen auch ziemlich komische Dialogen vor, wie z.B. der folgende, den ich dir, weil er mir noch ganz frisch im Gedächtniss liegt, zur Kurzweil mitteilen will.
Ein edler junger Atener trat mit einem zierlich gekleideten fremden Jüngling Arm in Arm in die Galerie. Sie eilten mit flüchtigen Blicken von einem Bilde zum andern, und blieben endlich vor dem tod des Sokrates stehen.
Kein unfeines Stück, sagte der Atener mit einer kalten Kennermiene.
D e r F r e m d e . Was es wohl vorstellt?
I c h . Vermutlich sich selbst.
D e r F r e m d e . Wie meinst du das?
I c h . Um mich deutlicher zu erklären, es ist eine Art von Rätsel oder Hieroglyph.
A t h e n e r . Das nenn' ich sich deutlich erklären! Es gehört also ein Schlüssel dazu?
I c h . Er steckt im Gemälde.
D e r F r e m d e . Wie kriegt man ihn aber heraus?
I c h . Jeder muss ihn selbst finden; darin liegt ja der Spass bei allen Rätseln.
D e r A t h e n e r . Wenn's der Mühe des Suchens wert ist.
D e r F r e m d e . Ich wollte wetten, dieses hier stellt den Tod des Sokrates vor.
I c h . Ich auch; aber wenn du darauf wetten wolltest, warum fragtest du?
D e r F r e m d e . Um meiner Sache gewiss zu sein. Nun sehe ich wohl, je länger ich's betrachte, dass es nichts anders ist. Ich kenne die meisten dieser Männer von person; sie sind zum Sprechen getroffen. Den alten Philosophen hab' ich freilich nicht mehr besuchen können, weil er schon lange tot war; aber man erkennt ihn auf den ersten blick an seiner Silenengestalt, an der aufgestülpten Nase und an dem Giftbecher, den er so eben aus der Hand des Nachrichters empfangen hat.
I c h . Gut für mich, dass der Maler dieses Bildes uns