, aber jetzt mit einer Zerstreuung angehört wurde, von welcher er sich nicht völlig Meister machen konnte. Sie schien es endlich gewahr zu werden. Denn als sich ihre am Ausgang des Wäldchens zurückgelassenen Leute von ferne sehen liessen, und ihr ein Zeichen gaben, sagte sie lächelnd: ich fühle dass ich deine Schuldnerin bin, lieber Aristipp, und ich würde dir den Antrag tun, mich auf der Stelle nach Aegina zu begleiten, wenn ich nicht besorgen müsste, dass es aufsehen erregen und deine Sokratischen Freunden eine sehr erwünschte gelegenheit geben möchte, dir einen Namen in Griechenland zu machen. Ich selbst mache mir, wie du weisst, nichts aus dem was die Leute von mir sagen: aber ich hätte sehr Unrecht, wenn ich glaubte dass eine solche Gleichgültigkeit auch dir gezieme. Sich fremden Meinungen gänzlich aufzuopfern wäre töricht: aber die meisten Menschen sind eine so neidische und hämische Art von Tieren, dass wir es ihnen um unsrer eigenen Ruhe willen zu verbergen suchen müssen, wenn wir glücklicher sind als sie.
Ich bin überzeugt, Kleonidas, dass alles diess ihr Ernst war, und so antwortete ich ihr wie es diese überzeugung forderte. Es wäre unartig gewesen ihr merken zu lassen, dass ich sie, auch ohne Rücksicht auf das Urteil der Welt, nicht nach Aegina begleitet haben würde. Indessen hatte ich keiner Verstellung nötig, um ihr zu zeigen, dass es mich nicht wenig koste, mich ihrem Gutdünken zu unterwerfen. Denn freilich hätte ich mir aus dem Spott und den Vorwürfen der Sokratiker eben so wenig gemacht als sie, wenn ich bloss meiner Neigung, wie sie ihren Launen, folgen wollte. Das Vergnügen, die ihrige durch diesen seltsamen Besuch befriedigt zu haben, machte sie so aufgeräumt, dass es ihr gelang mich zuletzt auf eben denselben Ton zu stimmen. Was für eine Aufnahme meinst du dass die witwe des Arasambes sich von den Korintiern versprechen dürfe? fragte sie mit der unschuldig leichtfertigen Miene, die ihr so wohl ansteht, und setzte, ohne meine Antwort zu erwarten, hinzu: ich habe ein unfehlbares Mittel mich bei ihnen in Ansehen zu setzen; denn ich muss dir sagen, dass ich sehr reich von den Ufern des goldenen Paktols zurückkomme. – Du hast ein noch unfehlbareres, sagte ich; aber – Ich verstehe dich, fiel sie mir lachend ins Wort, und was dein Aber betrifft, so begreifst du leicht, dass der zweijährige Aufentalt zu Sardes mich nicht demütiger gemacht hat als ich vorher war. Ich rate niemanden meinetwegen nach Korint zu reisen. Du kennst meine Liebe zur Freiheit, meinen Hass gegen euer übermütiges Geschlecht, und das Vergnügen, das ich gleichwohl daran finde, mit Männern umzugehen, und sie für die Augenlust, die ich ihnen wider Willen mache, nach allen Regeln der Kunst zu peinigen. Dabei wird es wohl bleiben. – Ich wünschte, liebe Lais, sagte ich, dass es nicht dabei bliebe. Möchtest du doch das Glück das deiner Musarion zu teil geworden ist (das einzige das du noch nicht kennst) nicht mutwillig von dir stossen, wenn es dir sich anböte! – "Hab' ich es nicht schon mit Arasambes versucht? Es geht nicht, lieber Aristipp! Wer vermag etwas gegen die allmächtige natur? Die Glückseligkeit ist immer eben dieselbe; nur in den Mitteln und in der Art zu geniessen, liegt die Verschiedenheit. Ich fühle mich, so wie ich bin, glücklich: was kannst du mehr verlangen, mein Freund?" – Sie sagte diess mit einer so reizenden Unbefangenheit, dass es Torheit gewesen wäre ihr eine ernste Antwort darauf zu geben. Unsre letzte Umarmung war nicht ganz so warm, und dauerte nicht halb so lange als die erste. Wirklich würde mir's schwer geworden sein, ihr länger zu verbergen, wie schmerzlich es mir war, in allem was sie sagte und tat, den weiblichen Alcibiades immer deutlicher zu erkennen. – Aber hatte ich Recht, der schönen Lais übel zu nehmen, dass sie Lais war? Und sollte nicht fehlgeschlagne Erwartung (wiewohl ich es mir auf der Stelle nicht gestehen wollte) die wahre Ursache der übelverhehlten Lauigkeit gewesen sein, womit ich mich, zu bald für eine Freundschaft wie die unsrige, ihren schönen Armen entwand? Dass sie es nur zu gut merkte, bewies sie mir, im Augenblick des Scheidens, durch einen Kuss, von jenen nektarischen, die sie allein küssen kann, und welche auch du, wenn ich nicht irre, bei einer gewissen gelegenheit kennen gelernt hast. Brauchte es mehr, um die dünne Eisrinde plötzlich zu schmelzen, womit sie das Herz des treuesten ihrer Freunde umzogen gefühlt hatte? Aber ehe ich wieder zur Besinnung kommen konnte war sie meinen Augen so schnell entschwunden, dass ich alles wieder für eine blosse Erscheinung hätte halten können, wenn der magische Kuss nicht noch eine ganze Stunde auf meinen Lippen fort gebrannt hätte.
Nun, lieber Klonidas, wie gefällt dir meine Gespenstergeschichte? Gewiss ist sie keine von den schlechtesten, die du in deinem Leben gehört hast. Aber was wirst du von deinem Aristipp denken, der bei dieser gelegenheit schwach genug war, die schöne Lais erst für ein Gespenst anzusehen, und sie dann wieder von sich zu lassen, als ob sie es wirklich gewesen wäre? Lache immerhin über mich, Kleonidas; ich mache eine so alberne Figur in meinen eigenen Augen, dass ich keine Schonung von dir verlangen kann.
14.
Kleonidas an Aristipp.
Wirklich,