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, und sag' ihm, in einer Stunde, wo du seine feurigsten Liebkosungen mit der matronenhaftesten Würde und Ruhe geduldest hast: "wie zärtlich auch die Sympatie zwischen zwei Liebenden sein möge so sei es doch wohl getan, sich von Zeit zu Zeit einer kleinen Trennung zu unterwerfen;" bitte um seine Einwilligung zu einer Luftveränderung in Aegina, und rate ihm auf etliche Monate nach Susa oder Ekbatana zu gehen; du wirst sehen, dass er sich mit der besten Art von der Welt dazu bequemen wird. Mein Dämonion müsste mich zum erstenmale betrügen, Laiska, wenn diess nicht das unfehlbarste Mittel ist, uns binnen zwei Monaten in deiner Rosenlaube zu Aegina, unter den Augen der freundlichen Grazienwieder zu sehen!

11.

Lais an Aristipp.

Im Vertrauen zu dir gesagt, Aristippmir steigt zuweilen ein kleiner Zweifel auf, ob ich nicht eine sehr unartige verkehrte person und eine Törin obendrein sei, dass ich es ordentlich drauf anlege und mir alle mögliche Mühe gebe, einen Liebhaber los zu werden, welchen mit Vulcanischen Fesseln zu umwinden und fest zu halten, jede andere an meiner Stelle zum einzigen Ziel aller ihrer Gedanken und Bestrebungen machen würde. Du siehest hieraus, dass ich noch nicht ganz mit mir selbst einverstanden bin; vielmehr muss ich besorgen, dass Arasambes noch einen geheimen Anhang in meinem Herzen hat, der vielleicht nur desto gefährlicher ist, weil er sein Wesen im Verborgenen treibt. Woran hange ich denn hier noch? Des hofmässigen Prunks und Pomps, der Sardanapalischen Tafeln30, des lästigen Gewimmels von Eunuchen und Sklavinnen, bin ich überdrüssig, und die ewigen Feste in morgenländischem Geschmack machen mir lange Weile. Es ist wahr, eine Zeit lang fand ich Vergnügen daran, mich selbst mit Erfindung und Anordnung einer Menge mannichfaltiger, hier nie gesehener Ergötzungen für auge' und Ohr zu beschäftigen. Die geschicktesten Baumeister, Bildhauer und Maler Ioniens, die berühmtesten Tonkünstler, Schauspieler, Tänzer und Tänzerinnen wurden angestellt, die Kinder meiner üppigen Phantasie zur Welt zu bringen. Aber auch diese Quelle ist vertrocknet. Kurz, ich habe nur noch ein einziges Gefühl, das lebhaft genug ist mich zu überzeugen, dass ich nicht schon unter den Schatten im Hades herum gleite, und das istdie Ungeduld, die mich zuweilen anwandelt, mich auf meinen Tracischen Goldfuchs, einen unmittelbaren Sohn des Aeolus, zu schwingen und ohne Abschied davon zu rennen. Stände mir, wie der glücklichen Medea, auf den ersten Wink ein Drachenwagen zu Dienste, so wäre ich in diesem Augenblickbei dir zu Rhodus, wofern ich anders nicht besorgen müsste, dich ein wenig übermütiger zu machen, als einem Sokratischen Philosophen geziemen will. Da diess nicht angeht, so habe ich mich endlich doch, gern oder ungern, zu dem Mittel herablassen müssen, das du mir vorgeschlagen hastweil du nicht zu fühlen scheinst wie unwürdig es meiner ist. dafür muss ich dir aber auch zum Troste sagen, es schlägt trefflich an, und könnt' ich es nur über mein Herz bringen damit fortzufahren, so glaube ich beinahe selbst, es würde alles wirken, was du dir davon versprichst. Aber ich gestehe dir meine Schwachheit, wenn es ihm (was ich jetzt selten begegnen lasse) endlich einmal gelungen ist, mich auf meinem Sopha allein zu finden, und ich ihm, in Antwort auf die zärtlichsten Dinge, die er mir mit allem Feuer der ersten unbefriedigten leidenschaft sagt, deiner Vorschrift zufolge, mit der matronenhaftesten Kälte so holdselig als möglich ins Gesicht gegähnt habe, und der arme Mensch, vor Erstaunen über die Schönheit meiner zweiunddreissig Perlenzähne, mitten in einer zärtlichen Phrase stecken bleibt und den trostlosesten blick auf meine ruhigen spiegelhellen Augen heftet, – da kommt mich ein solches Mitleiden mit ihm an, dass es mir unmöglich ist meine Hausfrauenrolle fortzuspielen; und ich schäme mich dir zu sagen, schon mehr als einmal hat sich eine solche Scene so geendigt, dass ich vorhersehe, dein Mittel würde mich, wenn ich es fortbrauchen wollte, mehr zurück als vorwärts bringen.

Glücklicherweise hat sich eine Göttin meiner angenommen, deren besondere Gunst ich in meinem Leben schon oft genug erfahren habe, um es meine erste sorge sein zu lassen, wenn ich nach Aegina zurückkomme, ihr einen kleinen Tempel vom schönsten Lakonischen Marmor zu erbauen. Dieser Tage lässt sich ein Cilicischer Sklavenhändler bei mir melden, und bietet mir eine junge Sklavin aus Kolchis an, die (wie er sich sehr höflich ausdrückte) wofern Lais unter die Sterblichen gerechnet werde, an Schönheit die zweite in der Welt sei. In der Tat überraschte mich ihre Gestalt, als sie aus dem dreifachen Schleier, der sie allen profanen Augen unsichtbar gemacht hatte, wie der Vollmond aus einem Gewölbe hervor trat, und in dem zierlichen Anzuge einer jungen Korbträgerin31 der Atene oder Demeter32 vor mir stand. Schwerlich hast du jemals so grosse, so schwarze und so blitzende Augen gesehen, von schönerm Ausschnitt, und die das Hygron, das die Dichter und Maler der Aphrodite geben, in einem so hohen Grade gehabt hätten, noch Lippen, die so unwiderstehlich zum Kuss herausfordern, wie Anakreon sagt! Ich nahm sie sogleich ins Bad mit mir, und ich könnte dir über das Erstaunen, womit wir einander beide ansahen, sonderbare Dinge erzählen, wenn sie nicht unter die unaussprechlichen gehörten. Lass dir genug sein, Aristipp, dass ich gewiss bin, durch den glücklichsten Zufall gefunden zu haben, was ich lange vergebens hätte suchen können, und dass