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: aber der wärmste ihrer Freunde werde' ich bleiben so lang' ich atme; und wie wenig ich mir auch Hoffnung mache, dass es mir gelingen werde, so will ich doch nie aufhören ihrem bösen Genius entgegenzustreben. Sie hat nun (da sie doch weder wünschen noch hoffen kann, Königin von Persien zu werden) die Erfahrung gemacht, von welcher Art die Glückseligkeit sei, die ein Geist wie der ihrige aus dem, was gewöhnlichen Menschen das Höchste ist, schöpfen kann. Sollt' es denn wirklich unmöglich sein, sie zu überzeugen, dass sie, wofern sie es nur ernstlich wollte, das einzige Gut, das ihr noch unbekannt ist, Zufriedenheit und Seelenruhe, zu Aegina, im Schoosse der natur, der Kunst und der Freundschaft finden könnte?

Ich halte mich, nachdem ich den ganzen Sommer damit zugebracht habe, beinahe alle Inseln des Ikarischen Meeres, die man die Sporaden zu nennen pflegt, eine nach der andern zu besuchen, dermalen zu Rhodus auf, wo ich die neue Hauptstadt dieses Namens, gleich einer prächtigen hundertblättrigen Rose in der Morgensonne, sich ausbreiten und zu einer der schönsten Städte, die von Griechen bewohnt werden, emporblühen sehe. Weil ich hier sehr vieles finde, das meinem Reiseplan zufolge meine ganze Aufmerksamkeit verdient, so gedenke ich bis zu Anfang des Targelions26 hier zu verweilen, und hoffe, da der Verkehr zwischen Cyrene und Rhodus27 jetzt lebhafter als jemals ist, binnen dieser Zeit mehr als einmal gute Nachrichten von euch zu erhalten.

9.

Lais an Aristipp.

Du, der so vielerlei weiss und Neugier für alles hat, solltest du nicht etwa ein Mittel für die Art von Langweile wissen, welche (wie mir ein Sohn des Hippokrates sagt) aus allzugrossem Ueberfluss an Kurzweil' entspringen soll?

Du hast dich vor einiger Zeit nach meinem Wohlbefinden erkundiget. O mein Freund, ich bin so glücklich, so entsetzlich glücklich, dass ich es vor lauter Glückseligkeit nicht lange mehr ausdauern werde. Gnade mir Adrasteia! Sagt man nicht, es gebe Leute, die sich weit leichter in grosses Unglück als in grosses Glück zu finden wissen? Ich muss wohl eine von diesen widersinnischen Personen sein. Dieser Arasambes, zum Beispiel, ist unläugbar viel zu vornehm, zu reich, zu schön, zu gefällig, zu aufmerksam und zu dienstfertig für deine arme Lais; und woher, um aller Grazien willen, sollte sie die ungeheure Menge von Liebe nehmen, die sie nötig hätte um die seinige zu erwiedern? Ich merke wohl, dass er mir mit guter Art zu verstehen geben will, ich brauche es nur zu machen wie er: als da ist, mir beinahe die Augen aus dem kopf zu gucken, um in den seinigen zu erspähen, was er vielleicht morgen wünschen werde; oder, wenn ich irgend eine leichte Spur vom Schatten eines Wölkchens auf seiner breiten Stirn gewahr werde, gleich in eine tödtliche Unruhe zu fallen, und Himmel und Erde in Bewegung zu setzen, um die Ursache des grossen Unglücks zu entdecken, und das Mittel dagegen auf der Stelle herbeizuschaffen. Ich übertreibe nichts, Aristipp; diess ist seine Manier zu lieben, und es liegt nicht an ihm, wenn ich nicht das glücklichste Wesen unter der Sonne bin, so unbeschreiblich beschwerlich und ängstlich ist seine Aufmerksamkeit und sein Verlangen, mich zur seligsten aller Sterblichen zu machen. Denn wie sollt' er je zu viel für diejenige tun können, die ihn schon durch ein zufriednes Lächeln, schon durch einen blick, der ihm sagt, dass sie seine Aufmerksamkeit bemerkt, mitten unter die Götter versetzen kann? Du erinnerst dich vielleicht noch, dass mir anfangs ein wenig bange war, er möchte wohl einige Anlage zur Eifersucht haben; aber von der Art Eifersucht, womit der arme Mensch geplagt ist, liess ich mir wenig träumen. Er ist nicht etwa darüber eifersüchtig, dass ich nicht zärtlich genug gegen ihn bin, oder vielleicht einen andern lieber haben könnte als ihn: er ist es über sich selbst, weil er immer zu wenig zu tun glaubt, und immer einen Arasambes im kopf stecken hat, der noch viel mehr tun möchte und könnte. Auch geht sein Eifer mir gefällig zu sein, und mir keinen möglichen Wunsch übrig zu lassen, bis zum Unglaublichen. Hat er nicht neulich zwanzig schöne Hyrkanische Pferde zu tod reiten lassen, um einen gewissen fisch, mit einem barbarischen Namen den ich wieder vergessen habe, herbeizuschaffen, von welchem jemand über der Tafel erzählt hatte, er habe wechselsweise gold- und purpurfarbne Schuppen, und würde nirgends als im Ausfluss des Phasis gefangen? Ich Unglückliche lasse mir in der Unschuld meines Herzens das Wort entfahren; diese Fische müssten in einem Gartenteiche nicht übel aussehen. Augenblicklich springt mein Arasambes auf, ist wie ein Blitz aus dem Saal verschwunden, und in weniger als einer halben Stunde höre ich das Trampeln einer ganzen Schwadron Reiter, die den Befehl haben, Tag und Nacht zu rennen, um etliche Fässchen voll dieser Fische, sie möchten kosten was sie wollten, vom östlichen Ende des Euxins herbeizuholen. Du kannst nicht glauben, wie ich mich in Acht nehmen muss, dass solche Dinge nicht alle Tage begegnen. Und nun vollends den Zwang, den ich mir antun muss, wenn ich nicht in meinen eignen Augen die undankbarste person von der Welt scheinen will, ihm über dergleichen ausschweifende Beweise seiner sublimen leidenschaft eine Freude zu zeigen, die ich nicht fühle! Ich sage dir, wenn das noch lange so