1800_Wieland_111_131.txt

zurück sie sogar dir zu entdecken, vor dem ich nie ein anderes geheimnis haben werdediese Musarion, mein Freund, ohne die für mich kein Glück ist (halte mir diesen einzigen Zug von Ungleichheit mit dir zu gut!), ohne die ich das reinste Glück des Lebens nie gekannt hätte, sie ist mein! Sie wird mir in einen andern Weltteil folgen! In kurzem werden die hochzeitlichen fackeln für deinen Freund angezündet. Möchtest du doch in person gegenwärtig an unsrer Freude Anteil nehmen! Ich darf es nicht hoffen; aber ich sehe den Tag kommen, der uns in Cyrene, vielleicht enger als jemals, wieder vereinigen wird.

Die schöne Lais, die Stifterin meines Glücks, hat sich ihrer sich selbst auferlegten Pflicht gegen die Tochter des Leontides auf eine höchst edle Art erledigt, und bei den guten Aussichten, die ich in unserm vaterland habe, scheint mein künftiger Wohlstand so fest gegründet zu sein, als es in diesem ewigen Wogen der menschlichen Dinge überhaupt möglich ist.

Auch der fürstliche Arasambes ist dem Ziel seiner feurigsten Wünsche nah. Lais scheint immer mehr Neigung zu ihm, er immer mehr von dem Zutrauen, das man für ein höheres aber wohltätiges Wesen fühlt, zu ihr zu fassen. Er will sie bloss ihr selbst, nicht seinem Ungestüm noch seinen Schätzen, zu danken haben; und diess ist, wenn ich sie recht beurteile, gerade das geheimnis sie zu gewinnen. Sie werden (wenigstens so lange als ihn der König nicht an seine Hofstatt beruft) abwechselnd bald zu Ephesus, bald zu Sardes, bald auf den prächtigen Gütern, die er in Lydien hat, leben, und Lais wird einen Zauberkreis von Freuden und Scherzen, Musen und Grazien, um ihn her ziehen, der seine wohnung in einen Göttersitz verwandeln wird.

Arasambes hat alles versucht, mich bei ihm zurückzuhalten: aber Umstände und Pflichten, und ich weiss nicht welches stille aber drängende Sehnen nach der vaterländischen Luft, rufen mich gebieterisch nach Libyen zurück. Doch werde ich, bis zu der Jahreszeit, die der Ueberfahrt die günstigste ist, bei ihm verharren, und wenn ich es irgend bewerkstelligen kann, dich, mein Freund, noch vorher zu Samos sehen.

5.

Aristipp an Lais.

Ich rate dir, schönste und mächtigste der Erdentöchter, opfre der Ate10 unverzüglich das Kostbarste was duentbehren kannst; denn du bist zu glücklich, als dass deine Freunde deinetwegen ruhig sein dürften. Nicht, als ob du es für deinen Wert je zu viel sein könntest: sondern weil es (wie man sagt) neidische Mächte gibt, welche nicht wollen, dass die Götter alle Schätze ihres Füllhorns so verschwenderisch auf ein einziges sterbliches Wesen herabschütten.

Arasambes ist, nach allem was mir Kleonidas von ihm meldet, deiner würdig, und nach allem was du selbst anzudeuten scheinst, dem Glücke nah' von dir dafür erkannt zu werden. Deine Weisheit wird dich in dem goldnen Strom, worin du schwimmst, vor Uebermut bewahren; deine Edelmütigkeit wird in einem weiten Kreise Glückseligkeit um dich her verbreiten; und die Klugheit, die ich dir wünsche, wird den Gedanken an die Zukunft und die ungewisse Flüchtigkeit des Gegenwärtigen nie ganz aus deiner Seele schwinden lassen. Auch erinnerst du dich, wie ich sicher hoffe, mitten unter den glänzenden und rauschenden Freuden, die dich täglich umschwärmen werden, zuweilen eines Freundes, der in seiner Art vielleicht doch einzig ist, und den du immer da, wo du ihn liessest, wieder finden sollst. Denn weder Ort noch Zeit werden je die Gesinnungen schwächen, die dein erster Anblick in ihm anfachte und eine Folge freudebringender Horen, im trauten Umgang unsrer verschwisterten Seelen, zur Reife brachte. Sollte auch eine Zeit kommen, die ihm jeden andern Genuss entzöge, so wird die blosse Erinnerung an Aegina, Korint und Milet ihm Ersatz für alles sein, und, so lang er weiss dass du glücklich bist, ihn gegen alles, was seine Ruhe von aussen bestürmen könnte, gleichgültig machen.

6.

Aristipp an Hippias.

Ich höre mit vielem Vergnügen, dass du im Begriff bist das unruhige Samos zu verlassen und in die schöne und reiche, den Frieden und die Künste des Friedens liebende Hauptstadt von Ionien zu ziehen, wo du dich in jeder Hinsicht besser befinden wirst; es sei dass du einen würdigen Schauplatz für deine Talente, oder nur einen Ort suchest, wo du, so frei und angenehm als vielleicht an keinem andern in der Welt, einer selbst erwählten Gesellschaft von Freunden, den Musen und deinem Genius leben kannst. Was hätte dich auch länger in Samos zurückhalten sollen? Ueberall, wo die Atener den Meister spielen, ist in die Länge nicht gut wohnen. Ich habe öfters sagen hören, der Atener sei nirgends artig und liebenswürdig als in Aten selbst; ich für meine person habe gefunden, dass sie allentalben die liebenswürdigsten aller Menschen sind, sobald sie eine Ursache haben es sein zu wollen, und die widerwärtigsten, sobald sie jenes für unnötig halten. Wenn sie diess zu Aten weniger zu sein scheinen, so rührt es vielleicht von einer zwiefachen Täuschung her. In den Inseln sind sie die Wenigern an der Zahl, und ihre Unarten fallen daher um so stärker auf, zumal da sie gewohnt sind, sich gegen ihre Colonien, Schutzverwandten und Untertanen alles zu erlauben. Zu Aten sind eben dieselben Unarten unter die ganze Masse der Bürger verteilt, also an den einzelnen weniger auffallend, wie man sich im land der Buckligen