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, wo nach der Meinung der Platoniker u.a. der tierische teil der menschlichen Seele seinen Sitz hatte. W.

63. Brief.

169 Wird hier der Geist genannt, weil er, statt der materiellen Weltursache früherer Philosophen, den Geist (νους) als Welturheber aufstellte. 170 Pytagoras. 171 Pytagoras Gemahlin. 172 Eine der reizendsten Gegenden in Ionien, am Meere zwischen Ephesus und Myus gelegen. W.

64. Brief.

173 Die Atener, heisst es im Process des Sokrates, taten alles, um ihre Hochachtung gegen ihn und ihren Schmerz über den Verlust eines so würdigen Mannes auszudrücken. Sie schlossen die Ring- und Uebungsplätze zu, wie bei einer allgemeinen Trauer, und straften seine Anhänger mit dem tod oder der Landesverweisung. Dem Melitus, als Hauptkläger, ward der Tod zuerkannt, und Anytus, der sich nach Heraklea geflüchtet hatte, ward von den Herakleoten noch denselben Tag aus ihrer Stadt verwiesen. An dem Schicksal des letzteren soll Antistenes Ursache gewesen sein, der einige Jünglinge aus Pontus, die nach Aten gekommen waren den Sokrates zu sehen, zum Anytus führte, und spöttisch sagte, das sei der Mann, den man für weiser und tugendhafter halte als den Sokrates. Die Atener fühlten die Wahrheit dieses Spotts so sehr, dass Anytus sogleich die Stadt räumen musste. Dem Sokrates ward eine Statue aus Bronze an dem vornehmsten platz der Stadt aufgestellt, und die grosse Folge der ganzen Begebenheit war, dass man nach dieser Zeit kein Beispiel von einer ähnlichen Anklage und Verurteilung in Aten findet. So suchten die Atener dem unschuldig hingerichteten Weisen so viel Genugtuung zu geben als damals möglich war. Es scheint ungerecht, über diese plötzliche und heftige Reue zu spotten; denn man muss das Volk von den Richtern unterscheiden. Das Urteil der Richter war nicht Urteil des ganzen volkes, und das Betragen des letzteren war nicht sowohl Reue, als Gefühl der anerkannten Unschuld des Sokrates, und Bestreben den Fehler einiger Bürger wieder gut zu machen und von sich zu entfernen. Auch geschah dieses nicht so plötzlich: Sokrates war 30 Tage im gefängnis, ohne dass man daran dachte das Urteil der Richter aufzuheben. Vielmehr scheint alles nach und nach durch seine Freunde bewirkt zu sein, deren Verteidigungen des Sokrates die Atener nun mit kühlerem Blut prüften, und die Unschuld des Sokrates und die Bosheit seiner Feinde entdeckten. Vielleicht trugen auch die Nachrichten von seinem grossen und standhaften Bezeigen im gefängnis dazu bei. Das Betragen des volkes ist also die schönste Rechtfertigung sowohl für den Sokrates, als für die Atener selbst. – Während scheint daher den Kleonidas hier sehr hart urteilen zu lassen, aber freilicher läugnet auch die ganze Begebenheit. Die Gründe, die ihn dazu bewogen, sind von Bartélemy in Bd. 5. der Reise des Anacharsis aufgeführt sur les prétendus regrets que les Aténiens témoignèrent après la mort de Socrate. 174 Plinius erwähnt dieser Anekdote im 10ten Kap. des 35sten buches: Magnis suffragiis superatus a Timante Sami in Ajace armorumque judicio, herois nomine se moleste ferre dicebat, quod iterum ab indigno victus esset. W. 175 Diese Vermutung des Timantes ist bekanntlich in vollem Mass eingetroffen. Plinius folgte in seinem Urteil über den angeblichen Kunstgriff, welchen der Maler durch Verhüllung des Agamemnon angebracht haben sollte, allem Ansehen nach bloss der damals schon allgemein angenommenen und seitdem von unzähligen Neuern (ohne nähere Untersuchung, wie es scheint) nachgesprochenen Meinung. Timanti plurimum adfuit ingenii; ejus enim est Iphigenia, oratorum laudibus celebrata, quâ stante ad aras periturâ, eum moestos pinxisset omnes, praecipue patruum Menelaum, cum tristitiae omnem imaginem consumsisset, patris ipsius vultum velavit, quem digne ostendere non poterat, l. cit. Ich müsste mich sehr irren, oder die Erklärung, welche Timant in dieser Erzählung des Kleonidas den drei jungen Kunstkennern gibt, bedarf keiner weitern Beweise, um für die einzig wahre Darstellung seines Verfahrens und der Gründe desselben erkannt zu werden. W.

Ohne Zweifel dachte Wieland hiebei auch an das, was Lessing hierüber gesagt hat in dem Laokoon S. 34 fgg.

66. Brief.

176 Ein Schüler des Pytagoräers Archytas von Tarent, soll die Pytagorische Lehre zuerst öffentlich bekannt gemacht, so wie die Bewegung der Erde um die Sonne zuerst gelehrt haben.

67. Brief.

177 Wie Lais den Schluss ihrer Antwort unter den angegebenen Umständen hat schreiben können, überlasse ich denen auszumachen, welche gern Rätsel lösen.

68. Brief.

178 Uebertrieben subtile und pedantische Grübler, wahrscheinlich ein von Aristophanes in den Wolken zuerst in diesem Sinne gebrauchtes Wort. W.

Eine ausführliche Abhandlung über die Wörter Phrontis, Phrontizein, Phrontisten und Phrontisterion hat Wieland geliefert in seinen, der Uebersetzung der Wolken beigefügten Erläuterungen (Att. Mus. II. 2, 35–47). – Voss hat das Aristophanische Phrontisterion übersetzt durch Denkwirtschafteri, und Phrontist (μεριμνοφροντιστης) durch Tiefsinnesdenker. 179 Anspielung auf eine merkwürdige Allegorie Platons, wodurch er zu Anfange des siebenten Buches seiner Republik den menschlichen Zustand in Ansehung des Wissens und Nichtwissens zu versinnlichen sucht. 180 Aus Sesamon, einer kornartigen Hülfenfrucht, bereitet, mit Honig, Käse und Oel gemischt, war ein bei den Atenern sehr beliebtes Backwerk. 181 Es war eine alte Sitte bei den Atenern, dass jeder Gast seinen eigenen Bedienten mitbrachte, um sich von ihm bei der Tafel bedienen zu lassen, und vornehmlich um von den verschiedenen Gerichten, wurde, alles was dieser nicht selbst verzehrte und was transportabel war (z.B. Stücke gebratnen