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, die am Ende ganz allein auf Platons zeugnis sich gründet, den die übrigen Zeugen selbst für verdächtig erklären. Indess auch Platon sagt nicht ein Wort weiter, als dass Aristipp damals in Aegina gewesen sei, und diese Tatsache wird ihm, wenigstens so viel ich weiss, von niemand bestritten. Hat also Meiners, um Aristipp schwärzer zu machen, mehr gesagt als er durfte, so hat hingegen Wieland, um ihn weisser zu machen, nicht nur weniger gesagt als er sollte, sondern auch ganz etwas anderes, und zwar, wenn die Nachricht gegründet wäre, dass Aristipp erst nach seines Vaters tod zu Sokrates gereist sei, etwas durchaus Falsches. Wäre es bloss um einen Roman zu tun gewesen, so würde Wielands Rechtfertigung in den Gesetzen des Romans selbst liegen: da es ihm aber offenbar um eine Charakteristik zu tun ist, so fragt man billig nach seinen Gründen. Wie es scheint, hatte er keine anderen als dass 1) Platon selbst die Tatsache als blosses Gerücht anführt, 2) dass Diogenes von Platons Anführung als von einer Verlästerung spricht, dass 3) der vor Aristipps Abreise erfolgte Tod seines Vaters keineswegs erwiesen ist und dass 4) Aristipp von Aegina aus mehrmals Reisen machte. Diess schien ihm vielleicht hinreichend zu der erlaubnis, seine Neigung, durch etwas veränderte Stellung in Berichten der Anekdotenträger und Sammler ein Verdammungsurteil abzuwenden, auch hier zu befriedigen. Bis indess ein anderer so glücklich sein wird auszufinden, was ich nicht habe ausfinden können, dass Aristipp wirklich nicht in Aegina gewesen sei, wird mir der Wunsch bleiben, Wieland möchte, statt eine Tatsache zu läugnen, lieber anders motivirt haben: den beabsichtigten Zweck hätte er doch erreicht.

54. Brief.

151 Plato stammte aus einem patricischen Geschlechte in Aten. Dropides, ein Bruder des Atenischen Gesetzgebers Solon, war der Aeltervater der Mutter Platons; Dropides stammte in gerader Linie von Kodrus, dem letzten Könige von Aten, und Kodrus war Könige von Pylos und Vater Nestors, Neleus, einem vorgeblichen Sohne Poseidons oder Neptuns (nach Plutarch und Diogenes von Laerte.) Dieser Genealogie zufolge nennt hier Aristipp den Plato ein wenig naserümpfend einen Abkömmling Poseidons. W. 152 Platon. 153 Kunst des philosophischen und sonst gelehrten Streites mit Anwendung alles dessen, wodurch man den Gegner irre führen und täuschen kann.

55. Brief.

154 Anspielung auf die eigenen Worte Platons in der oben von Kleombrot in seinem Briefe an Aristipp angezogenen Stelle: "Wo blieb denn Plato? – Es hiess er sei unpässlich." W. Wenn es indess wahr ist, was Diogenes erzählt, dass Platon vor Gericht aufgetreten, um den Sokrates zu verteidigen, und nur durch einen Attischen Scherz der Richter unterbrochen worden sei, so hätte sich Platon doch viel anders benommen als Aristipp. 155 Neben-, Bei-Werk. 156 Was das Gemüt in eine sanft anziehende, ruhig vergnügliche Bewegung setzt. W.

56. Brief.

157 Ein schöner Jüngling, den bei der Argonautenfahrt die Nymphen raubten. 158 S. Bd. 10. 159 Diogenes von Laërte hat uns zwei oder drei von diesen Epigrammen aufbehalten, wodurch Aristipp den göttlichen Plato bei seiner schönen Freundin in den Verdacht zu bringen sucht, als ob er gegen die Reize ihres Geschlechts unempfindlich gewesen. Der Compilator hat aber nicht vergessen, auch ein paar andere, an eine gewisse Xantippe (vermutlich nicht die etwas saure aber sonst unbescholtne Hausfrau des Sokrates) und an die Hetäre Archianassa beizufügen, die unserm Briefsteller unbekannt gewesen sein müssen, und mit welchen Plato sich gegen jene Beschuldigung aufs vollständigste hätte rechtfertigen können. Aber ernstaft zu reden, wäre nichts unbilliger als solchen jugendlichen Scherzen, wie z.B. das Epigramm auf die alte Archianasse: "In deren Runzeln sogar dräuend ein Liebesgott sass" mehr Bedeutung beizulegen, als sie für unbesangene Augen haben können. W.

57. Brief.

160 Plinius erwähnt dieser beiden Stücke unter den berühmtesten Werken dieses Meisters. Sunt et duae picturae ejus nobilissimae, Hoplitides: alter in certamine ita decurrens ut sudare videatur; alter arma deponens ut anhelare sentiatur. H.N.I. 35. c. 10. W. 161 Pinxit et minoribus tabellis libidines, eo genere petulantis joci se reficiens. Plin. XXXV. 10. W.

59. Brief.

162 Diese in der natur der Sache gegründete Weissagung ging, wiewohl etwas später als Aristipp glaubte, in Apelles, Protegenes und Aristides in Erfüllung. Wenn Plinius von dem letzteren sagt: is omnium primus animum pinxit et sensus omnes expressit, so kann er damit nicht haben sagen wollen, er sei der erste (der Zeit nach) gewesen, der die Seele und das Gemüt zu malen gewusst habe; denn da hätte er sich selbst in dem, was er vorher an Timantes und Parrhasius gerühmt hatte, widersprochen: sondern nur, er habe in diesem Stück allen seinen Vorgängern und Nachfolgern den Rang abgewonnen. W.

61. Brief.

163 Die Musenkünste betreibend. 164 Eine Art Ueberrock oder Mantel, von grober Wolle, der kaum über die Knie reichte, und worin öfters die ganze Garderobe der Atenischen Bürger von geringem Vermögen bestand. W.

62. Brief.

165 Eine, von Einigen zu den Kykladischen, von Andern zu den Sporadischen, gerechnete, ganz mit Fels und Stein bedeckte Insel, wohin die Römer Criminalverbrecher verbannten. 166 Eine mit den schönsten Südfrüchten prangende Gegend in Nord-Afrika. 167 Tastbar. 168 Die im Unterleibe entaltenen Eingeweide