ist zu gross. Es wird erzählt, dass 281 Stimmen mehr gewesen, die den S. verurteilt als ihn lossprachen, und dass von den letzteren zuletzt noch 80 gegen ihn gestimmt hätten. Diess gäbe wenigstens 361 Richter, so viel wohl nie im Areopagus gewesen sind. Auch kommt in keiner der Apologien eine Spur vom Areopag vor, oder von den diesem ehrwürdigen Gericht eigenen Gebräuchen, welches doch sicher zu erwarten wäre. Ferner schickt sich das, was Plato den S. sagen lässt, dass seine Richter Demütigungen und Erflehungen ihres Mitleids und Gnade von ihm erwarteten, gar nicht zum Areopagus, wo alle diese Mittel, die Gerechtigkeit zu beugen, strenge verboten waren. Plato endlich lässt den S. am Tage seiner Verurteilung vor der Halle des Königs wandeln, was sich zum Areopagus, der unter freiem Himmel Gericht hielt, gar nicht schickt. Aus diesen Gründen wird wahrscheinlich, dass die Sache des S., wenn sie gleich, der alten Einrichtung Solons gemäss, eigentlich vor den Areopagus gehörte, doch vor einem der Volksgerichte geführt sei, wozu die Ursachen in der damaligen Verfassung Atens lagen. Der Areopagus hatte durch die Verwaltung des Perikles von seinem Ansehen und seinen Geschäften so viel verloren, dass ihm in diesen zeiten fast bloss die Blutsachen übrig geblieben, und die Religionssachen zu den Volksgerichten gezogen zu sein scheinen. Schon lange vor Sokrates wurden Aspasia und Alcibiades, die beide ähnlicher Vergehungen gegen die Religion beschuldigt waren, nicht vor dem Areopag, sondern vor einem Volksgericht angeklagt. Man könnte sogar mutmassen, dass in diesem Jahre gar kein Areopag existirt habe, weil in den vorhergehenden Jahren die ganze Verfassung Atens erschüttert und unter den 30 Tyrannen wenigstens keine Archonten gewesen waren, aus welchen allein der Areopag bestand. Dann wäre ein Grund gefunden, warum die Feinde des S. gerade dieses Jahr zu ihrer Anklage gewählt hätten, weil sie eher hoffen konnten, die Richter in einem der Volksgerichte zu blenden und einzunehmen, als die ehrwürdigen Mitglieder des Areopags. Das Gericht, vor welchem S. angeklagt wurde, war höchst wahrscheinlich das Heltastische; ein Gerichtshof, der nach dem Areopagus der angesehenste und grösste in Aten war. 126 Dieser berühmte Redner bot dem S. eine Schutzrede an, die dieser aber nicht annahm, weil eine künstliche Verteidigung sich für seinen Charakter nicht schicken würde. Cic. de Orat. 1, 54. 127 Weil dieser berühmte Centaur eine Art von Ritterakademie in Tessalien hatte, wo auch Achilles seine Bildung erhielt, so steht er hier statt Erzieher überhaupt.
45. Brief.
128 Der Lederhändler, der nach Perikles sich zum Haupt der Atenischen Staatsverwaltung emporschwang, wird von Aristophanes in den Rittern als ein grober und ungeschlachter Schreier geschildert. 129 Das personificirte Volk, welches Aristophanes ebenfalls auf die Bühne brachte; auf diese Schilderung wird hier hingedeutet. 130 Ein auf einem Hügel gelegenes, halbkreisförmiges Gebäude, zu Volksversammlungen (Ekklesia) bestimmt, in der Nähe des Marktes von Aten. 131 Abkömmling von dem letzten Atenischen Könige, Kodrus. 132 Wie die berühmte Zaubrerin Medea in ihrem Zauberkessel ein Mittel bereitete, wodurch Aeson, ihres geliebten Jasons Vater, seine Jugend wieder erhielt, erzählt ausführlich Ovid im 7ten Buch der Verwandlungen.
46. Brief.
133 S. unter den Anm. S. 296 P r y t a n e n . 134 Plato im Phädon erzählt, dass, als Teseus nach Kreta segelte, die bedungenen Jünglinge dem Minos als Tribut zu bringen, die Atener dem Apollon eine jährliche heilige Sendung nach Delos gelobten, wofern sie gerettet würden. Sie wurden gerettet, und das Gelübde erfüllt. Von der Zeit des Abgangs bis zur Rückkunft des heiligen Schiffes durfte in Aten kein Todesurteil vollzogen werden.
48. Brief.
135 Auch zur Verständniss dieses Briefes verweisen wir auf die schon erwähnte Abhandlung über Atens Verfassung. 136 Anspielung an die φρατορας τριοβολου des Aristophanes in den Rittern. S. Attisches Museum. 2. Bd. W.
49. Brief.
137 S. die Anm. zu Peregrinus Proteus, Bd. 16. 138 Name einer der Furien.
50. Brief.
139 Weibliches Gespenst, dem man nachsagte, dass es Menschen fresse. Vergl. die Anm. zu Agatodämon, 3. Buch, 14. Abschn. Bd. 18. 140 Hier mit Anspielung auf den Kunstausdruck der Maler, welche nasses Gewand jene Bekleidung nennen, durch welche die natürlichen Formen des Körpers durchscheinen.
51. Brief.
141 Man vergleiche, was in besonderer Beziehung auf Aristophanes über Sokrates von Schnelle gesagt ist in seinem Werke: welche classische Autoren, wie und in welcher Folge – – soll man auf schulen lesen? Bd. 2. S. 901. fgg. Gewiss musste Sokrates vielen seiner Landsleute aus diesem Gesichtspunkt erscheinen. Bei der angeführten Stelle ist übrigens noch zu bemerken, dass auch Schelle bei seinem Urteil über Wielands Beurteilung des Aristophanes keine Rücksicht auf Aristipp muss genommen haben. 142 Sind verschiedene Arten von Schmiedekünstlern der alten Welt, von denen die Alten eben so viel Wunderbares und Geheimnissvolles berichten, als die Neuern von den Freimaurern. Beide sind sich in der Tat ähnlich genug, und eine zwischen ihnen gezogene Parallele könnte gar nicht uninteressant sein, und vielleicht mehr aufklären als die meisten bisherigen Untersuchungen darüber. 143 S. Wielands Abhandlung: die Pytagorischen Frauen. 144 S. Diod. Sic. 14, 44. fgg. 145 Diese Anekdoten erzählt Cicero de nat. Deor. 3, 34. und Aelian V