angeführten Sokratischen Dialog erklärt sich Aristipp gegen Sokrates für einen Weltbürger. Wieland bemerkt dabei über des Sokrates Antwort: "Ich weiss nicht, ob man einem Menschen, der etwas besser als der unterste unter allen ist, etwas Härteres und zugleich Gröberes sagen kann, als was Xenophon den Sokrates hier dem armen Aristipp ins Gesicht sagen lässt; und Aristipp erscheint, durch die gute Art, wie er diese Attische Urbanität, aus Ehrerbietung vor dem alten Sokrates, erträgt (vermutlich gegen Xenophons Absicht), in einem vorteilhaften Lichte. – So viel kann doch wohl Sokrates sich über Aristipp, der nicht etwa ein armer Schlucker, sondern ein Fremder von gutem haus und Vermögen war, nicht herausgenommen haben, wenn er ihn im Ernste gewinnen wollte." – Es könnte hiebei leicht von drei Seiten gefehlt sein. Aristipp kündigt seinen Kosmonen Staat binden, sondern überall wie ein Fremder leben wolle, was denn freilich die eigennützigste Art von Weltbürgerschaft wäre; Sokrates hatte in Beziehung auf Menschenrechte und Bürgerpflichten etwas beschränkte Grundsätze; und Xenophon stellt überall den Aristipp in Schatten, und kann nur nicht vermeiden, ihn doch als den – selbstständigsten Schüler des Sokrates darzustellen, da er sich auf Platon nicht einlässt.
19. Brief.
89 Wortkargheit, wie sie den Lacedämoniern eigen war. 90 Aufseher, obrigkeitliche Würde in Sparta. 91 Ein ziemlich beissende Anspielung auf ein eben so ungerechtes als unkluges Unternehmen der Atener, welches noch in frischem Andenken war.
20. Brief.
92 In der Attischen Stadt Eleusis, wo Ceres den Triptolemos zuerst im Ackerbau unterrichtet hatte, wurde zum Andenken an diese für die fortschreitende Bildung so wichtige Begebenheit alle fünf Jahre ein fest welches mit besonderen Mysterien verbunden war. Zu den Feierlichkeiten dieses neun Tage dauernden Festes gehörte auch eine Procession, welche dn heiligen Korb (Kalatus) nach dem Tempel führte. Erlesene Jungfrauen, in Körbchen auf dem haupt die Heiligtümer tragend, folgten. sie hiessen davon Kanephoren oder Korbträgerinnen. 93 Wenn es Grund hätte, dass eine Venus des Skopas den Beinamen Potos (Begierde, sehnsucht) geführt hätte, wie Caylus in seiner Abhandlung de la sculpture et des sculpteurs anciens selon Pline sagt, so könnte man glauben, dieser Scherz der schönen Lais hätte zu jenem Beinamen Anlass gegeben. Aber Aphrodite konnte ohne einen Barbarism, den die Griechische Sprache nicht erträgt, keinen männlichen Beinamen, wie πο ος ist, führen. Auch sagt Plinius nicht, dass die Venus des Skopas Potos geheissen habe; er nennt bloss, indem er eine ziemliche Anzahl der vorzüglichsten Werke dieses Künstlers aufzählt, eine Venus, einen Potos und einen Phaëton, vor allen übrigen: is (Scopas) fecit Venerem et Poton et Phaëtontem, qui Samotraciae sanctissimis ceremoniis coluntur. (H.N. XXXVI. 5.) Wie dieser Potos aber eigentlich gebildet gewesen, und vornehmlich wie er nebst dem Phaëton zu der Ehre gekommen, die ihm auf jener durch die Kabirischen oder Orhochheiligen Ceremonien erzeigt worden sein soll, gehört (meines Wissens) unter die noch unaufgelösten antiquarischen Probleme. In den alten Genealogien der Götter und Götterkinder findet sich kein Potos; dem Homer ist er, als ein dämonisches Wesen, eben so unbekannt wie Eros; und wenn Plato in seinem (von wenigen recht verstandenen) Kratylus, den Sokrates einen spitzfindigen Unterschied zwischen Himeros, Potos und Eros machen lässt, so spricht er von ihnen nicht als von Dämonen oder Genien, sondern betrachtet sie bloss als eine dreifache Modification des Θυμος, d.i. der leidenschaftlichen Bewegung des Gemüts zu einem begehrten Gegenstand: so dass Potos die Begierde nach einem abwesenden bezeichnet, Himeros und Eros hingegen sich auf ein gegenwärtiges Object beziehen, aber unter sich wieder darin verschieden sind, dass die Begier, womit Himeros die Seele wie durch einen heftigen Strom zu dem Begehrten hinreisst, sich aus ihm selbst ergiesst, da sie hingegen im Eros erst durch den Gegenstand entzündet wird und von aussenher durch die Augen in die Seele strömt (ε’σρεε εξω εν, και ουκ ο’κεια εστιν η ροη
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‘τη ’ ’ ’ ~ ’ αυ τω εχοντι, αλλ’ επεισακτος δια των ομματων.) So viel scheint indessen gewiss, dass der Potos des Skopas eine allegorische person, vermutlich ein vom Eros und Himeros hinlänglich unterschiedener und die sehnsucht nach einem abwesenden Geliebten symbolisierender Genius gewesen sein müsse. Vielleicht war Skopas der erste Künstler, der diese Personification unternahm; wenigstens scheint er sich darin gefallen zu haben, da, nach dem Berichte des Pausanias (Libr. 1. c. 43. §. 7. pag. 167. edit. Facii), auch in einem Tempel der Venus zu Megara neben den Bildsäulen des Eros und Himeros, auch eine des Potos zu sehen war. W. 94 Eine Silbermünze, an Wert ungefähr einem Kopfstücke von 20 Kr. gleich, deren hundert eine Mine ausmachten. 95 Einige Leser werden sich vielleicht bei dieser Stelle des
Non cuivis homini contingit adire Corintum
aus Horazens Epistel an Scäva, und des
Ad cujus jacuit Graecia tota fores
des Properz (L. II. El. 6.) erinnern. Aristipp konnte sie freilich nicht im Sinne gehabt haben; aber das erste ist auch bloss die Uebersetzung des Griechischen
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Sprüchworts, ου παντος ανδρος ε’ς Κοριν ον εστιν ο
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πλο~ς, welches älter als Lais und Aristipp war; und
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das andere könnte, möglicher Weise, für eine Anspielung des sehr belesenen Römischen Dichters auf diesen Scherz des Aristipp gehalten werden