1800_Wieland_111_118.txt

Angeführte s. Xenoph. Memor. Socr. 1, 1. 2, 6. 4, 3. 7.

11. Brief.

70 (Das Königtum, oder die höchste Staatsgewalt, personificirt) – Die Basileia, auf welche Aristipp anspielt, ist nicht die (angeblich historische) Tochter des Uranos und der Titäa, deren alberne Legende Diodorus Siculus im 3ten buch seiner Universalgeschichte erzählt; sondern die Basileia, die in den Vögeln des Aristophanes, kraft eines zwischen den Vögeln und Göttern geschlossenen Friedens, mit dem Peistetäros vermählt wird, um ihm die Oberherrschaft über die Welt durch diese Verbindung zu versichern. W. 71 T y r a n n , – im Griechischen Sinn ist Alleinherrscher, welcher die Regierung sich angemasst hat, Usurpator; er kann dabei der mildeste und gerechteste Regent sein, ist es aber nicht verfassungsmässig.

12. Brief.

72 Einer der sieben Weisen Griechenlands, hatte den Denkspruch: ich trage all das Meinige bei mirnämlich seine Weisheit.

13. Brief.

73 (Stadion) – Das gewöhnliche Mass der Ortsentfernung, dessen sich die Griechen bedienten. Nach der Berechnung des Abbé Bartélemy beträgt ein Stadium ein Achtel einer Römischen Meile, oder 941/2 Französische Toisen; also 5000 Stadien gerade 189 Französische Meilen, zu 2500 Toisen. W. 74 fest des Poseidon oder Neptuns. W. 75 Was von wahrer geschichte derselben noch auszumitteln war, findet man zusammengestellt von Fr. Jacobs in seinen Beiträgen zur geschichte des weiblichen Geschlechts. S. Wielands Attisches Museum Bd. 3. S. 173 fgg., und über ihr verhältnis zu Aristipp insbesondere S. 233. fg. 76 Eine Tochter des Priamos, besass die Gabe der Wrissagung. 77 I y n x (der Vögel Wendehals) – Ein bei den Alten berüchtigtes Zaubermittel, dessen sich die vorgeblichen Zauberkünstler, Tessalischen Hexen und ihresgleichen bedienten, um durch magische Gewalt verschmähten Liebhabern Gegenliebe zu verschaffen. (S. Teokrits Pharmaceutria, wo der Iynx gleichsam die Hauptrolle spielt.) In metaphorischem Sinn ist also dieses Wort mit Liebreiz, insofern er etwas zauberisch Anziehendes ist, einerlei. W. 78 Eine Talismanische Pflanze von Homers Erfindung (Odyss. X.), welche Ulysses vom Mercur als ein Gegenmittel gegen die Bezauberungen der schönen Circe erhielt. W. 79 Mit dem Namen des grossen Königs bezeichneten die Griechen den König von Persien, als den damals mächtigsten Monarchen.

14. Brief.

80 Diese von dem Sophisten Prodikus herrührende allegorische Erzählung ist hinlänglich bekannt, und es bedarf daher hier nur der Bemerkung, dass Sokrates dieselbe mitgeteilt hat in einem Gespräch, das er mit Aristipp hielt, in Xenophons Denkwürdigkeiten des Sokrates das erste im zweiten Buch. Eine Uebersetzung desselben hat auch Wieland im dritten Band des Attischen Museums S. 124 geliefert, und man darf, zur Würdigung Aristipps, die von Wieland beigefügten Anmerkungen nicht übersehen, besonders nicht die erste über das verhältnis zwischen Xenophon und Aristipp. 81 Kluge Mässigung. 82 Hippolytus, einigen unsrer Leser aus dem Euripides, andern aus der Phèdre des J. Racine oder aus seinem Nachbilde Silvio im Pastor Fido des Guarini bekannt. W. 83 Das Frauengemach, der Harem bei den Türken, Persern, u.s.w. W. 84 Eine Hetäre, die zuletzt mit einem Tessalischen Könige vermählt wurde. 85 Die Erzählung, welche Aristipp seiner Freundin von dem Besuch des Sokrates bei der schönen Teodota macht, stimmt in allem Wesentlichen genau mit der Xenophontischen im eilften Kapitel des dritten buches der Memorabilien überein; wenigstens ist der Unterschied nicht grösser als er gewöhnlich zu sein pflegt, wenn ebendieselbe Begebenheit von zwei verschiedenen Augenzeugen erzählt wird. W.

15. Brief.

86 über das Zeitalter dieses, nächst Praxiteles berühmtesten, Marmorbildners sind die Altertumsforscher durch Plinius sehr in Verlegenheit gesetzt worden, indem dieser ihn bei der 87sten und bei der 107ten Olympiade namhaft macht. Die Stelle bei Plifür fehlerhaft erklärt, und so konnte Wieland den Skopas, dessen Blüte gegen Ol. 100 fällt, hier wohl als einen jungen Künstler einführen. Seine Hauptwerke führt Plinius an 36, 4, 7, und die von Wieland angeführten dürften wohl in etwas spätere Zeit zu setzen sein. Böttiger (s. dessen Andeutungen S. 155 fgg.) sagt: in den Figuren des Cupido und dem Genius der Zärtlichkeit und der schmachtenden sehnsucht (Eros, Himeros, Potos), die Pausanias noch in Megara sah, wurde er Schöpfer mehrerer allegorischer Wesen, die man später unter den Amorinen- und Psyche-Spielen nicht immer genau genug unterschieden oder wohl gar mit Eros und Anteros (Liebe und Gegenliebe) verwechselt hat.

16. Brief.

87 Offenbar will Wieland durch diese beiden Worte einen Gegensatz andeuten, und man könnte glauben, dass er an Moritz gedacht habe, wenn er die von demselben angegebene Rection befolgt hätte, nämlich: es dünkt mich, und es däucht mir. Dünken, sagt er, ist etwas, das sich mehr in uns selbst und aus dem vorhergehenden Zustande unserer Seele entwickelt; es bezeichnet eine dunkle Erinnerung oder ein dunkles unwillkürliches Urteil, dessen wir uns selbst noch nicht Urteil, sondern es ist beinahe als ob es sich selbst fällte, und wir uns leidend dabei verhielten. Däuchten hingegen ist etwas, das erst von aussenher durch einen sinnlichen Gegenstand in unsrer Seele erweckt wird. S. deutsche Sprachlehre in Briefen, 4te Aufl. S. 200 fg.

17. Brief.

88 In dem bei Br. 14