Sokrates selbst über seine Silenenmässige Gestalt zu scherzen, und es wäre lächerlich, ihn (wie einige getan haben) der Schönheit seiner Seele zu Ehren, und dem zeugnis seiner vertrautesten Freunde zu Trotz, zu einem Adonis machen zu wollen. Ich zweifle daher nicht, dass Epiktet, wenn er ihm σωμα επιχαρι και ηδυ zuschreibt (S. Arriani Diss.
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Ep. IV. 11.), nicht mehr damit habe sagen wollen, als was Aristipp hier nur ausführlicher und bestimmter (wie einem Augenzeugen zukommt) ausgedrückt zu haben scheint. W. 45 S. in einem der folgenden Bände Wielands Aufsatz über Atens Verfassung. 46 drei Obolen, etwa drei Kreuzer, erhielt seit Perikles jeder Bürger, der an den Volksversammlungen teil nahm. 47 Καλοκαγα οι – Was man damals zu Aten einen
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Kalokagatos nannte, war mit dem, was die Engländer a Gentleman, und die Franzosen un galantomme nennen, ziemlich gleichbedeutend. Oefters bezeichnet es auch so viel als eine person von vornehmer Geburt und Erziehung. In der moralischen Bedeutung, da es so viel als schöngut, oder gutedel heisst, scheint es vom Sokrates zuerst genommen worden zu 48 Ein Beiname der Atener, von Cekrops, dem ersten Stifter der Stadt Aten, welche anfangs nach ihm Cekropia genannt wurde. W. 49 Gastmahle. Die Sokratischen kennt man aus zwei Schriften Platons und Xenophons unter diesem Titel.
7. Brief.
50 S o p h i s t , entspricht in seiner ersten Bedeutung dem, was wir einen Virtuosen nennen. Seitdem in des Sokrates frühesten Lebensjahren zuerst Zenon aus Citium, ein Philosoph aus der Eleatischen Schule in Unter-Italien, nach Aten kam, um, für gute Zahlung, die Teile der Philosophie zu lehren, die hauptsächlich mit der Rednerkunst in Verbindung stehen (Dialektik), nannten er und seine Nachfolger sich Sophisten, welcher Name erst verrufen wurde durch der spätern prahlerisches Scheinwissen und unredliche Verdrehungskünste, die hauptsächlicg Sokrates und seine Schule aufzudecken beflissen waren. Sokrates setzte daher auch den Namen der Philosophie (Liebe der Weisheit) als einen bescheidneren dem der Sophistik entgegen. Bei Pytagoras, der sich des Namens der Philosophie zuerst bediente, hatte sie noch die Sokratische Bedeutung nicht. 51 Was Aristipp hier sagt, wird durch eine bekannte Stelle im Teätetus des Plato bestätigt. 52 Der gerechte und ungerechte Vortrag. Man sehe darüber Wieland im Attischen Museum Bd. 2 Hft. 3. S. 98 fgg., wo er den Scholiasten dahin erklärt, dass Aristophanes die beiden Kämpfer in besiederten Masken, die ihnen auch das äussere Ansehen von Streitähnen gaben, habe auftreten lassen. 53 Die ehrwürdigen Chariten (Holden), jedes Werk im Himmel ordnend. 54 A n a x a g o r a s , kann als der letzte Philosoph aus der sogenannten Ionischen Schule betrachtet werden. Die zu ihr gehörigen Philosophen nannte man Physiker (Naturphilosophen) und ihre Philosophie auch die physische, weil sie hauptsächlich darauf ausging, Ursprung und Wesen der natur zu erklären. Anaxagoras und der Sophist Zenon brachten zu gleicher Zeit, jener die Ionische, dieser die Italische Philosophie nach Aten, wo, besonders durch Sokrates und seine Schüler, aus beiden die neue Attische sich bildete. Wenn hier dem Anaxagoras vorgeworfen wird, dass er das Studium der natur auf einem falschen Wege gesucht habe, so ist diess nur zum teil wahr, und Sokrates verdankte zuverlässig sowohl seinen physikoteologischen Beweis für die Weisheit trachtung der natur dem Anaxagoras, der unter den Griechen zuerst die Einheit Gottes als einer von der Welt verschiedenen höchsten Intelligenz lehrte. 55 Volksleitung.
8. Brief.
56 Fortleitung, nennt man diejenige Lehr- oder Beweisart, welche von einem Einzelnen ausgeht und so viel Gleiches nach einander hinzubringt, dass daraus das ihnen gemeinsame Allgemeine gefolgert werden kann. – Neben der Induction bediente sich Sokrates aber auch der Analogie, zufolge welcher aus der Gleichheit in Mehrerem auf Gleichheit des Ganzen geschlossen wird.
Sehr treffend unterscheidet Wieland hier des Sokrates Lehrmetode von seiner Streitmetode, der Ironie, die man mit einander so sehr verwechselt hatte, dass wenig fehlte, man hätte allen Katecheten Ironie zugemutet. Vielleicht hat man's gar getan.
Nur in dem, was Wieland hier von der Sokratischen Seelen-Entbindungskunst (Mäeutik) sagt, scheint er mir nicht erschöpfend: es ist jedoch hier der Ort nicht, das Gesagte zu berichtigen. Darum genüge die Bemerkung, dass diese zusammenhängt mit seinem Glauben an Präexistenz der Seelen und mit dem Satze, dass unser Erlernen ein Wiedererinnern sei. Bei der Untersuchung wird man von dem Satze ausgehen müssen, dass sich auch eine Seele nur von dem entbinden lässt, was sie in sich wirklich von natur hat. Die Mäeutik kann sich daher nur auf matematische und philosophische Erkenntnisse, nicht aber auf empirische und historische Kenntnisse beziehen, woraus von selbst folgt, dass man mit Induction und Fragkunst (Erotematik) dabei nicht auskommt. 57 Dieses Gespräch zwischen Sokrates und Eutydemus ist von Wort zu Wort das nehmliche, welches im sechsten Abschnitt des vierten buches der Sokratischen Denkwürdigkeiten zu lesen ist. Aristipp sowohl als Xenophon erzählen es, als ob sie dabei zugegen gewesen, welches sehr wohl Statt haben konnte, da Xenophon sich nicht eher als im vierten Jahre der vierundneunzigsten Olympiade von Aten entfernte, um unter den Griechischen Hülfstruppen, welche der jüngere Cyrus zum Behuf seiner Unternehmung gegen den König seinen Bruder angeworben hatte, Dienste zu nehmen. Xenophon und Aristipp konnten sich also etliche Jahre lang öfters in Gesellschaft des