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christlichen Zeitrechnung gelebt haben soll) oder, genauer zu reden, seinen Sohn Hellen (von welchem sie ihren allgemeinen Namen führten) für ihren gemeinsamen Stammvater. Hellens Söhne, Dorus und Aeolus, und Ion, sein Enkel, gaben ihren Namen den drei Hauptästen in welche die ältesten Hellenen sich teilten, und deren jeder in der Folge sich wieder in mancherlei Zweige verbreitete. Dorus bemächtigte sich (alten Sagen nach) der am fuss des Parnassus liegenden kleinen Landschaft Doris; Aeolus und seine Nachkommen liessen sich in Elis, Arkadien und andern Gegenden der Halbinsel, die in der Folge den Namen Peloponnesus bekam, nieder; und nach Ion führten die Bewohner von Attika den Namen Ionier, der sich nach Verlauf mehrerer Jahrhunderte in den berühmtern der Atenäer (oder Atener) verlor. Diese drei Hellenischen Stämme gaben, als sie sich in der Folge auch an der westlichen Küste von Asien anbaueten, den Provinzen Aeolis, Ionia und Doris, so wie den drei Hauptdialekten der Griechischen Sprache, ihren Namen. Das Gewisseste von allem diesem ist, dass in den zeiten, wo die geschichte der Griechen aufhört ein verworrenes und undurchdringliches Gestrüppe von Mährchen und widersprechenden volkes- und Stammsagen zu sein, die ganze Hellas teils aus Dorischen teils aus Ionischen Völkern und Städten bestand; dass unter jenen Lacedämon, unter diesen Aten als die ersten an Macht und Ansehen, gewöhnlich diejenigen waren, an welche sich die übrigen, freiwillig oder gezwungen, anschlossen; und dass zwischen diesen beiden Hauptstämmen von jeher in Naturanlagen, kultur, Mundart, Sitten und politischer Verfassung eine so auffallende Ungleichheit und eine so entschiedene Antipatie geherrscht hatte, dass sie höchst wahrscheinlicher Weise, ohne die wohltätige Gegenwirkung der ihnen eigenen National-Institute, einander selbst lange vorher aufgerieben haben würden, ehe sie die hohe Stufe von kultur erreicht hätten, wodurch sie, sogar nachdem sie selbst eine Nation zu sein aufgehört haben, die Gesetzgeber, Lehrer und Bildner aller übrigen geworden sind. W. 33 Ehärephon war ein vertrauter Freund des Sokrates. Dass er das Orakel Apollons zu Delphi wegen des Sokrates Weisheit befragte, berichten Platon und Xenophon in ihren Verteidigungsschriften des Sokrates. In dem gegebenen Orakel hätte wohl durch die Pytiadie das Orakel aussprechende PriesterinEhärgativ und vergleichungsweise gesprochen wie bei Platon und Xenophon, so war sie vollkommen sicher, niemals der Bestechlichkeit beschuldigt werden zu können. Und mir ist glaublicher, dass sie ihr Orakel eben so, wie jene sagen, und nicht wie es anderwärts angeführt wird, ausgesprochen habe. 34 Diesen Sohn von des Sokrates altem Freunde Kriton lernt man am besten aus Xenophons Gastmahl kennen. 35 Der in jüngeren Jahren des Sokrates Umgang gesucht hatte, wurde nachher ausschweifend, und hatte mit Alcibiades nur das gleiche Streben und die schlimmen Eigenschaften, nicht aber die guten gemein. Mit hoher Einbildung auf Abkunft, Reichtum und Macht verband er Habsucht und Grausamkeit, die er als einer der von dem Spartanischen Feldherrn Lysander aufgedrungenen Dreissig-Männer so sehr bewies, dass es zwischen ihm und Sokrates zum offenen Bruche kam. 36 Die Einwohner dieser, zu der Gruppe der Eikladen im Aegeischen Meere gehörigen, Insel hatten mit den Atenern gerechten Krieg. Als sie sich endlich ergeben mussten, hieben die Atener fast alle junge Mannschaft nieder und verkauften Weiber und Kinder. Tuc. 5, 116. 37 Burg, Citadelle.

5. Brief.

38 Die Rennbahn, wo öffentliches Pferd- und Wagenrennen gehalten wurde. W. 39 Oeffentliche Plätze zu Leibesübungen, im Ringen, Werfen u.s.w. 40 Beschreibung – d e s J u p i t e r v o n P h i d i a s – Mit dem, was Wieland hierüber sagt, hat der, welcher die genaueste Belehrung wünscht, zu vergleichen die beiden Schriften über den Tempel und die Bildsäule des Jupiters zu Olympia, von Völkel (Leipz. 1794) u. Siebenkees (Nürnb. 1795), dann aber vorzüglich Böttiger in den Andeutungen S. 93. fgg., und noch weit mehr in der Kunst-Mytologie S. 52. fgg. Wir werden noch einmal darauf zurückkommen bei Wielands Abhandlung über die Ideale der Alten. 41 Der WolkensammelndeBeiwort des Zeus bei Hommer. 42 Anspielung auf eine allgemein bekannte Stelle im ersten buch der Ilias, und auf die Sage, dass diese Stelle durch eine plötzliche Begeisterung das Ideal erschen Jupiter gearbeitet habe.

6. Brief.

43 (Gähnaffen, Maulaufsperrer). – Voss übersetzt: GaffenerEin Spottname, welchen Aristophanes den Atenern gibt, um die sinn: und zwecklose Neugier, Leichtgläubigkeit und Unbesonnenheit, die zu den Hauptzügen ihres Volkscharakters gehörten, mit einem angemess'nen Worte (das von dem dummen Schnabelaufsperren der Gänse und der jungen Vögel, wenn sie von den Alten geätzt werden, hergenommen ist) zu bezeichnen. W. 44 Alles, was Aristipp in dieser und andern Stellen seiner Briefe von dem Aeusserlichen des Sokrates sagt, stimmt sowohl mit der idee, die man sich aus verschiedenen Stellen im Xenophon und Plato von ihm machen muss, als mit den schönsten Sokratesköpfen auf antiken Gemmen sehr genau überein; auch scheinen seine Bemerkungen über die Physiognomie und überhaupt über das Eigene und Charakteristische an der Aussenseite desselben einen hinlänglichen Grund zu entalten, warum er die bekannte, dem Cicero und Alexander von Aphrodisias so oft nachgebetete Anekdote von dem, was dem Sokrates mit dem Physiognomen Zopyrus begegnet sein soll, wofern sie ihm auch bekannt war, keiner Erwähnung würdigt. Uebrigens pflegte