nach dem Essig- und Ölgestelle fassete und so viel zugoss, als ihre Übung (und der verzifferte Rat des Lektors; wenigstens scheint mir es so) gebot. – – Beim Himmel! das Machen ist hier der Salat; und der eitle Minister, der sich nicht auf Gemälde verstand, hatte viel Einsichten in Dingen, die zu Gemälden taugten.
Die Mutter schien kaum auf die Blätter-Mengerei hinzusehen.
– – Dem Grafen schien heute die Ministerin nur Welt und keine fromme Strenge zu haben; aber er kannte noch nicht genug jene hellen Weiber, die Feinheit ohne Witz, Empfindung ohne Feuer, klarheit ohne Kälte haben; die von den Schnecken die Fühlhörner, die Weichheit, die Kälte und den stummen gang entlehnen und die mehr Vertrauen verdienen und fordern als erhalten.
Nun trat Zefisio als ein Engel unter drei Menschen im feurigen Ofen ein, aber als ein schwarzer. Dem Grafen war dessen Nahesitzen und jedes Wort zu ihr ohnehin eine Kreuzigung – nur von ihr zu ihm mit dem Blicke zu gehen war schon ein Jammer, wenig verschieden von dem, den ich haben würde, wenn ich in Dresden einen Tag im Antiken-Olymp der alten Götter zubrächte und dann bei dem Herausgehen in ein Refektorium voll geschwollner Mönche oder in ein Naturalienkabinett voll ausgestopfter Malefikanten-Bälge und einmarinierter Fötus-Kanker geriete. – Indes wurde er doch dadurch beruhigt – nach meiner Meinung nur getäuscht –, dass der deutsche Herr nicht neben ihr lyrisch loderte, noch im Himmel oder ausser sich war, sondern bei sich und ganz gesetzt und sehr artig. Auf keine Tauben, Graf, – frage die Landwirte – schiessen die Habichte öfter nieder als auf glänzend-weisse! –
Der deutsche Herr brachte jetzt eine Tabatiere hervor mit einem niedlichen Gemälde von Lilar und fragte Lianen, wie es ihr gefalle; ihm gefalle daran das Sentimentalische vorzüglich.
Der Lektor erschrak, bog sich dem Dosenstücke entgegen und jagte einige Urteile voraus, die die Halbblinde in den ihrigen führen sollten; aber nachdem sie damit ein paarmal schief gegen die Lichter und nahe vor ihren Augen vorbeigefahren war, konnte sie selber das eigne fällen, dass das von der halbuntergesunkenen Sonne angestrahlte Kind, das unter dem Triumphbogen eine Blumenkette in die Höhe zieht, nach ihrem Gefühle "so gar lieblich" sei. Hier kam – und ich habe denselben Fall an einer halbblinden Frau von mächtiger Phantasie und offnem Kunstsinne bemerkt – die Anstrengung und der Kunstsinn oder das geistige Auge dem leiblichen auf halbem Wege entgegen. Die Dose wurde wie ihr Tabak weiterpräsentiert und stieg hinab zum Kunstrat Fraischdörfer – dem jetzt die Kunstliebe des neuen Fürsten und die Kunstgelehrsamkeit des Günstlings neue Kronen aufsetzten –; er rügte nichts als das Blütenweiss: "Der Frühling" (sagt' er) "ist wegen seines verdrüsslichen Weisses ein leeres Monochroma; ich habe Lilar nur im Herbste besucht." – "Wir können ja den Nachtigallengesang auch nicht malen, und hören ihn doch", sagte Liane heiter; er war ihr Lehrer und jetzt in der malerischen Technologie sogar ihres Vaters seiner. Über allen ihren Kenntnissen und inneren Früchten und Blüten war die Rose des Schweigens gemalt; daran hatte sie der gebieterische Vater überhaupt gewöhnt, und vor Männern besonders; in welchen sie immer kopierte Väter furchtsam ehrte. –
Als die Landschaft zu Albano kam und er jene Frühlingsnacht verkleinert vor sich hielt, wo ihm Lilar und der edle Greis so zaubernd erschienen – und da er berührte, was die liebe Seele angerührt – und da in der seinigen alle Wohllaute zitterten: so griff wieder der Teufel einen dissonierenden Septimenakkord:
"Der Fürst, gnädiger Herr," (sagte der Minister zum deutschen Herrn) "wurde gestern heimlich beigesetzt; schon in acht Tagen haben wir das öffentliche Begräbnis. Wir müssen eilen, weil die Suspension der Hoftrauer so lange dauert, bis die Huldigung am Himmelfahrtstage vorüber ist." Ich bin zu feurig, mich über den ewigen Zeremonienmeister Froulay auszulassen, der auf der Sonne Laternensteuer eingetrieben hätte und Brückenzoll vor Parks- und Eselsbrücken; aber Albano, von so vielen inneren Seiten- und Streiflichtern geblendet – erinnert an Lianens Trauer über den alten Mann, an seinen Geburtstag, an das Herz ohne Brust und an den Wahnsinn der Welt –, war nicht imstande, so sehr er sich vorgesetzt, in Sanftmut und Lammskleidern vor Froulay zu erscheinen, letztere anzubehalten: sondern er musste (und lauter, als er meinte) gegen seinen Gegennachbar, den Kirchenrat Schäpe, mit zu grosser Jugend-Ergrimmung (die durch das nach der Bruderstimme sehnsüchtige Zuhören Lianens nicht kleiner wurde) sich erklären gegen viel – gegen das ewige tote Vexierleben der Menschen – gegen den zeremoniellen Hohn einer entseelten Gestalt – gegen dieses Darben an Liebe bloss aus Vorspiegeln derselben – – ach sein ganzes Herz brannt' auf seiner Lippe....
Der redliche Schäpe, den ich oben einen Halunken genannt, trat ihm mit mehreren Mienen bei. – Aber ich gar nicht; Freund Albano! du musst erst noch lernen, dass die Menschen in Rücksicht der Zeremonien, Moden und gesetz, gleich einem Zug Schafe, insgesamt, wofern man nur den Leitammel über einen Stecken setzen lassen, an der Stelle des Stabes, den man nicht mehr hinhält, noch aus Vorsicht aufspringen; – und die meisten und höchsten Sprünge im staat tun wir ohne den Stecken. Aber ein Jüngling wäre mittelmässig, der das bürgerliche Leben sehr zeitig lieb hätte; so gewiss auch er und wir alle über die Fehler eines