Konstitution in einen patriotischen Harnisch kam? "Herr," (sagt' er aufgebracht) "wenn es auch wo haperte: so muss ein redlicher Deutscher still dazu schweigen, wenn er nicht helfen kann, zumal in so verfluchten zeiten."
Das Schönste war, dass auf Luigis Begehr zugleich der Baumeister abzureisen hatte, um aus Rom Abgüsse der Antiken zu holen.
– Und nun zieht fort, damit ihr wiederkommt und wir endlich einmal einlaufen in Pestitz! – Freilich wirst du, gutes Kind (Waldbiene sollt' ich sagen), deinen Abflug aus dem ländlichen Honigbaume in den städtischen gläsernen Bienenstand mit tiefern Schmerzen halten, als du vorausgesetzt – reiset nicht sogar der alte Pflegevater ohne Abschied fort, um nur dem deinigen zu entfliehen – und deiner guten Mutter ist, als reisse eine zornige Parze ihr einen Sohn von der Brust, als lange sein zartes, nur aus der kindlichen Gewohnheit gesponnenes liebes-Band nicht hinein in die weite Zukunft – und deine Schwester sperret sich in die Mansardenstube ein mit ihrem ländlichen, von Feuerfoltern tobenden Herzen und kann dir nichts sagen und nichts geben als eine von ihr bisher heimlich gestickte Brieftasche mit der seidnen Umschrift: Gedenke unserer! – und selber auf deinen lorbeersüchtigen Kopf wird der Triumph- oder Regenbogen des Abschiedes, wenn du unter ihm durchschreitest, schwere, schwere Tropfen werfen (ach an den nachblickenden Augen werden sie länger hängen bleiben) – dein alter redlicher Lehrer Wehmeier wird an dir den letzten Strom seiner Worte und Tränen vergiessen und sagen (und dein weiches Herz wird nicht lächeln): "er sei ein alter abgeschabter Kerl und habe nun nichts vor sich als das Loch (das Grab) – du hingegen seiest ein frischer blutjunger Mann, voll Sprachen und Altertümer und herrlicher Talente von Gott – freilich werde' er es nicht erbeben, dass aus dir ein berühmter Mann werde, aber seine Kinder wohl; und dieser Würmer sollest du dich einmal annehmen, junger Herr!"
– Du reine Seele, an jedem bekannten haus, an jedem teuren Garten und Tale wird ja der Schmerz sein Einlegemesser schleifen und damit in dein glühendes zartes Herz leise-quellende Wunden ritzen – wie? sogar von deinen befreundeten Abend- und Morgen-Höhen (den Sprachgittern deiner heiligsten Hoffnungen) und von Lianen selber wirst du zu entweichen glauben. –
Aber wirf deine weinenden Augen in das offne blaue Italien und trockne sie an Frühlingslüften – das Leben hebt an – die Signale zu den Waffenübungen und Lusttreffen der rüstigen Jugend werden gegeben – und mitten in den olympischen Kampfspielen wirst du herrlich von nahen Konzert- und Tanzsälen umschmettert.
Was phantasier' ich da her? – Wie, ist es nicht uns allen mehr als zu wohl bekannt, dass er längst fort ist schon seit der ersten Jobelperiode, ja sogar wieder retour, und er hält schon seit der zweiten – jetzt zählen wir die vierte – mit dem Bibliotekar und dem Lektor zu Pferde vor Pestitz und kann nicht hinein wegen der Torsperre der –
Fünften Jobelperiode
Prunkeinzug – Doktor Sphex – der trommelnde
Kadaver – Retrogradation des Sterbetags – der Brief
des Ritters – Julienne – der stille Karfreitag des
Alters – der gesunde und verschämte Erbprinz –
Roquairol – das Erblinden – Sphexens Liebhaberei
für Tränen – das fatale Gastgebot – das doloroso der
Liebe
28. Zykel
Über den Gabelweg, dessen rechte Zinke nach Lilar geht, spornte Albano sein Pferd bange hinüber und flog den Berg hinauf, bis die helle Stadt wie eine erleuchtete Peterskuppel lang und breit in der Frühlingsnacht seiner Phantasien brannte. Sie legte wie ein Riese den Oberleib (die Bergstadt genannt) auf die Anhöhe und streckte die andre Hälfte (die Talstadt) in das Tal. Es war Mittag und keine Wolke am Himmel; in der Mittagszeit steht eine Stadt mit voller blanker Scheibe da, indes ein Dörfchen erst abends aus dem ersten Viertel ins Vollicht tritt. Sie war gut fortifiziert, nicht von Rimpler oder Vauban, sondern von einem wachsenden Pfahlwerke aus Linden. Oben leuchtete unserm Alban die lange Wand der Paläste der Bergstadt entgegen, und die Statuen auf ihren welschen Dächern richteten sich wie Wegweiser und Ausrufer der Freude gegen ihn – über alle Paläste zog sich das eiserne Gebälke der Ableiter als ein Trongerüst des Donners mit goldenen Zepterspitzen – seitwärts hinab lagerte sich die Talstadt neben den Fluss zwischen Alleenschatten, mit den bunten Fassaden gegen die Gassen und mit dem weissen rücken gegen die natur gewandt – die Zimmerleute klopften wie Hammerwerke auf dem Anger unter abgeschälten Stämmen, und die Kinder klatschten mit den Rinden – die Tuchmacher spannten grüne Tücher wie Vogelwände gegen die Sonne aus – aus der Ferne zogen weissbedeckte Fuhrmannswagen die Landstrasse daher, und an den Seiten des Weges graseten geschorne Schafe unter dem warmen Schatten der fetten hellen Lindenknospen und über alle diese massen schwebte das Mittagsgeläute aus den lieben vertrauten Türmen (diesen Resten und Leuchttürmen aus seiner dunklern Zeit) gleichsam verknüpfend und beseelend und rief die Menschen freundlich zusammen.- –
Betrachtet das erhitzte Gesicht meines Helden, der endlich in die offnen, aus Sonnentempeln gebaueten Gassen einreitet, wo ja vor jedem langen Fenster, auf jedem Balkon Liane stehen kann – wo sich die lügnerischen oder prophetischen Rätsel von Isola bella entwickeln müssen – wo sich alle Hausgötter und Hausparzen seiner nächsten Zukunft verstecken – wo nun der Montblanc des Hofes und die Alpen des Parnasses, die er beide zu besteigen hat, dicht mit ihrem fuss an ihm liegen. – – Mich hätt' es in etwas beklommen; aber im Jünglinge, zumal vor dem Kronleuchter der