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schönbestandne Klingen- und Ankerprobe des Pflegesohns und die allgemeine Redlichkeit dieses bekehrten Weltteils der grossen Welt nachfreuete, weil der Mann es nie behielt, dass Fürsten und Minister, so wie sie in ihrer Garderobe Berghabite zum Einfahren haben, auch Direktoratsanzüge, Justiz-Wildschure, Konsistorial-Schafspelze und Weiber-Opern-Kleider in der Anziehstube führenvon allen diesen Menschen bis zum Direktor wuchs der frohe Nachklang, um in Zesara mit einerLärmkanone aufzuhören: sein Ehrgeiz trat unter Waffen sein Freiheitsbaum fuhr in Blüten ausdie Standarten seiner Jugend-Wünsche wurden eingeweihet und flatterten aufgewickelt im Himmelund auf den Myrtenkranz deckt' er einen schweren Helm mit einem glänzenden hoch-aufwallenden Federbusche.....

Der folgende Zykel ist bloss dazu gemacht, um anzugeben, wie man das zu nehmen habe.

25. Zykel

Auch meine Meinung ist es, dass das antiphonierende Doppelchor der beiden Erziehungs-Kollegien, Wehmeier und Falterle, unsern Normann bisher so gut erzog, als zwei ähnliche Gymnasiarchen, die Gouvernante England und die Hausfranzösin Frankreich, die Kurrentschülerin Deutschland nach den besten Schulbüchern wirklich erzogen haben, so dass wir nun wieder unsers Orts imstande sind, Polacken zu schulen und solche mit dem Schulbakel aus dem Kateder unserer Fürstenschule herab so viel als nötig zu kantschuen. –

Aber jetzt war zu viel in Albano aufgewacht. Er fühlte überschwellende Kräfte, die keinen Lehrer fandensein in Italien herumstreifender Vater schien ihn zu versäumen- den Musensitz Pestitz (der noch dazu eine Muse mehr hatte) schien er ihm ungerecht zu versperrener wusste oft nicht zu bleibenPhantasie, Herz, Blut und Ehrliebe goren. In solchem Falle ist wie in jedem gärenden Fasse nichts gefährlicher als ein leerer Raum (es sei an Kenntnis oder Arbeit).

Dian füllte das Fass auf

Er kam in jeder Woche aus der Stadt, als hätt' er das Einhämmern der Kirche so gut nach Rissen zu ordnen als ihr Aufmauern. Ein Jüngling, der den ersten Griechen sieht, kanns anfangs gar nicht recht glauben, er hält ihn für klassisch-verklärt und für einen gedruckten Bogen aus dem Plutarch. Wenn ihm nun gar das Herz so brennt wie meinem, und wenn sein Grieche noch dazu ein spartischer Nachkömmling ist wie Dian, nämlich ein unbesiegter Mainotte, der im klassischen Doppelchore der ästetischen Singschule, in Atiniah (Aten) und Roma erzogen worden: so ist es natürlich, dass der begeisterte Jüngling jeden Tag in den Staub- und Moder-Wolken des fallenden Kirchengemäuers steht und darauf wartet, ob sein Heerführer hinter der Wolkensäule vortrete.

Dian begleitete den Geliebten auf seine Spaziergängelas oft halbe Nächte mit ihmund nahm ihn auf die architektonischen Landreisen mit, die er immer zu machen hatte. Er führte ihn mit begeisterter Ehrfurcht in die heilige Welt des Homers und des Sophokles ein; und ging mit ihm unter die höhern, ganz entwickelten, von einseitiger ständischer Kultur noch unverrenkten, schöngegliederten Menschen dieses Zwillings-Prometeus, die wie Salomo für alles Menschliche, für lachen, Weinen, Essen, Fürchten und Hoffen eine Zeit hatten und die bloss die rohe Grenzenlosigkeit flohen; die auf den Altären aller Götter opferten, aber auf dem der Nemesis zuerst. Und Diandessen innerer Mensch ein ganzer war, dem kein Glied ausgerissen ist, keines aufgeblasen und alle grossgewachsenging selber als ein solcher Sophokles-Homerischer Grieche mit dem Lieblinge um. Er machte ihmindes Wehmeier und die Pflegeeltern ihm überall mit einer Kanzel und einem Kirchenstuhle nachliefen, bei jedem heftigen Unwillen oder Wunsche oder jubel, den er zeigtemit schöner liberaler Freiheit Raum, sich breit und hoch zu entwickeln. Er ehrte am Jünglinge das St. Elmsoder Helenen-Feuer, wie am Greise das Eis; das Herz kräftiger Menschen, glaubt' er, müsse wie ein Porzellangefäss anfangs zu gross und zu weit gedrehet sein, im Brennofen der Welt laufen beide schon gehörig ein. Ebenso fordr' ich von einem Jünglinge erst Intoleranz, dann nach einigen Jahren Toleranz, jene als die steinige saure harte Frucht eines kräftigen jungen Herzens, diese als das weiche Lager-Obst eines ältern Kopfes.

Aber indem der Baumeister mit ihm zeichnete, mit ihm Abgüsse der Antiken und Kunstwerke anschauete: so machte er am schönsten vor diesen seine Liebe für das artistische Zeichen der Waage am Menschen, der sein eigenes Kunstwerk sein soll, und seine Abneigung vor jedem Paroxysmus offenbar, der die äussere Schönheit in Falten bricht wie die innere, und seinen Wunsch, seine Gestalt und sein Herz nach der hohen Stille auf den Antiken zu ordnen.

Der Baumeister bewahrte, wie oft der Künstler und öfter der Schweizer, europäische Kultur und ländliche Naivetät und Einfachheit nebeneinander, seiner geliebten Baukunst gleich, worin mehr als in den andern Künsten Schönheit und messende Vernunft zusammengrenzen; er liess daher zuerst Albano in den Hörsaal der Philosophie, aber im Freien aussen am Fenster stehend, hineinsehen und hineinhören. Er führte ihn nicht in den Steinbruch, vor die Kalkgrube und auf den Zimmerplatz der Metaphysik, sondern sogleich in das damit fertig gemachte schöne Betaus, sonst die natürliche Teologie genannt. Er liess ihn keine eiserne Schlusskette Ring nach Ring schmieden und löten, sondern er zeigte sie ihm als hinunterreichende Brunnenkette, woran die auf dem Boden sitzende Wahrheit herauf, oder als eine vom Himmel hängende Kette, woran von den Untergöttern (den Philosophen) Jupiter heruntergezogen werden soll. Kurz das Skelett und Muskeln-Präparat der Metaphysik versteckt' er in