es, wenn er erscheint. – O wo wohnest du, gute Liane? In jenem weissen Tempel? – Oder in der Laube zwischen den Rosenfeldern? – Oder drüben im grünen arkadischen Häuschen?" – Wenn die Liebe schon Schmerzen zu Freuden macht und den Schattenkegel der Erde zum Sternenkegel aufrichtet, o wie wird sie erst die Entzückung bezaubern! – Albano war in diesem äussern und inneren Glanze unvermögend, sich Lianen krank zu denken; er dachte sich jetzt bloss die selige Zukunft und kniete sehnsüchtig und umfassend an dem Altare nieder – er blickte nach dem glänzenden Garten und malte es sich, wie es wäre, wenn er einmal mit Ihr jede Insel dieses Edens beträte – wenn die heilige natur seine und Ihre hände auf diesen Altarstufen ineinanderlegte wenn er Ihr unterwegs das Hesperien des Lebens, das Hirtenland der ersten Liebe zeichnete und ihr frommes Jauchzen und ihr süsses Weinen und wenn er sich dann nicht umsehen könnte nach den Augen des weichsten Herzens, weil er schon wüsste, dass sie überfliessen vor Seligkeit. – Jetzt sah er im Mondscheine über die Triumphbogen zwei beleuchtete Gestalten wie Geister gehen; aber seine brennende Seele fuhr im Malen fort, und er dachte es sich, wie er vor ihr, wenn die Nachtigallen in diesem Eden schlagen, wahnsinnig-liebend sagen würde: "O Liane, ich trug dich früh in meinem Herzen – einstmals droben auf jenem Berge, als du krank warst." – –
Hier kam er erschrocken zu sich – er war ja auf dem Berge aber er hatte die Krankheit vergessen. – Nun legt' er kniend die arme um den kalten Stein und betete für die, die er so liebte, und die gewiss auch hier gebetet; und ihm sank weinend und verdunkelt das Haupt auf den Altar. Er hörte nähere Menschenschritte unten am Schneckenberge, und furchtsam-freudig dachte er daran, es könne sein Vater sein; aber er blieb kühn auf den Knien. – Endlich trat über den Blumenrand ein grosser gebückter Greis herein, ähnlich dem edlen Bischofe von Spangenberg, das ruhige Angesicht lächelte voll ewiger Liebe, und keine Schmerzen standen darauf, und keine schien es zu fürchten. Der Alte drückte dem Jünglinge stumm und erfreut die hände zum Fortbeten zusammen, kniete neben ihn hin, und jene Entzückung, zu welcher öfteres Beten verklärt, breitete den Heiligenschein über die Gestalt voll Jahre. – sonderbar war diese Vereinigung und dieses Schweigen. Die nur noch aus der Erde ragende Trümmer des Mondes brannte düsterer; endlich sank sie ein; da stand der Alte auf und tat mit der aus Gewohnheit der Andacht kommenden Leichtigkeit des Übergangs fragen über Albanos Namen und Ort; – nach der Antwort sagt' er bloss: "Bete unterwegs zu Gott dem Allgütigen, lieber Sohn, – und gehe schlafen, eh' das Gewitter kommt."
Nie kann diese stimme und Gestalt aus Albanos Herzen weggehen; die Seele des alten Mannes ragte, wie die Sonne bei der ringförmigen Finsternis, über den dunkeln Körper, der sie mit seiner Moder-Erde überdecken wollte, mit dem ganzen rand leuchtend hinaus. – Tief bis an die Nervenanfänge getroffen, stand Albano auf, und die breitern Blitze zeigten ihm jetzt drunten neben dem Zaubergarten einen zweiten, düstern, verwickelten, schrecklichen, gleichsam den Tartarus des Elysiums. – Er schied mit seltsamen gegeneinandergehenden Gefühlen – die Zukunft und die Menschen darin schienen ihm unterwegs ganz nahe zu stehen und hinter dem durchsichtigen Vorhange schon als Teaterlichter hin- und herzulaufen – und er sehnte sich nach einer schwerern Tat, als nach der Erquikkung dieses entzündeten Herzens; aber er musste das innere Steppenfeuer auf das Kopfküssen betten; und in sein Einträumen mischte sich der hohe Donner wie ein Gott der Nacht mit den ersten Schlägen.
24. Zykel
Der alte unbekannte Mann blieb viele Tage lang in Albanos Seele o stehen und wollte nicht weichen. Überhaupt war jetzt dem Bette seines Lebens eine Krümmung nötig, die den Zug des Stromes brach. Menschen wie ihn kann das Schicksal nur durch den Wechsel der Lagen bilden, so wie Schwache nur durch den Bestand derselben. Denn ging es länger so fort und kam der Kronleuchter in seinem Tempel durch innere Erdstösse in immer grössere Schwankungen: so konnte' am Ende keine Kerze mehr darauf fortbrennen. Welche Reichstags-Beschwerden führen nicht schon Wehrfritz und Hafenreffer verbunden darüber, dass der Schiffspatron Blanchard in Blumenbühl mit seinen ärostatischen Seifenblasen aufstieg und dass Zesara beinahe durch den ganzen Despotismus des Direktors kaum von dem Einschiffen abzuhalten war! Und wie göttlich stellt' er sich es nicht vor, nicht nur der Erde ihre Eisenringe und Haftbefehle herunterzuwerfen und über alle ihre Marktaufen und Grenzbäume und Herkulessäulen steilrecht wegzufliegen und als ein Sternbild um sie zu ziehen, sondern auch über dem magischen Lilar und der plombierten Lindenstadt mit verschlingenden Augen zu schweben und eine ganze schwere volle Welt an der Handhabe eines Blicks zum durstigen Herzen zu heben!
Aber das Schicksal brach den Fall dieses schnellen Stroms. Es wollte nämlich zum Glück schon lange die Blumenbühler Kirche täglich einfallen – und ich wollte, der Pfingstdonner wäre darein gefahren und hätte der Baudirektion Ohren und Beine gemacht-, als zu noch grösserem Glück der alte Fürst unpass wurde. In der Kirche war nun das Erbbegräbnis des Fürsten, das nicht schicklich wieder das Erbbegräbnis der Kirche werden konnte.
Es musste sich treffen, dass die alte Fürstin mit dem Minister Froulay durch das Dorf passierte. Beide hatten sich längst zu Reichsvikarien und Geschäfts- und Zepterträgern des Staates bevogtet, weil der alte matte