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Durchzug des Donners durch Lianens Stadt vernahm: so wurde durch den Glauben an ihr neuversichertes Lebenund durch das sanfte Mattgold der ausruhenden Phantasieund durch die heilige Stille der bekehrten Brustund durch die innigere Liebe aus allen Gegenden seiner Seele ein abendrotes magisches Arkadien – – und nie betrat ein Mensch ein holderes.- –

23. Zykel

Es kommt nicht bloss aus meiner gefälligkeit gegen die Lese-Nachwelt her, mein lieber Zesara, sondern auch aus einer wirklichen gegen dich, dass ich alle Akte in diesem Schäferspiele deines Lebens so treu nachschreibein deinen alten Tagen sollen dir diese melodischen labend aus meinem buch nachklingen, und du sollst abends nach deinen arbeiten nichts lieber lesen als meine hier.

Die folgende Nacht verdient ihren Zykel. Bald nach Pfingsten wurde' er mit wöchentlichen medizinischen Bedenken über ein neues Kranksein der armen Liane gequält, das am Abendmahlstage, gleich als hätt' er recht geahnet, begonnen hatte. Er hörte, dass sie in Lilar, dem Lust- und Wohngarten des alten Fürsten, nebst ihrem Bruder lebe oder leide, von dessen Schweigen jetzt der Wiener an 1001 Ursachen aufgebracht hatte. Um Lilar, obwohl nahe an Pestitz, hatte sein Vater keine Sperrketten gezogen Lianens Nachtlicht konnte' ihm vielleicht entgegenschimmern, oder gar ihre Harmonika entgegentönenja ihr Bruder konnte wohl noch im Garten herumgehendie Junius-Nacht war ohnehin hell und herrlich – – ach kurz er ging.

Es war spät und still, weit ausser dem schlafenden dorf ohne Lichter konnte' er die Flötenstücke der Stubenuhr im schloss noch auf dem Pestitzer Berge vernehmen. Es erquickte ihn, dass sein Weg eine Strecke lang auf der Lindenstädter Chaussee fortlief. Er drückte das Auge an die westlichen Berge fest, wo die Sterne Ihr wie weisse Blüten zuzufallen schienen. Oben auf der weiten Höhe, dem Herkules-Scheidewege, lief der rechte Arm hinunter und wand sich dem blühenden Lilar durch Haine und Auen zu.

Schreite nur freudentrunken voll junger lichter Bilder durch die italienische Nacht, die um dich schimmert und duftet und die wie über Hesperien nicht weit vom warmen mond einen vergoldeten Abendstern36 im blauen Westen aufhängt, gleichsam über der wohnung der geliebten Seele. Dir und deinen jungen Augen werfen die Sterne nur Hoffnungen, noch keine Erinnerungen herunter, du hast einen abgebrochenen starren Apfelzweig voll roter Blütenknospen in der Hand, die wie Unglückliche zu blassen werden, wenn sie aufblühen, aber du machst noch nicht solche Anwendungen davon wie wir.

Jetzt stand er in einer Talrinne vor Lilar glühend und bange, das aber ein sonderbarer runder Wald aus Laubengängen noch versteckte. Der Wald wuchs in der Mitte zu einem blühenden Berge auf, den breite Sonnenblumen, Fruchtschnüre von Kirschen und blinkende Silberpappeln und Rosenbäume in so künstlicher Verschränkung einhüllten und umliefen, dass er vor den malerischen Irrlichtern des Mondes ein einziger ungeheurer Kesselbaum voll Früchte und Blüten zu sein schien. Albano wollte seinen Wipfel besteigen, gleichsam die Sternwarte des unten ausgebreiteten himmels oder Lilars; er fand endlich am wald einen offnen Laubengang.

Die Lauben drehten ihn in Schraubengängen in eine immer tiefere Nacht hinein, durch welche nicht der Mond, sondern nur die stummen Blitze brechen konnten, von denen der warme Himmel ohne Wolken überschwoll. Der Berg hob die Zauberkreise immer kleiner aus den Blättern in die Blüten hinaufzwei nackte Kinder hatten unter Myrten die arme liebkosend einander um die zugeneigten Köpfe gelegt, es waren die Statuen von Amor und PsycheRosennachtfalter leckten mit kurzen Zungen den Honigtau von den Blättern ab, und die Johanniswürmchen, gleichsam abgesprungene Funken der Abendglut, wehten wie Goldfaden um die Rosenbüscheer stieg zwischen Gipfeln und Wurzeln hinter dem aromatischen Treppengeländer gegen Himmel, aber die kleine, mit ihm herumlaufende Spiralallee verhing die Sterne mit purpurnen Nachtviolen und die tiefen Gärten mit Orangegipfelnendlich sprang er von der obersten Sprosse seiner Jakobsleiter mit allen Sinnen in einen unbedeckten lebendigen Himmel hinaus; ein lichter Berggipfel, nur von Blumenkelchen bunt-gesäumt, empfing ihn und wiegte ihn unter den Sternen, und ein weisser Altar leuchtete hell neben ihm im Mondenlichte. – –

Aber schaue hinunter, feuriger Mensch mit deinem frischen Herzen voll Jugend, auf das herrliche unermessliche Zauber-Lilar! Eine dämmernde zweite Welt, wie leise Töne sie uns malen, ein offner Morgentraum dehnt sich vor dir mit hohen Triumphtoren, mit lispelnden Irrgängen, mit glückseligen Inseln aus der helle Schnee des gesunknen Mondes liegt nur noch auf den Hainen und Triumphbogen und auf dem Silberstaube der Springwasser, und die aus allen Wassern und Tälern quellende Nacht schwimmt über die elysischen Felder des himmlischen Schattenreichs, in welchem dem irdischen Gedächtnisse die unbekannten Gestalten wie hiesige Otaheiti-Ufer, Hirtenländer, daphnische Haine und Pappelinseln erscheinenseltsame Lichter schweifen durch das dunkle Laub, und alles ist zauberisch-verworrenwas bedeuten jene hohen offnen Tore oder Bogen und die durchbrochnen Haine und der rötliche Glanz hinter ihnen und ein weisses Kind, unter Orangelilien und Goldblumen schlafend, aus deren Kelchen weiche Flammen perlen37, gleichsam als wären Engel zu nahe über sie hingeflogendie Blitze erleuchten Schwanen, die unter lichttrunkenen Nebeln auf den Wellen schlafen, und ihre Flammen lodern golden nach in den tiefen Bäumen38, wie Goldfische den brennenden rücken aus dem wasser drehenund selber um deine Bergspitze, Albano, schauen dich die grossen Augen der Sonnenblumen feurig an, gleichsam von den Funken der Johanniswürmchen entzündet.

"Und in diesem Reiche des Lichts" (dachte zitternd Albano) "verbirgt sich der stille Engel meiner Zukunft und verklärt