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an Verstand und Plumpheit glich, nichts in der alten geschichte lieber fandund also abmalteals einen grossen Mann, der wenig anhatte, wie z.B. Diogenes, oder der barfuss ging, wie Kato, oder unbalbiert, wie die Philosophen; ja er fiel in die Mittelmark ein und holte sich Friedrichs II. Kleider heraus, womit er soviel gewann als Mr. Pages in Paris, und trug dessen Hemden wie des edlen Saladins seines und unter einerlei Ausrufungen auf Stangen zur Schau und entwarf als ein zweiter Scheiner die beste Karte, die wir von den Sonnenflecken des Tabaks auf Friedrich haben. Dann nahm er diese nackten rauhen Kolossen und schlichtete sie sämtlich in die eine Waagschale auf, und in die andere warf er getäfelte leichte Figuren wie Falterle und die Nürnberger geleckten Kindergärtchen von neuern Höfen und ersuchte den Scholaren, achtzugeben, wohin das wägende Zünglein schlage. – –

Ich bin hier nicht ganz auf deiner Seite, Magister, da kraftvolle Jünglinge ohnehin die Folie des Zeremonialgesetzes zu leicht zerreissen und oft die Folienschläger, die Oberzeremonienmeister, dazu; für Schwache ist die Metode gut.

Kam nun Albano zum Exerzitienmeister: so konnte' er vor dem lauten Nachklange der vorigen Stundeweil Kinder von einer gewissen Tiefe, wie Gebäude von einiger Grösse, ein Echo gebendas nur schwach vernehmen, was Falterle befahl; und nur wenn er einige Tage ohne die historische Rührung blieb, wurde' er für die kleinern Lehrstunden weiter offen, wie vergoldete Sachen erst, wenn das Gold herunter ist, sich versilbern lassen. Das Unglück war noch, dass er seine Frontänze gerade neben der Schreibstube des Direktors, der da in eignen begriffen war, zu machen hatte. Es traf sich oft, dass Wehrfritz, wenn Alban so zerstreuet wie eine verliebte Moitistin in der Anglaise aufmerkte, drinnen unter dem Diktieren schrie: "Ins drei Teufels Namen, chassier!" Ebenso viele Fälle würde man aufzählen können, wo der Mann, wenn der Musikmeister wie ein Trommelbass mit ewigem Ermahnen zum Piano unter dem Adagio weglief, drinnen mit dem erdenklichsten Fortissimo rufen musste: "Pianissimo, Satan, Pianissimo!" – Einige Male musst' er von seinen arbeiten aufstehen, wenn in der Fechtstunde alles Zureden zur Quarte nichts half, und die Tür aufmachen und ergrimmt zum Wiener sagen: "Um Gottes Willen, Herr, sein Sie doch kein Hase und stossen Sie ihm derb aufs Leder, wenn er nicht aufpasst!" – worauf der höfliche Fechtmeister nur leise zu Quartstössen anfrischte. –

Gleichwohl lernt' er viel; in so frühen Jahren setzet man sich weder über den Putz noch über die schönen Künste eines Falterle hinweg, der noch dazu mit dem zauberischen Vorzuge mächtig war, in der verbotnen Hauptstadt geglänzt und gelehrt zu haben. Bloss der laute Aufschritt und die Stiefel waren dem Zöglinge nicht zu nehmen; aber die Achseln waren in kurzem waagrecht und der Kopf steilrecht gedrückt und die oszillierenden Finger samt dem regen Körper mit einem Stahlschen Augenhalter festgemacht. Überhaupt haben Menschen mit einer liberalen Seele in einem schöngebauten Körper schon ohne Falterles Spalierwand und Schere einen gefälligen Stand und Wuchs. Dabei hatte er den niedlichen freundlichen Falterle mit jener heiligen ersten Menschenliebe, womit ein Kinderherz sich an alle Leute des Hauses und des Dorfes anklammert, schon darum lieb, weil den Wiener eine Dame um den Goldfinger, ja innen um den Goldring selber aufwickeln konnte, und weil er vom Ritter des goldnen Vlieses wie von einem Könige sprach und log, und weil er die gefälligste Haut war, die je über die Erde lief.

Da ich in meinen Biographien Duldung und eine vielseitige Gerechtigkeit gegen alle Charaktere lehren will: so muss ich hier mit meinem Muster der Toleranz vorangehen, indem ich von Falterle bemerke, dass seine arme dünne Seele sich selber nicht unter den steinernen Gesetztafeln der Etikette und unter dem hölzernen Joche eines imponierenden Standes aufzubringen vermochte. Wem tat der arme Teufel etwas an? Nicht einmal Damen, für welche er zwar, gleich einem Kupferstecher, immer vor dem Spiegel arbeitete an seinem Ich, allein nur um mit diesem Kunstwerke, gleich andern Figuristen, reine Schönheiten darzustellen, nicht aber solche zu verführen. Das Seewasser seines Lebensdenn er ist weder ein Millionär noch eben der grösste Gelehrte des Säkuls, ob er wohl bei vielen Bücherverleihern herumgelesensüsset er sich durch das Schönheitswasser ab, worin er sich stündlich badet. Er säuft und frisset fast nichts; flucht und schwört er, so tut er es in fremden Sprachen, wie der Päpstler darin betet, und schmeichelt wenigen ausser sich.

Der Eitle und noch mehr die Eitle hassen Eitle viel zu stark, die doch mehr am kopf als am Willen siechen. Ich kann mich hier freudig auf jeden denkenden Leser berufen, ob er sich je, wenn er eben ungewöhnlich eitel einhertrat, tiefe Gewissensbisse oder Misstöne im Ich verspürt zu haben entsinnt, welche doch niemals fehlten, wenn er sehr log oder zu hart war; er nahm vielmehr ein ungemein liebliches Schaukeln seines inneren Menschen in der Paradewiege wahr. Daher wird ein Eitler so schwer wie ein Spieler kuriert. Aber auch noch darum: die meisten Sünden sind Kasualpredigten und Gelegenheitsgedichte und müssen häufig ausgesetzet werden, vom 3ten bis loten Gebot inclus. – Die Ehe, den Sabbat, das Wort kann man nicht zu jeder gegebenen Stunde brechenVerleumden kann einer so wenig als kegeln oder duellieren mit sich selberviele beträchtliche Laster sind nur an der Ostermesseoder am Neujahrstageoder