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sein Nebenrenner sich mit ganz neuen Lehren des Zöglings bemeistern; aber neue für diesen waren neue für ihn selber. Wie die meisten ältern Schullehrer wusst' er von der Sternkunde ausser dem wenigen, was im Buch Josua stand, und von der Naturkunde ausser den wenigen Irrtümern, die in seinen eher vergessenen als zerrissenen Heften standen, und von der Weltweisheit ausser der Gottschedianischen, für die aber ein reiferer Eleve gehörte, und von andern Realien genau gesprochennichts, ausgenommen etwas Historie. Kamen ihm zuweilen in seiner literarischen Sarawüste, in welche ihn die quälende Schulstunden-Schraube ohne Ende und die Bettel- oder Kröpelfuhre eines mehr verschlackten als vererzten Lebens ohne Geld verwiesen hatten, neue Lehrmetoden oder neue Entdeckungen zu Ohren (zu Augen nie): so merkt' er den Augenblick, dass es seine eignen wären, nur schwach abgeändert; und er verhielt niemand das Plagium. Ich bitte aber alle seidene und gepuderte und lockige Prinzen-Instruktoren von Herzen: verdenket meinem armen, von den schweren dicken Erdlagen des Schicksals tief überbaueten Wehmeier seine unterirdische Optik und sein Krummstehen nicht zu sehr, sondern zählt seine acht Kinder und seine acht Schulstunden und seine nahen Funfziger in seiner Lebens-Höhle von Antiparos und entscheidet dann, ob der Mann damit wieder herauskann ans Licht! Aber von der Historie wusst' er, wie gesagt, doch etwas; und diese ergriff er als pädagogischen Diebsdaumen und Fortunatus-Wünschhut. hatte' er nicht schon mit jener epischen ausmalenden Paraphrase, womit er die kleinste Marktflecken-Historie so interessant und lügenhaft erzählte (denn woher will ein guter Erzähler die 1000 kleinern, aber nötigen Züge nehmen als aus der Luft?), seinem Albano Hübners biblische äusserst rührend vorgetragen? Und wer weinte dabei mehr, der Lehrer oder der Schüler?

Nun hatte' er drei historische Wege vor sich offen. Er konnte den geographischen einschlagen, der mit der elendesten geschichte von der Welt anfängt, mit der Landesgeschichte. Aber bloss höchstens Briten und Gallier können die geschichte wie eine epische und eine Erdbeschreibung von hinten anfangen; hingegen eine haarhaarsche, eine baireutische, eine Mecklenburger Landesväter-Patristik gibt hohlen Zähnen hohle Nüsse aufzubeissen, ohne Kern für Kopf und Herz. Und schwellet man nicht dadurch einen Holzzweig der Historie, auf welchen der Zufall der Geburt den jungen Borkenkäfer abgesetzt, unverhältnismässig zu einem Stammbaume derselben an? Und was fragt man z.B. in Berlin nach einer Markgrafen-, oder in Hof nach der hohenzollerischen Regentenlinie?

Die zweite Metode ist die chronologische oder die vornen anspannende; diese hebt vom Geburtstage der Welt an, die nach Petav und den Rabbinen den 22sten Oktober29 vormittags auf die Welt kam, schreitet zum 28sten Oktober, dem ersten Flegel- und Tölpeltage des jungen Adams, dann über den 29sten, den ersten Sonn-, Buss- und Karenztag, hinweg und so fort bis zum Karenz- und Busstage des neuesten Adamssöhnchens, das eben der Sache zuhorchen muss.

Diese Milchstrasse war unserm Magister zu lang, zu öde, zu fremd. Er schiffte die mittlere Strasse zwischen den vorigen, die nach den reichen beiden Indien der geschichte führt, nach Griechenland und Rom. Die Alten wirken mehr durch ihre Taten als durch ihre Schriften auf uns, mehr auf das Herz wie auf den Geschmack; ein gefallenes Jahrhundert um das andere empfängt von ihnen die doppelte geschichte als die zwei Sakramente und Gnadenmittel der moralischen Stärkung; und ihre Schriften, an welche ihre steinernen Kunstwerke jede Nachwelt heften, sind die ewige Bibelanstalt gegen jeden Verfall der Cansteinischen Aber nun lasset uns an einem schönen Sommermorgen etliche Male vor der Rektoratswohnung vorbeigehen und es aussen mit anhören, mit welcher stimme der Magister drinnen, obwohl in altväterischen Wendungen aus dem Plutarchdem biographischen Shakespeare der Weltgeschichte –, nicht die Schattenwelt von Staaten, sondern die darin glänzenden Engel der Gemeine zitiert, die heilige Familie grosser Menschen, und werfet im Vorbeigehen einen blick auf das funkelnde Auge, womit der begeisterte Knabe an den moralischen Antiken hängt, die der Lehrer wie in einem Abgusssaale um ihn versammlet. O wenn so die grossen Wetterwolken der heroischen Vergangenheit sich an Zesarens Seele wie an ein Gebirge hingen und daran mit stillem Blitzen und Tropfen niedergingen: wurde da nicht das ganze Gebirge mit himmlischem Feuer geladen und alles, was darauf grünte und keimte, befruchtet, erquickt und herausgetrieben? Und konnte' er dann, so schön bewölkt, wohl in die tiefe Wirklichkeit schauen? Ja blieb es nicht dem Lehrer wie dem Schüler unter dem Marktgetöse des römischen und des atenischen Forums, wo sie im Gefolge Katos und Sokrates' mit herumgingen, völlig unbekannt, dass die rüstige Magisterin neben ihnen koche, bette, keife und scheuere? Von den acht lärmenden Kindern vernahmen sie schon der Menge wegen nichts; denn nur eine sausende Mücke hält man nicht ohne entsetzliche Anstrengung im Zimmer aus, leicht aber einen ganzen Schwarm. Ebenso wurde die Schulstube, auf deren Boden nichts fehlte, was man in Kanarien-Heckkasten zum Nestmachen wirft, Heu, Moos, Rehhaar, ausgezauseter Flanell und fingerlanges Garn, beiden durch den Fussboden der alten (geographischen und historischen) Welt zugedeckt, welcher, der römischen Paulskirche ihrem gleich, aus Marmortrümmern voll abgebrochener Inschriften besteht.

18. Zykel

Der Leser ist nun auf den Nachmittag, wo man den Eleven in die Poliermühle des Wieners schickt, begierig, wie er sich da schleifen lasse. Es muss ihn noch begieriger machen, wenn ich nachhole, dass Wehmeier, der wie andere Gelehrte dem Elefanten