arbeiten die Dokumente über Albanos Geburt, von der Hand des alten Fürsten an bis auf die des Bruders Luigi, als ebenso viele bewaffnete Wachen zeigen konnte, die sie aus dem Siegestore wieder rückwärts trieben. Man erstaunte mitleidig, ging auf nichts ein, Albano war weder dem land noch Reiche vorgestellt. Gaspard trug sehr ruhig eine frühe Anerkennung von Joseph II. nach. Auch dieses wurde ausser der Regel und als ungültig gefunden. Darauf gestand er mit dem entschlossenen Zorn, mit dessen Blitzfunken er so oft plötzlich Menschen und Verhältnisse durchbohrte, dass er ohne weiteres das ganze Betragen des Hofs gegen Luigis achtes Jahr und dessen Reise-Jahre allen Höfen entschleiern werde.
Hier brach man erschrocken die vormittägigen Unterhandlungen ab, um sich zu neuen nachmittägigen zu rüsten. In diesen – welche der Lektor Albano zu verheimlichen beordert war – wurde von weitem der Wunsch eines fortdauernden nähern Bandes zwischen beiden Häusern gezeigt. Unter dem Bande wurde Idoine verstanden, deren Ähnlichkeit mit Lianen und dadurch Albanos Liebe gegen letztere längst als Anekdote bekannt gewesen. Aber Gaspards ganzem Entwurfe seiner vollständigen Genugtuung stand dieser eingemischte schuldlose Engel entgegen; er – der mit seinem hohen zackigen Geweih doch leicht durch das verworrene niedrige Gezweig des Weltlebens flog – stiess gegen die Schranke seiner Vollmacht an, sagte geradezu Nein, und man brach entrüstet ab, mit der höflichen Erinnerung, dass Herr v. Hafenreffer als Bevollmächtigter ihn begleiten und in Pestitz das übrige verhandeln solle.
So kamen beide an. Hafenreffer, ebenso fein und kalt als redlich, erforschte leicht alle Verhältnisse der Wahrheit. Gaspard teilte Juliennen – noch im Wahne ihrer alten Liebe gegen seine Tochter Linda – den Wunsch des fremden Hofes mit; aber er wurde bestürzt über ihre Eröffnungen, welche so sehr für Idoine sprachen als ihre bisherigen geheimen Einwirkungen auf Albano. Dazu entrüstete sie ihn noch im verworrenen Helldunkel ihres Zustandes durch den gutgemeinten Antrag, ihm seine väterlichen Auslagen für Albano einigermassen zu erstatten. "Der Spanier lieset keine Haushaltungsrechnungen, er bezahlt sie bloss", sagt' er und nahm empfindlich Abschied auf immer, um alle Inseln der Erde zu bereisen. Albano wollt' er nicht mehr sehen, aus Verdruss über den Zufall, dass ihm durch Schoppens Kirchen- und Gräberraub das Vergnügen entwendet war, Albano durch die Entdekkung, dass er nur Lindas Vater und nicht seiner sei, für kühne Zweifel an seinem Werte zu strafen und zu demütigen. Wohin Linda noch in jener Nacht seiner Entdeckung als Vater gegangen war, verbarg er allen kalt.
Darauf nahm er auch feierlichen Abschied von seiner vorigen Braut, der fürstlichen Witwe. "Er halte es für Pflicht," (sagte er ihr) "ihr die neueste Erbfolge zu hinterbringen, da er einiger massen sich selber sehr in den gang der Sache habe verflechten lassen." Nie war ihr blick stolzer und giftiger: "Sie scheinen" (sagte sie gefasset) "in mehr als einen Irrtum verleitet zu sein. Wenn es Sie so interessiert, wie Sie sich denn überhaupt für dieses Land zu interessieren scheinen, so mach' ich mir eine Freude daraus, Ihnen zu sagen, dass ich das Glück bekannt zu machen nicht mehr anstehen darf, dem ich nun gewiss entgegensehe, dem land vielleicht durch einen Sohn ihres geliebten verstorbnen Fürsten jede Veränderung zu ersparen. Wenigstens darf man vor der Entscheidung der Zeit keine fremde Einmischung dulden." Gaspard, über das Erwartete erzürnt, versetzte darauf bloss ein unendlichfreches Wort – weil er leichter Geschlecht als Stand zu vergessen und zu verletzen vermochte und nahm darauf von ihr seinen höflichen Abschied mit der Versicherung, dass er gewiss sei, die Bestätigung dieser sonst so angenehmen Nachricht, wo er auch sein werde, zu erhalten und dass es ihm dann leid tun gerichtliche Papiere entgegensetzen zu müssen, die er ungern in Umlauf bringe. "Sie sind ein wahrer Teufel", sagte die Fürstin ausser sich. "Vis-à-vis d'un ange? Mais pourquoi non?" versetzt' er und schied mit den alten Zeremonien.
Albano, dessen Herz in allen diesen Tiefen und Abgründen die nackten verletzten Wurzeln und Fibern hatte, konnte nichts sagen. Aber sein Freund Siebenkäs äusserte ohne weiteres, "dass Gaspard bei jedem Schritte und mit dem ewigen feinen Wanken und Zögern, wie z.B. über die Heirat seiner Tochter und sonst, nichts dargestellt habe als den lebendigen Spanier, wie ihn Gundling im 1. teil seiner Otia so gut schildere". Augusti verwunderte sich über diese Offenheit; indes erschien sie ihm leidlicher und zierlicher als Schoppens rauhe. "Was mich am meisten frappieren würde," (setzte Siebenkäs dazu, der, wie es schien, die Weltgeschichte zum Nebenfach genommen) "wäre das lange Verschwiegenbleiben einer so wichtigen Abstammung unter so vielen Teilhabern des Geheimnisses, wenn ich nicht zu wohl aus Hume wüsste, dass die Pulver-Verschwörung unter Karl I. über ganze andertalb Jahre von mehr als zwanzig Mitwissern wäre verborgen gehalten worden."
Viel verwundet und durch sich gereinigt ging Albano nach diesen Erzählungen nachmittags ab ins zwieträchtige Reich, aber mit heiterer heiliger Kühnheit. Er war sich höherer Zwecke und Kräfte bewusst, als alle harten Seelen ihm streitig machen wollten; aus dem hellen, freien Äterkreise des ewigen Guten liess er sich nicht herabziehen in die schmutzige Landenge des gemeinen Seins – ein höheres Reich, als was ein metallener Zepter regiert, eines, das der Mensch erst erschafft, um es zu beherrschen, tat sich ihm auf – im kleinen und