ihn gespannt zu haben scheint, und mit Unterleib und Schenkeln in der schwarzsamtnen Halbtrauer der Kandidaten pulsierend, die sie anlegen, ehe sie sich zur ganzen verkohlen – Falterle hat sein Glatteis von Beinkleidern plattiert um die Beine gegossen, und jede Falte in diesen bricht sich in seinem gesicht zu einer, als wäre dieses das Unterfutter von jenen; indes an den Schenkeln des Schachtelmagisters die Wendeltreppe seiner WickelModesten24 aufläuft – jener in Brautschuhen, dieser in Pumpenstiefeln – jener schnalzt als eine weiche schleimige Goldschleie empor mit den Bauchflossfedern des Jabots, mit den Seitenflossfedern der Manschetten und mit den Schwanzflossfedern des an drei Hermelin-Schwänzchen hängenden trinomischen Würzelchens oder Zöpfleins; der Magister sieht in seinem grünen Flause bloss wie der grüne Schnäpel (Weissfisch) oder die Kalquappe aus – herrlicher Abstich, wiederhol' ich! –
Der Schnäpel hätte die Schleie gern gefressen, als der Goldfisch mit dem rechten arme Rabetten und mit dem linken Albano zum Essen vorausführte. Aber jetzt wurde' es viel ärger. Alban hatte mit seiner gewöhnlichen Heftigkeit die Serviette zuerst offen, die nun gleichsam das Antrittsprogramm und Dokimastikum von Falterles Lehrart wurde; "posément, Monsieur," (sagt' er zum Novizen) "il est messéant de déplier la serviette avant que les autres ayent déplié les leurs."25 Nach einigen Minuten gedachte Alban seine Suppe – es war eine à la Britannière mit Locken – kalt zu blasen: "Il est messéant, Monsieur," (sagte der Exerzitienmeister) "de souffler sa soupe."26. Der Schachtelmagister, der schon mit dem Gebläse seiner Brust zu einem Zugwinde für einen Löffel voll Lokken angesetzt hatte, schnappte erschrocken mit einer Windstille ab. Als nachher eine farschierte Weisskohlbombe wie eine Zentralsonne auf das Tischtuch niederfiel: schlang der Magister den brennenden Kalbfleisch-Farsch kühn hinein, wie ein Taschenspieler oder Vogel Strauss glimmende Kohlen, und atmete mehr ein- als auswärts.
Nach der Bombe kam ein Hecht au four herein, dem bekanntlich der Wegschnitt des Kopfes und Schwanzes und die Verschlossenheit des Bauchs die Gestalt eines Rehziemers schenken. Als Alban seinen alten Lehrer fragte, was es wäre, versetzte solcher: "Ein delikater Rehziemer." – "Pardonnez, Monsieur" (sagte der Gegenzüngler) – "c'est du brochet au four, mon cher comte – mais il est messéant de demander le nom de quelque mets qu'il soit – on feint de le savoir."27
Es ist leicht zu zeigen, dass dieser Kernschuss aus einer Doppelbüchse dem Magister durch Mark und Bein durchfuhr; die Passions-Instrumente, die im weggeschnittenen kopf des Hechts au four wie in einer Gewehrkammer lagen, arbeiteten in seinem weiter. Wie die meisten Schullehrer glaubt' er so lange die feinste Lebensart zu haben, als er sie dozierte und die gröbste bekriegte – ebensolange schätzt' er sie ungemein, so wie den Putz –; wurde' er aber in beiden besiegt, so musst' er sie von Herzen verachten. Es bracht' ihn wieder auf die Beine, dass er den Exerzitienmeister im stillen bei sich gegen beide Katos und die homerischen Heroen hielt, die nicht viel besser assen wie Schweine, und dass er so den Wiener an einen Schandpfahl anband und ihn daran mit der einen Hand wakker drasch, indes er mit der andern über ihm die Schandglocke läutete. Ja er stellte sich, um den Amtsbruder klein zu machen, auf einen fernen Irrstern und sah herunter auf die Bombe und auf den Hecht au four und musste droben auf seinem Planeten sehr herablachen, als er den gelbseidnen Ladenhüter der natur mit dem Wrack von Gehirn nicht grösser befand als einen Kleisteraal. Dann dauerte ihn der verlassne Zögling, und er fiel wieder herunter und schwur unterweges, aus ihm jeden Tag so viel auszujäten, als jener einharke. Wir werden es noch bald genug erfahren, wie Albans Nerven auf dieser Drechselbank unter den Schlichtobeln zuckten. Den Direktor labte dieses pädagogische schneiden und Brillantieren eines so grossen Demants unbeschreiblich, wiewohl der Schnitt (nach Jefferies) allen Demanten die halbe Schwere nimmt, und wiewohl er selber noch die ganze hatte und mehrere Karats als Facetten. Wehrfritz konnte nie eher rein vergeben – worauf er jetzt hinarbeitete, weil er dem Kleinen den Österleinschen Flügel mitgebracht –, als bis er wenigstens mit einem Worte eine kurze Marter angetan; er teilte also – blind gegen Albanos verhülltes blutiges Büssen – den Gästen mit, wie strenge der Minister seine Kinder erziehe, wie sie z.B. für unwillkürliches Husten und lachen an der Tafel, gleich preussischen Kavalleristen, welche stürzen oder im Winde den Hut verlieren, Strafen bekommen und wie sie freilich so alt wären wie Albano, aber völlig so gesittet wie Erwachsene. Beim Minister hatte' er heute umgekehrt mit den Kenntnissen des Pflegesohns geprunkt; aber manche Eltern erbauen in jedem fremden Zimmer Rauchopferaltäre für dasselbe Kind, das sie im eignen wie Wein und Bienen schwefeln.
Der Henker hol' es überhaupt, dass sie, wie Landesväter, gerade dann verdoppelte Forderungen machen, wenn die Kinder unmässige befriedigt haben, so dass diese durch opera supererogationis von majorennen Lernstunden die Spielstunden mehrverwirken als erringen. Hält man es nicht grossen Philosophen, z.B. Malebranche, und grossen Feldherren, z.B. Scipio, zugute, dass sie nach den grössten Eroberungen, die sie im Reiche der Wahrheiten oder in einem geographischen gemacht, sich in die Kinderstube setzten und da wahre Kindereien trieben, um den Bogen, womit sie so viele Lügen und Menschen