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unterlag, und dieser Bruder selber, der ihn bisher in einer so harten unbrüderlichen Maske umarmen konnte. "Wie anders war die treue Schwester!" sagt' er. "Warum" (fuhr er fort) "liess man mich so manchem stolzen harten geist so vielen Dank schuldig werden für mein blossesGeburtsrecht? – Warum traute man nicht meinem Schweigen ebensogut? – O so musst' ich die arme Tote droben218 verkennen, weil sie meinem geoffenbarten stand in jener feindlichen Nacht am Altare ihr schönes Herz aufopferte! So musst' ich durch Vermutungen und Vorsätze so manche rechte Seele verletzen! Wie unschuldig könnt' ich sein ohne dies alles!" "Beruhigen Sie sich," (sagte Siebenkäs mit feiner Rüge) "die Stärke des Feindes wird zu dem Widerstande geschlagen und von der Niederlage abgezogen; und was wäre ein Sieg auf leerem Schlachtfelde gewesen?"

Siebenkäs war vor dem glänzenden stand und vor dem Feuer der Leidenschaftlichkeit, die er nur in gemeiner, nicht in edler Erscheinung kannte, um einige Schritte zurückgetreten, die Albano nicht bemerkte, weil er sie nicht voraussetzte. So gut es ging, suchte Siebenkäsindem dessen innerer Mensch seine im grab des Freundes starr gefrornen Glieder allmählich wieder aufwickelteden sanften Scherz wiederzugewinnen und in diese Blumenketten den heftigen Jüngling einzuschliessen: "Ich freue mich," (sagt' er) "dass ich der erste bin, der zu Ihrem Geburts- und Krönungstage Wünsche bringt, die aber alle in den einzigen gehen, dass Sie immer Ihren Taufnamen behaupten mögendenn Alban ist der bekannte Schutzheilige der Landleute. – Ausser dem haarhaarschen Prinzen, den der Ritter recht mit der Devise seines Ordensstifters Philipp trifft: ante ferit quam flamma micet, ist wohl niemand dabei zu bedauern als der Finanzstempelschneider, der jetzt nichts Neues zu schneiden erhält, da die Linie weiterregiert" Er setzte noch leicht hinzu, weil er den schweren Wälder- und Wolken-tragenden Fels Gaspard nie gesehen: "Welches sonderbare Namenspiel, das noch wenige Cavalleros del Tuzone gespielt, ist es, dass er sich gerade le Cesara nennt, da, wie Sie wissen, die Spanier sich wie die alten Römer oft die Namen von ihren Taten und Begegnissen zuteilen. So ist es aus den Pièces interessantes T. I. überall bekannt, dass z.B. Orendayn sich den Namen la Pas zuerkannte, weil er 1725 den Frieden zwischen Österreich und Spanien unterschriebenmit einem dritten Namen, Transport Réal, tauft' er sich ein, um es zu behalten und zu bemerken, dass er den Infanten nach Italien abgeführt. Cesara ist wohl freilich mehr Zufall."

Albano wurde durch solche geistige Ähnlichkeiten mit dem freien Schoppe erst recht seinem Herzen zugezogen. Er nahm Abschied von ihm und sagte: "Freund unsers Freundes, wollen wir beisammen bleiben!" – "Wahrlich, der Zweifel an der Entscheidung Ihres Schicksals, Prinz," (versetzte Siebenkäs) "wäre allein dafür entscheidend, wenn nur mein Herz allein entschiede; aber –" Albano zuckte die Achseln wie entrüstet, schwieg aber. "Solange bleib' ich indes hier," (fuhr jener sanfter fort) "bis der Hügel auf dem Seligen liegt; dann steck' ich das hölzerne schwarze Kreuz auf ihn und schreibe alle seine Namen daran." – "Wohl! So werde' es!" (sagte Albano) "Aber seinen Hund nehm' ich, weil er mich länger kennt. Ich bin ein junger Mensch, noch jung an verlornen Jahren, aber schon sehr alt an verlornen zeiten, und verstehe so gut wie mancher, den die Zeit bückt, was Menschen Verlieren ist. sonderbar ist es, dass ich immer auf Gräbern Spiegel finde, worin die Toten wieder lebendig gehen und blicken. So fand ich auf Lianens grab ihr lebendiges Bild und Echo; meinen alten liegenden Schoppe fand ich, wie Sie wissen, auch hinter einem Spiegelglas aufrecht und rege, durch das meine Hand ebensowenig durchkann. Ich versichere Sie, sogar meine Eltern werden mir vorgespiegelt, meinen Vater kann ich in einem Zylinderspiegel, und meine Mutter durch ein Objektivglas sehen. – Hier ist nun nichts zu tun, wenn man in einer Nacht steht, wo alle Sterne des Lebens hinunterziehen, als sehr fest darin zu stehen. – Aber zu meinem alten Humoristen muss ich noch Addio sagen."

Er ging ins Leichenzimmer. Schweigend folgt' ihm Siebenkäs, betroffen über die ungewöhnliche Laune derSchmerzen. Mit trocknen Augen zog Albano das weisse Tuch von dem ernsten Gesicht, dessen feste Augenbraunen sich zu keinem Scherze mehr zogen und das eisern hinschlief ohne Zeit. Der Hund schien den kalten Menschen zu scheuen. Albano suchte durch scharfe, heftige, trockne Blicke das Totengesicht bis auf jede Falte tief abzudrücken in sein Gehirn wie in Gips, zumal da ihm der lebendigste Abdruck, der Freund, entging. Dann hob er sich die schwere Hand auf die Stirn, die den Fürstenhut tragen sollte, gleichsam um sie damit zu segnen und einzuweihen. Endlich bückt' er sich auf das Gesicht nieder und lag lange auf dem kalten und; aber als er sich spät aufrichtete, weinten seine Augen und sein ganzes Herz, und er reichte dem Zuschauer bebend die Hand und sagte: "Nun, so lebe du auch wohl!" – "Nein," (rief Siebenkäs) "ich kann das nicht, wenn ich geheSchoppe! ich bleibe bei deinem Albano!"